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spacko, Ingo-GL, Karl Kaiser, _Yoshi_, dxbruelhart, raeuberhotzenplotz1, carkiller08, Nohab, reimay

Bau eines Radiospektrometers für 45 bis 870 MHz (Zeitschrift Funkamateur 6/2010)

Startbeitrag von Ingo-GL am 29.05.2010 17:25

In der aktuellen Ausgabe 6/2010 der Zeitschrift "Funkamateur" wird der Bau eines Spektrometers für den Frequenzbereich 45 bis 870 MHz beschrieben. Das Gerät wurde für ein Netzwerk von Stationen zum Überwachen der Radiofrequenzstrahlung der Sonne entwickelt. Es kann aber auch allgemein zum Beobachten von breitbandigen Funksignalen genutzt werden.

Auf der Platine befindet sich
- ein TV-Tuner von Philips,
- ein Mischer, der das 7 oder 8 MHz breite Ausgangssignal des Tuners auf 10,7 MHz umsetzt. Dort wird das Signal mit einem dreibeinigen Keramikfilter auf eine Bandbreite von ca. 300 kHz begrenzt.
- ein logarithmischer Detektor mit einer Spannweite des Ausgangssignals entsprechend 50 dB
- ein Mikrocomputer, der den Tuner steuert und das Ausgangssignal des Detektors digitalisiert.
- eine RS232-Schnittstelle
- 6 digitale Ausgänge, mit denen der Mikrocomputer externe Komponenten ein- und ausschalten kann.
- eine Programmierschnittstelle

Der Empfänger arbeitet nicht autark. Er benötigt einen PC, der die während eines Scans erfassten Messdaten abnimmt. Er kann allerdings eine Liste der abzufragenden Frequenzen speichern. Der Rechner wird dadurch entlastet. Abfragen einzelner Frequenzen durch den PC ist aber auch möglich.

Das minimale Frequenzschrittintervall ist 62,5 kHz. Das ist der bei TV-Tunern übliche Wert.

Der Dynamikbereich des Messsignals beträgt ungefähr 50 dB. Zusätzlich kann jedoch der Mikrocomputer die Verstärkung des Tuners um 40 dB ändern (maximaler Eingangspegel einstellbar zwischen -70 dBm und - 30 dBm). Damit kommt man auf einen Messbereich von -120 dBm bis -30 dBm. Diese Werte gelten für die Messbandbreite von 300 KHz, so nehme ich an.

Übersicht zum Projekt "CALLISTO"
http://www.exp-astro.phys.ethz.ch/astro1/Users/cmonstei/instrument/callisto/index.php

Dokumente zum Empfänger "e-CALLISTO"
http://www.exp-astro.phys.ethz.ch/astro1/Users/cmonstei/instrument/callisto/ecallisto/applidocs.htm

Antworten:

Das hört sich ja mal richtig interessant an. Vielen Dank für den Hinweis! Vielleicht wird's ja das nächste Projekt für lange Winterabende...

Ich war heute mal am Bahnhofskiosk und habe einen Blick in den "Funkamateur" geworfen. Wenn ich es richtig gesehen habe, war in der aktuellen Ausgabe 06/2010 bereits der zweite Teil des Beitrags abgedruckt, in dem es im wesentlichen um den Aufbau des Gerätes geht.

Was mich aber im Augenblick noch mehr interessieren würde: Gab es im ersten Teil irgendwelche Infos zur Praxistauglichkeit dieses Gerätes? Mich würde z.B. die Darstellungsmöglichkeit einzelner DVB-T-Kanäle über eine Bandbreite von 8MHz im UHF-Bereich interessieren. Wie gut ist die Auflösung? Könnte man das UKW-Band II mit ausreichender Genauigkeit darstellen? Bei einem 300 kHz-Filter habe ich da gewisse Zweifel - von der Inkompatibilität der 62,5 kHz-Schrittweite des Tuners zum eruopäischen Frequenzraster mal ganz zu schweigen... Vielleicht hat ja jemand den ersten Teil gelesen und kann mit weiteren Infos weiterhelfen?

Das größte Problem dürfte sein, den Tuner zu bekommen. Den gibt's nicht mal so eben bei den üblich verdächtigen Versandhändlern. Weiß jemand, wo diese Tuner verbaut worden sind, damit man ein Altgerät aus der Bucht entsprechend ausschlachten kann? Offensichtlich ist das Platinenlayout für die vertikale Version des Tuners ausgelegt worden. Ich könnte mir vorstellen, dass der noch schwieriger zu finden ist.

von spacko - am 30.05.2010 20:59
Der erste Teil informierte über die Geschichte des CALLISTO-Projekts. Der aktuelle Empfänger hatte Vorgänger.
In der nächsten Ausgabe des Funkamateuer soll ein dritter Teil folgen mit Tipps und Tricks zur Anwendung im Amateurfunk. Vielleicht gibt es noch Hinweise zur Verfügbarkeit des Tuners und der Platine. Philips/NXP hat ja das Tuner-Geschäft an Thomson abgegeben.

von Ingo-GL - am 30.05.2010 21:27
Zitat
spacko
Das größte Problem dürfte sein, den Tuner zu bekommen. Den gibt's nicht mal so eben bei den üblich verdächtigen Versandhändlern. Weiß jemand, wo diese Tuner verbaut worden sind, damit man ein Altgerät aus der Bucht entsprechend ausschlachten kann? Offensichtlich ist das Platinenlayout für die vertikale Version des Tuners ausgelegt worden. Ich könnte mir vorstellen, dass der noch schwieriger zu finden ist.


Kann man nicht jeden Analogen Tuner nehmen der in den Röhrenfernseher so ab Mitte der 90er verbaut wurde ?



von _Yoshi_ - am 31.05.2010 06:54
Der hat den CD1316 lagernd:
http://www.tvsat.com.pl/
18 Dollar.
Findet man über die Suche. Datenblatt ist dort auch.
Ansonsten, wenn der Funkamateur dieses Projekt als Anleitung im Heft hat, dann sollte das Teil
in 1-2 Monaten auch auf Box73.de erhältlich sein.

@Yoshi2001: Nein. Die Software ist darauf angewiesen, daß die Ansteuerung per I2C paßt.

Zitat
spacko
von der Inkompatibilität der 62,5 kHz-Schrittweite des Tuners zum eruopäischen Frequenzraster mal ganz zu schweigen...

Irrtum. 250 kHz muß der Tuner können, 4 * 62.5 kHz = 250.kHz. Damit paßt es. Auf UKW natürlich
nicht, aber das vorgesehene einzelne Filter ist eh breiter. Altternative: Referenzquarz im Tuner
tauschen und Software anpassen. Falls da ein TSA5511 drin ist -und von den Steuerdaten her sieht es
danach aus (siehe Datenblatt)- den 4 MHz-Quarz gegen einen mit 3.2MHz-Quarz tauschen,
dann sind es 50kHz Schrittweite. Die Software ist natürlich auch entsprechend anzupassen.



von Nohab - am 31.05.2010 09:10
@ Ingo-GL:

Danke für die Info. Hältst Du uns auf dem Laufenden, wenn Heft 07/2010 erscheint?

@ Nohab:

Leider haben die Polen einen Mindestbestellwert von 100 USD. Da müssten sich dann schon ein paar zusammentun, um eine Sammelbestellung abzusetzen

Wegen des Frequenzrasters ging es mir in der Tat um die UKW-Frequenzen. Beim TV halte ich die Schrittweite das allein schon wegen der 8 MHz Kanalbandbreite für verhältnismäßig unkritisch. Aber die Idee, den Quarz auszutauschen und die Software zu modifizieren ist natürlich richtig gut. Würde es dann wegen der Trennschärfe nicht auch Sinn machen, ein schmaleres ZF-Filter als 300 kHz zu wählen?

von spacko - am 31.05.2010 21:00
Ich hab jetzt zwar das Datenblatt vom CD1316 nicht gefunden, aber wenn der
kompatibel zum CD1300 ist (Datenblatt auf dieser o.a. callisto-Seite),
dann dürfte die PLL zumindest TSA5511-kompatibel sein.

Problem bei der Verwendung andere Tuner:
Die Bandumschaltung (low-mid-high) ist bei den meisten TV-PLL-Tunern
anders realisiert. Beim CD1300-Tuner geht das beispielsweise über die
PLL-IC-Ports 0,1,und 2.
Beim UV916H-Tuner von Philips (oft zu finden in TV's und VCR's aus den 90ern) erfolgt die Umschaltung dagegen beispielsweise über die Ports 4 bis 7 vom PLL-IC.
( siehe auch http://hem.passagen.se/communication/supertuner.html )

Der CD1300 braucht im Gegesatz zu älteren Tunern auch keine 12V und 33V
mehr. Da reichen 5V.

Den passenden Tuner gibt's übrigens auch beim FA-Leserservice
(siehe http://www.funkamateur.de/download-files/Stueckliste_eCallisto.pdf )

von carkiller08 - am 31.05.2010 21:58
Der Tuner CD1316 ist eine von drei Varianten, die im Datenblatt zum CD1300L auf Seite 17 beschrieben sind

von spacko - am 01.06.2010 20:34
Guten Tag

ich habe mir beim FA Leserservice den Tuner und den log. Verstärker gekauft.
Die beiden Bauteile habe ich auf einer Lochrasterplatine verdrahtet und noch ein kleines Programm
für einen PIC geschrieben, der übernimmt die Steuerung des Tuners via IIC Bus und misst
den Pegelwert mit seinem eingebauten Analog-Digital Wandler.

Mangels Bauteile habe ich die 2. ZF Stufe, so wie in den Callisto Unterlagen beschrieben,
noch nicht aufgebaut. Das werde ich aber auf alle Fälle noch machen.

Dennoch sehen die ersten Messungen damit ganz gut aus.

siehe
http://home.mnet-online.de/reimay/eCallisto_Nachbau/Test_3.png

Insgesamt finde ich dieses Projekt als eine sehr gute und vor allem kostengünstige
Möglichkeit ein Radiospektrometer aufzubauen.

mit freundlichen Grüssen
Reinhard Mayer

von reimay - am 25.07.2010 18:50
Die in dem Artikel beschriebene Platine wird jetzt auch angeboten (in der Abteilung "Neu im Shop"), lieferbar ab Mitte August. Und der Tuner kostet 24,50 Euro.
Im dritten Teil (Heft 7) empfiehlt der Autor, für die Überwachung von Funksignalen ein 80 kHz-Filter einzusetzen. Das in der Beschreibung genannte 300-kHz-Filter ist hingegen optimal für das Beobachten der breitbandigen Radiostrahlung der Sonne.

von Ingo-GL - am 25.07.2010 19:11
Ein Blick in den Tunerbaustein offenbart übrigens noch eine weiteres interessantes Detail: Sein Herzstück ist ein TDA6509A. Laut Datenblatt ist er in der Lage, durch Setzen des richtigen Bits statt der Standardschrittweite von 62,5 kHz auch eine Schrittweite von 50 kHz einzustellen. Damit könnte man sich für den von Nohab vorgeschlagenen Austausch des 4 MHz-Quartzes für kleinere Schrittweiten sparen.

Setzt man dann noch ein 56 kHz-Filter statt des bereits vorgeschlagenen 80 kHz-Filters für die ZF von 10,7 MHz ein, wäre e-Callisto sogar mit einer vernünftigen Tennschärfe für den UKW-Bereich nutzbar.


von spacko - am 25.07.2010 20:45
Nachdem manfredp in einem anderen Thread danach gefragt hat, hier mal ein Zwischenstand meines Projekts. Gegenüber der Original-Variante habe ich ein schmaleres ZF-Filter verwendet, die Firmware modifiziert (u.a. 50 kHz-Schritte ermöglicht) und eine komplett neue Client-Software geschrieben. Das ganze Projekt befindet sich noch immer in der Bastel- und Experimentierphase. Neue Features kommen dazu oder werden modifiziert. Bei einigen Themen stoße ich aber auch an die Grenzen der Hardware. So sind z.B. die Pegelangaben immer nur relativ zur aktuellen Einstellung des HF- und des ZF-Verstärkers zu verstehen - eine Absolutmessung ist mangels einer kalibrierten Referenzquelle nicht möglich. Aber das ist auch überhaupt nicht nötig. Für meine Amateurzwecke reicht's voll und ganz :-)! Hier mal ein paar Screenshots:

UHF Kanäle E21-69 in meiner Haus-Anlage. Ganz links ist das mithilfe von vielen Filtern ramponierte, aber auf ein für den Empfang des K21 zurechtgestutzte Spektrum des ansonsten übermächtigen K22 aus Ermingen zu erkennen:


Man sieht bei den Kanälen 62/63 und 68, dass Breitband-Internet mit LTE hier oben in Bollingen bereits verfügbar sein dürfte - zumindest entspricht das Spektrum den beiden bei der LTE-Versteigerung im Sommer 2010 an Vodafone zugesprochenen Frequenzblöcken aus der Digitalen Dividende (siehe Wikipedia-Artikel).
Hier das etwas höher aufgelöste LTE-Spektrum im oberen UHF-Bereich:



Außerdem der Vollständigkeit halber noch das DAB-Spektrum, das ich im Augenblick nicht aktiv nutze und nur aus reiner Neugierde von einer alten TV-Stabantenne auf dem Dachboden über den VHF-Eingang meines terrestrischen Verstärkers schicke. Wie man im linken Teil das Spektrums unschwer erkennen kann, ist das Teil heftigst übersteuert und rauscht fürchterlich :xcool::


Und schließlich (diesmal ohne Anzeige der Kanalgrenzen) das UKW-Spektrum der unter Dach aufgestellten Hirschmann U8, derzeit in Richtung München ausgerichtet:


von spacko - am 20.06.2011 22:49
Ein sehr interessantes Projekt!
@ spacko: Das Signal auf Kanal 62/63 scheint mir in der Tat LTE zu sein (ansonsten läuft LTE aber hauptsächlich auf 2.6 GHz; ich empfange hier da oben 9 Netze); auf Kanal 68 scheint etwas anderes zu sein, das ist kein LTE-Signal.
Mit 4 DAB-Ensembles bist Du aber auch nicht schlecht bedient, ab dem August kommt dann mindestens noch ein weiteres (Bundesensemble) dazu, also da könnte es sich schon lohnen, auch dafür einen Empfänger zu kaufen.

von dxbruelhart - am 21.06.2011 04:43
@dxbruelhart:

Bist Du sicher, dass es sich bei dem K68-Signal nicht um LTE handelt? Meines wissens ist das der Uplink-Frequenzbereich und ohne Uplink kein Downlink ;). Ich kenne mich bei LTE nicht wirklich aus, aber ich kann mir fast nicht vorstellen, dass die Stationen auf der Anwenderseite mit voller Bandbreite funken...

Mit den 4 DAB-Ensembles bin ich sicherlich noch nicht am Ende. Ich gehe davon aus, dass mit entsprechenden Antennen auch noch einiges mehr möglich wäre - z.B. der Säntis, der Kanal 7 war zu Analog-Zeiten hier in 140km Entfernung quasi Ortssender.

von spacko - am 21.06.2011 19:00
@ spacko: LTE ist normalerweise auch beim Upload wesentlich breitbandiger - zumindest gleichmässiger, ausserdem ist das Signal, welches bei Dir auf Kanal 68 einfällt, ausserordentlich stark. Der Uplink von Vodafone wäre ansonsten im Bereich 842 - 852 MHz, reicht also vom Kanal 67 in den Kanal 68 herein. Hör da mal mit einem rein, dann wird das ganze wohl klarer, was da sendet.

von dxbruelhart - am 22.06.2011 04:20
Zitat
spacko
UHF Kanäle E21-69 in meiner Haus-Anlage. Ganz links ist das mithilfe von vielen Filtern ramponierte, aber auf ein für den Empfang des K21 zurechtgestutzte Spektrum des ansonsten übermächtigen K22 aus Ermingen zu erkennen:


Sehr schöne Pegelübersicht, die ich für mich auch gerne hätte.
Einige Abweichungen zwischen Kanälen eines einzigen Senders kann ich mir aber nicht erklären -
außer vielleicht durch Gruppenantennen oder Filter in der Anlage etc
(hier aber mit meinen laienhaften "dB"-Angaben anhand einer Skala mit -50=Null):

13dB K21
08dB K24 Pfänder

13dB K40 !
26dB K43
27dB K22 Ulm (Filter)

04dB K34 (wegen CH?)
04dB K35
08dB K48 aber:
16dB K52
18dB K54
15dB K56 Wendelstein

26dB K28 !
13dB K45 (20dB-Spitze etwa wegen RTL-X aus S - trotz Abschattung Alb?)
15dB K46 Grünten

13dB K23 !
03dB K50
__dB K59 Aalen

von Karl Kaiser - am 23.06.2011 00:40
@Karl Kaiser:

Stimmt, die Beobachtungen sind auf den ersten Blick nicht einleuchtend. Deshalb ein paar Hinweise zum besseren Verständnis:

1. Azimut der hier empfangbaren Sender:
Pfänder (K21h, 24h): 185°
Ulm-Ermingen (K22h, 40h, 43h): 190°
Grünten (K28h, 45h,46h): 163°
Wendelstein (K34v, 35v, 48v, 52v, 54v, 56v): 118° bzw.
München (K34v, 35v, 48v, 52v, 54v, 56v): 104°
Hohenpeißenberg (28h, 47h, 53h): 131°
Hesselberg (K47h, 55h): 33°
Augsburg-Staufersberg (K25h, 36h, 44h): 97°
Geislingen (K23h, 50h, 59h): 332° bzw.
Aalen (K23h ,50h, 59h): 20°
Zugspitze (K49h): 145°

2. Antennenaufbau:
Zur Zeit sind am Mast nur zwei UHF-Antennen montiert: Zum einen eine Kathrein AOS32, horizontal polarisiert, Azimut 185°, Hauptrichtung Pfänder, zum anderen eine Funke 43-Element-Antenne vertikal montiert, Azimut 120°, Hauptrichtung Wendelstein.

Daraus ergibt sich, dass nur die Kanäle 21, 22, 24 und 28 sowie die Kanäle 34, 35, 48, 52, 54 und 56 mit einer passend ausgerichteten Antenne empfangen werden. Sämtliche anderen Kanäle werden mit mehr oder weniger großen Reflexionen empfangen, was aufgrund von Laufzeitunterschieden zu ziemlichen Pegelunterschieden über die knapp 8MHz Bandbreite eines DVB-T-Kanals führen kann.

3. Zusammenschaltung:
Die beiden Antennen sind zur Zeit noch immer recht experimentell zusammengeschaltet. Die AOS32 ist über eine mehrstufige Verstärker- und Filterkombination eingeschleift, die Signale werden deutlich stärker angehoben als die der anderen Antenne. Damit erklären sich die stärkeren Pegel für die unteren Kanäle der Sender Grünten (28 gegenüber 45 / 46), Aalen / Geislingen (23 gegenüber 50 / 59) und Ulm (22 gegenüber 40 / 43).

Um die Einflüsse des Senders Ulm-Ermingen (7km von hier) etwas zu abzuschwächen, sind auch in die Zuleitung von der Wendelstein-Antenne Filter eingefügt, die die Kanäle 22, 40 und 43 ebenfalls bedämpfen. Dies ist notwendig, weil Ermingen hier ungefiltert locker mit 40-70 dB mehr als die übrigen Kanäle einstrahlen würde (einzige Ausnahme: Grünten). Ich habe mal die Verstärkung hochgezogen (auch, wenn dann der Pegel des K22 wegen des geringen Frequenzhubs des Spektrometers zu niedrig angezeigt wird), damit man auch die sehr schwachen Sender erkennen kann:


4. Gewinndiagramm der Funke-Antenne:
Die Antenne ist für den Bereich K21-69 ausgelegt, ihr Gewinnmaximum dürfte irgendwo in der Nähe des K65 bis 66 liegen. Entsprechend stärker ist die Dämpfung bei den unteren Wendelstein-Kanälen.

Zusammengefasst:
Prinzipiell wäre bei entsprechender Anzahl von Antennen und der richtigen Ausrichtung ein weitaus saubereres Spektrum möglich. Aber letztlich geht es hier ja nicht um einen Schönheitswettbewerb sondern darum, dass der Receiver die Kanäle störungsfrei empfangen kann. Nur der K34 vom Säntis ist mir bis heute nicht gelungen. Hier kommt zur Gleichkanalstörung vom Wendelstein noch eine ungünstige Topographie hinzu. :mad:

von spacko - am 23.06.2011 21:19
Danke, einleuchtend. Jetzt erkennt man auf K29 einen vielversprechenden (?) Restpegel,
der vermutlich über die Wendelstein-Peilung vom Gaisberg kommt - aber Nichts auf K32.

von Karl Kaiser - am 24.06.2011 09:51
Hat schon jemand an diesen Spektrometer eine Band I Antenne Angeschlossen und mal das Band I Abgescannt ?

Wäre mal interessant zu sehen wie das Spektrum aussieht bei ES Öffnungen.

Vor allen bei der Belegung der R, E und A Kanäle.

Wäre damit eine Echtzeitüberwachung auf ES Aktivität möglich ?

von _Yoshi_ - am 24.06.2011 10:13
@Karl Kaiser:
Leider ist der K29 kein Rest vom Gaisberg. Vielmehr ist es so, dass im Tuner ein 8MHz breites Filter um die 1. ZF eingebaut ist. Dieses hat außerhalb des Bandpasses in der Nähe der Flanken eine Dämpfung von rund 40dB, die dann mit zunehmendem Abstand weiter zunimmt.

Liegt nun das Signal eines stark einfallenden Senders um mehr als 40dB über dem Rauschen, so kommt es aufgrund des Prinzips der Überlagerungsempfänger zu einem scheinbaren Signal in der Nähe. Das ist auch beim starken K28 vom Grünten der Fall. Das einzige, was ich noch nicht ganz habe herausfinden können, ist die Tatsache, dass dieser "Geisterpegel" oberhalb der Nutzfrequenz grundsätzlich stärker ausfällt als unmittelbar darunter.

@Yoshi2001:
Noch nicht, ich kann aber - wenn ich mal Zeit und Lust habe - einen Behelfsdipol für Band I zusammenzimmern und dranhängen. Der Band I-Eingang meines Verstärkers wäre noch frei...

von spacko - am 24.06.2011 10:25
Hallo spacko,

großer Respekt, ein selbstgebauter Meßempfänger! Toll, sowas würde ich auch gerne machen, wenn ich Zeit dazu hätte. Hast Du einen Bausatz erworben, ober alles selbst gebaut?

Vielleicht können wir uns mal per Email dazu unterhalten, mich würe die Schaltung interessieren.

Mit einem guten zuschaltbaren Vorverstärker und einem HF bzw. ZF-Abschwächer könnte man bestimmt die noch Meßdynamik vergrößern. Wenn man den Detektor und die Sweep / Integrationszeit der Meßwerteerfassung würde man sicher auch saubere Hüllkurven der DVB-T Signale hinbekommen. (Bei sauberem Empfang sehen die aus wie schöne Rechtecke im Frequenzspektrum, allerdings muß man langsam sweepen bzw. eine geringe VBW einschalten.)

Ich habe übrigens einen SMS2 Meßsender von R&S, mit dessen Hilfe Dein Meßempfänger kalibriert werden könnte. 50 auf 75Ohm Anpassglieder hätte ich auch. Leider habe ich das Gerät aus Platzgründen nicht in Ulm.

Das mit den Nebenkanalstörungen bekommt man nur mit einem anderen Tuner in den Griff, der eine kleinere Meßbandbreite hat, oder man arbeitet mit der 8MHz breiten ZF (liegt bei ca. 39MHz?) und digitalisiert diese gleich. Der Rest ist dann Software... Dazu benötigt man aber richtig gute A/D Wandler! Profimeßempfänger mischen meines Wissens erst mal hoch und dann in mehreren Schritten wieder runter, wegen den Spiegelfrequenzen...

von raeuberhotzenplotz1 - am 24.06.2011 19:07
P.S. In Verbindung mit einem Rauschgenerator kannst Du dieses Gerät auch zum Abgleich von Frequenzweichen und Filtern nutzen.

Falls es Dich interessiert kann ich Dir Infos zum Bau eines solchen Rauschgenerators geben.

von raeuberhotzenplotz1 - am 24.06.2011 21:01
@raeuberhotzenplotz1:

Vielen Dank für die Blumen :). Alles selbst zusammengekauft und -gelötet, aber auf einer von box73 gelieferten Platine. Das Layout wäre allerdings auch online verfügbar und hätte zur Not auch von mir selbst geätzt werden können (die aber dann vermutlich nicht so professionell grün ausgesehen hätte). Wenn ich meinen Scanner mal wieder zum Laufen bringe, schicke ich Dir gerne eine Kopie des Artikels aus dem Funkamateur für nähere Infos.

Die Empfangskurven sehen bei entsprechender Antennenausrichtung ohne Verstärker, Filter und "quick-and-dirty"-Verkabelungen auch mit meinem Spektrometer ziemlich sauber aus. Die "krummen" Spektren sind also meine eigene Schuld.

Auf die Idee, die 8 MHz direkt zu digitalisieren, bin ich noch gar nicht gekommen. Der Trick bei diesem Gerät für eine schmale Filterbandbreite besteht darin, die 1. ZF (36,13 MHz), auf die 2. ZF von 10,7 MHz herunter zu mischen und dieses dann durch ein aus der UKW-Technik bekanntes keramisches Filter (am besten 80 kHz Bandbreite) zu schicken. Ich habe etwas gebraucht, bis ich den Streueffekt eines starken Senders verstanden habe, aber jetzt, wo ich gelernt habe, die Spektren zu lesen, komme ich mit dieser Ungenauigkeit eigentlich bestens aus.

Dein Angebot mit dem Rauschgenerator würde ich gerne annehmen. Ich behelfe mir im Augenblick mit zwei hintereinander geschalteten 50dB-Verstärkermodulen von Polytron, um meine Filter auszumessen. Voll aufgedreht rauschen die Dinger im Leerlauf wie die Wutz und haben einen recht gleichbleibenden Pegel über einen sehr breiten Frequenzbereich. Die Selbstbau-Rauschgeneratoren, die ich sonst so zusammengelötet habe, bringen leider nur wenig Leistung, die noch dazu über die interessante Frequenzbandbreite ziemlich schwankt.

von spacko - am 26.06.2011 00:05
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