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FM-Hub in den Ländern und wie wird er gemessen?

Startbeitrag von Kay B am 26.06.2010 14:07

In Frankreich sowie in Tschechien und Polen haben die UKW-Sender einen höheren FM-Hub als in Deutschland, was sich bei Radios mit schmaleren Filtern sehr schnell in einem verkratzten Klang äußert.

Hatten diese Länder schon immer einen höheren FM-Hub oder kam das erst mit den Privatsendern auf?

Welche Länder haben noch einen so hohen FM-Hub?

Wie wird der FM-Hub eigentlich gemessen? Haben z.B. Frankreich, Tschechien und Polen den gleichen FM-Hub oder gibt's da nochmal Unterschiede?

Durch einen höheren FM-Hub verspricht man sich ja eine höhere Reichweite. Wie groß kann dieser Reichweitengewinn sein?

Warum ist in Deutschland ein höherer FM-Hub nicht möglich? Es ist jetzt nicht so, daß ich mir das wünschen würde. Ich will damit herausfinden, ob der höhere FM-Hub in anderen Ländern einfach nur eine Abweichung von der Norm ist, die dort - im Gegensatz zu Deutschland - einfach akzeptiert wird. Oder wurden in anderen Ländern einfach nur andere Parameter für den UKW-Rundfunk festgelegt, die diesen höheren FM-Hub erlauben?

Die 50 interessantesten Antworten:

Zitat

Welche Länder haben noch einen so hohen FM-Hub?

Dänemark, Niederlande, Italien... - eigentlich fast alle, außerhalb des deutschsprachigen Raumes ;-).

von WiehengeBIERge - am 26.06.2010 15:54
Luxemburg........

von Dampfradio - am 26.06.2010 17:48
Kosovo....Radio Andernach hält den deutschen Wert ein und einige andere kosovarische Sender auch.
Aber Radio K4 hat einen extrem hohen Hub.

von 101,4 - am 26.06.2010 21:47
Wenn es ja nur der hohe Hub wäre. Bei manchen Ländern kommt ja noch ein ausgesprochen überzogenes Sounddesign hinzu. In Frankreich ist es anscheinend schwer in Mode extrem stark zu komprimieren und den Bass voll aufzudrehen. Da rumpeln und poltern die Mikros und die Atemgeräusche sind fast lauter wie die Sprache selber. :wall: Ich frage mich immer wieder wie man sich da ein Sprachprogramm (z.B. Europe 1) länger als 2 Minuten anhören kann.

von Spacelab - am 27.06.2010 08:03
Wirkt sich der höhere Hub eigentlich irgendwie auf das RDS-Signal und den Klang aus?


von Kay B - am 27.06.2010 13:40
Zitat
MIL schrub:
Lediglich der Signal-Rauschabstand wird erhöht.


Genau das bringt effektiv im Randbereich des Versorgungsgebietes leichte Vorteile. ;)

von PowerAM - am 27.06.2010 14:53
Und ich hab da dein Eindruck das es bei den aktuellen Chipsätzen die derzeit so verbaut werden, vom Handy und MP3 Player bis zum Autoradio, gerade auf das SIR drauf ankommt und nicht auf die Empfangsfeldstärke.

von Martyn136 - am 27.06.2010 14:57
Also hier im hügeligen Saarland haben die lauten Franzosen und Luxemburger Sender sogar Nachteile. Es treten deutlich schneller sehr unangenehme, ziemlich laute Verzerrungen auf. Stationär, oder wenn man mit dem Auto irgendwo parkt mag der höhere Signal/Rauschabstand aber tatsächlich etwas bringen.

von Spacelab - am 27.06.2010 15:34
Das kommt aber oft auch von der vertikalen Polarisation, die oft Vorteile hat aber auch die von Dir genannten Nachteile.

von Dampfradio - am 27.06.2010 16:48
So über den Daumen kann man aber ganz beruhigt sagen das etwas mehr Hub den deutschen Stationen sicherlich nicht schaden würde. Man muss es ja nicht gleich so übertreiben wie gewisse ausländische Sender.

von Spacelab - am 27.06.2010 18:04
Auch der RDS Hub könnte deutlich angehoben werden, da dieser teilweise doch zu schwach eingestellt ist.


von _Yoshi_ - am 27.06.2010 18:50

Re: FM-Hub in den L¤ndern und wie wird er gemessen?

Stimmt. ;) Aus einigen Experimenten mit deutlich geringeren Sendeleistungen zeigte sich deutlich der Reichweitengewinn mit mehr Hub. Auf RDS-Funktionalitaet wurde dabei allerdings nicht geachtet.

von PowerAM - am 27.06.2010 18:59
Was mir noch aufgefallen ist das selbst unsere Deutschen Sender unterschiedlich laut sind.
Bei einigen muss ich das Radio Lauter drehen und bei anderen wieder Leiser.

von _Yoshi_ - am 27.06.2010 19:30
Zitat
Kay B
Wirkt sich der höhere Hub eigentlich irgendwie auf das RDS-Signal und den Klang aus?


Von ein paar dänischen Stationen her kann ich sagen: Ja! Bei Gerade-Noch-RDS-Empfang kam es bei sehr lauten Abschnitten mit viel Bass etc. zum Abbruch des RDS-Signals, bzw. das Radio zeigte kurzzeitig kein RDS mehr an. Bei leiseren Passagen oder Werbung war dagegen meistens fehlerfreies Sofort-RDS möglich.

von Dr. Antenne - am 27.06.2010 19:41
Im vereinten Europa sollte es auch für diesem Bereich verbindliche Vorschriften geben, denn die Aussendungen machen an den Landesgrenzen keinen Halt und können so trotz Begrenzung der Leistung und Richtung Störungen hervorrufen, auch wenn sich die Auslastung und tatsächliche Nutzung des UKW-Bandes in einzelnen Ländern stark unterscheiden.

von Radio_DDR - am 27.06.2010 21:25
Ich bin früher immer ein FreundTM des höheren Hubs gewesen. Heute würde ich mich wegen meines modifizierten Degens mehr freuen, wenn auch andere Länder Europas "unseren" Hub einhalten würden. Somit könnte man gleichzeitig scannen und trotzdem mehr verstehen. :D

Aber das mit der Nachbarkanalstörung stimmt. Ich möchte gar nicht wissen, wie unser DLF auf der 102.7/102.8 klingen würde, wäre er lauter. ;-)

von NurzumSpassda - am 27.06.2010 21:47
Zitat
MIL 
Zitat

Wohlgemerkt: bei höherem Hub wird die Nachbarkanalproblematik schlimmer. Darum gibt es ja diese Richtlinie. Also mehr Hub = noch mehr Zischelsound beim DLF.

Natürlich wäre es Unsinn bei den 50KW oder 100KW Brummer mit solchem Hub zu senden. Aber es wäre doch elegant den Hub zu erhöhen und im Gegenzug die Leistung der Sender zu reduzieren.

Wenn man dann noch konsequenzt alle Sender grösserer Leistung horizontal polarisiert und alle Sender mit kleiner Leistung vertikal polarisiert, kann man nochmal die SIR erhöhen.

Dann könnte man wie ich schon mal geschrieben habe 14 Ketten im UKW Band unterbringen. Dann bräuchte man auch kein DAB/DAB+ mehr.


von Martyn136 - am 27.06.2010 21:52
@ Yoshi2001

Zitat

Was mir noch aufgefallen ist das selbst unsere Deutschen Sender unterschiedlich laut sind.
Bei einigen muss ich das Radio Lauter drehen und bei anderen wieder Leiser.


Ja, das war Ende der 90er mal mit der 103.8 aus Coburg-Meeder so. Die war etwas leiser als die anderen.


von Kay B - am 28.06.2010 00:52
Die Hub-Richtlinie ist für ganz Europa gleich. Aber nur Deutschland hat so eine "aktive" Regulierungsbehörde wie die BNetzA, die die Einhaltung der Vorschriften kontrolliert. Daher mogeln fast alle Senderbetreiber in den Ländern Europas mit dem Hub (nach oben), nur hier wird da genauer drauf geschaut. Das gleiche mit den Mobilfunknetzen: fast alle europäischen Netzbetreiber versuchen, möglichst weit ins Territorium der Nachbarstaaten hineinzufunken, nur die deutschen Netzbetreiber bekommen von der BNetzA dafür Strafen aufgebrummt.

von Optimierer - am 28.06.2010 01:57
Zitat
Kay B
@ Yoshi2001

Zitat

Was mir noch aufgefallen ist das selbst unsere Deutschen Sender unterschiedlich laut sind.
Bei einigen muss ich das Radio Lauter drehen und bei anderen wieder Leiser.


Ja, das war Ende der 90er mal mit der 103.8 aus Coburg-Meeder so. Die war etwas leiser als die anderen.


Und hier im Norden ist es Bremen 1 93,8MHz der auffällig leiser ist als alle anderen Sender.


von _Yoshi_ - am 28.06.2010 02:41
Zitat
Martyn136
Natürlich wäre es Unsinn bei den 50KW oder 100KW Brummer mit solchem Hub zu senden.

Und bei den kleineren Sendern willst du den Hub anheben? Das würde aber üble Lautstärkesprünge geben wenn das Autoradio fröhlich zwischen verschiedenen Frequenzen hin und her schaltet.

Zitat
Martyn136
Aber es wäre doch elegant den Hub zu erhöhen und im Gegenzug die Leistung der Sender zu reduzieren.

:confused: Und das soll dann was bringen? Dadurch würde sich der Mobilempfang dramatisch verschlechtern.

Zitat
Martyn136
Dann könnte man wie ich schon mal geschrieben habe 14 Ketten im UKW Band unterbringen. Dann bräuchte man auch kein DAB/DAB+ mehr.

Bei DAB geht es aber primär nicht um mehr Sender. Sondern um besseren Empfang vor allem in schwierigen Gebieten. Außerdem würde das mit den 14 Ketten auch nur dann klappen wenn alle Nachbarländer mitspielen würden. Und Deutschland ist nun mal von allen Seiten umzingelt.

von Spacelab - am 28.06.2010 06:13
Hub erhöhen und Leistung wegnehmen ist das Schlechteste von allem. Davon mal ab sind hier einige Sender eh unterdimensioniert, der NDR Sender in Visselhövede beherbergt einige Frequenzen die gut und gern noch etwas mehr Feuer brauchen könnten. Wenn man da die Leistung wegnimmt schießt man sich nur ins eigene Bein, auch weil laut aufgedrehte Sender bei zu geringem Pegel nur noch zerren. Ist übrigens auch nicht gut für dynamisches PS :rp:.

von Dr. Antenne - am 28.06.2010 11:29
Zitat
Herr Doktor Antenne schrub:
Ist übrigens auch nicht gut für dynamisches PS


...braucht ja auch niemand. ;)

von PowerAM - am 28.06.2010 13:30
@Spacelab: Ich würde erst die Leistung der Grundnetzsender Brummer reduzierung, und dann durchgehend den Hub (moderat) erhöhen.

@Dr. Antenne: Ich kenne den Standort Visselhövede nicht. Der hat aber wirklich sehr wenig Leistung. Das grössere Problem ist aber wohl das der Standort nicht allzuhoch gelegen ist. Ich dachte da an andere Standorte: So denke ich das z.B. beim Ochsenkopf so 10KW anstatt 100KW und beim Hohen Bogen 5KW statt 50KW reichen würden.

von Martyn136 - am 28.06.2010 13:46
Mal ganz von dem miesen Mobilempfang abgesehen. Da führt dann jeder Laternenmast zu einem Störspratzler und der hohe Hub setzt dann noch ein lautes Kratzen obendrauf.

von Spacelab - am 28.06.2010 15:16
Zitat
PowerAM
Zitat
Herr Doktor Antenne schrub:
Ist übrigens auch nicht gut für dynamisches PS


...braucht ja auch niemand. ;)

Ich hasse den Quatsch doch auch :) . Nur Martyn verfechtet immer dieses Teufelszeug aber will hier auf einmal weniger Power auf den Frequenzen haben. Da passt was nicht, oder? :D

@ Martyn136
Naja wie soll der denn hier auch hoch stehen. Wirkliche Berge gibt es ja nicht, trotzdem ist der Mast an sich top weil er ziemlich hoch ist. Die NDR Frequenzen sind mit 1 bis 5 kW Richtstrahlung nur etwas zu schwachbrüstig.

von Dr. Antenne - am 28.06.2010 16:00
Zitat
MIL 
Dir ist aber schon klar, dass 6 dB Abschwächung ungefähr eine Halbierung des Verbreitungsgebietes ist, ja, ganz geschweige von 10dB oder mehr....
Mit dem Hohen Bogen hab ich die Erfahrung gemacht das Bayern4 das mit 5KW gesendet wird faktisch genausoweit und genausogut geht wie die anderen Programme die mit 50KW gesenet werden.

Gleiches gilt für die Radio Egrensis das mit 5KW vom Dylen gesendet wird im Vergeleich zu den Ochsenkopf Programmen die mit 100KW gesendet werden.

Natürlich kann es sein das die Brummerprogramme irgendwo in 250km Entfernung noch gehen wo die 5 KW Programme nicht mehr gehen. Aber gerade für die landesweiten Programme ist das nicht erforderlich, weil ja eh überall gesendet werden.

Zitat
Dr. Antenne
Ich hasse den Quatsch doch auch :) . Nur Martyn verfechtet immer dieses Teufelszeug aber will hier auf einmal weniger Power auf den Frequenzen haben. Da passt was nicht, oder? :D
Bei 1-10 KW ist dynamisches RDS problemlos möglich. Ich empfange hier bei Evropa2 und Kiss Proton von Plzeň (Radeč) mit jeweils 10KW problemlos die dynamischen Titelinfos, trotz grösserer Entfernung vom Sender.

von Martyn136 - am 28.06.2010 18:51
Was stationär "kaum schlechter" geht kann im fahrenden Auto ganz schnell unhörbar werden.

von Spacelab - am 29.06.2010 10:14
Zitat
Martyn136
Zitat
MIL 
Dir ist aber schon klar, dass 6 dB Abschwächung ungefähr eine Halbierung des Verbreitungsgebietes ist, ja, ganz geschweige von 10dB oder mehr....
Mit dem Hohen Bogen hab ich die Erfahrung gemacht das Bayern4 das mit 5KW gesendet wird faktisch genausoweit und genausogut geht wie die anderen Programme die mit 50KW gesenet werden.

Mit 10 dB weniger Sendeleistung ist der S/N (HF-Seitig) auch 10 dB schlechter. Natürlich ist das ganze bei FM eine höchst nichtlineare Funktion, weil eben ab einem bestimmten HF-Seitigen S/N (ca. 12 dB) der NF-S/N stark ansteigt (sogenannter Modulationsgewinn). Ist das Signal ein paar dB zu schwach, so sinkt der NF-S/N gleich stark ab.

Wenn Du zu fühlen glaubst, ein 5-kW-Sender hätte die gleiche Reichweite wie ein 50-kW-Sender am gleichen Standort, dann hat das andere Ursachen. Zum Beispiel Frequenzgang von: Empfängerempfindlichkeit, Antennengewinn/anpassung, Leitungsverlusten, Streckendämpfung.
Oder ein anderes Diagramm der Sendeantenne.
Oder ein anderes Störsignal-Umfeld. Unterschiedlich starke Gleich- oder Nachbarkanalsignale, Blocking, etc..
Oder Du befindest Dich gerade an einer Stelle, wo für beide Sender die Streckendämpfung auf kürzester Strecke drastisch zunimmt, und plötzlich beide Signale unter der FM-Schwelle liegen. Das ist dann aber eine eher zufällige geographische Konstellation. Woanders reicht es dann vielleicht noch für den 50-kW-Sender, aber nicht mehr für den 5-kW-Sender.


Zitat
Martyn136
Zitat
Dr. Antenne
Ich hasse den Quatsch doch auch :) . Nur Martyn verfechtet immer dieses Teufelszeug aber will hier auf einmal weniger Power auf den Frequenzen haben. Da passt was nicht, oder? :D
Bei 1-10 KW ist dynamisches RDS problemlos möglich. Ich empfange hier bei Evropa2 und Kiss Proton von Plzeň (Radeč) mit jeweils 10KW problemlos die dynamischen Titelinfos, trotz grösserer Entfernung vom Sender.


Also:
Dynamisches RDS, genauer gesagt dynamische Informationen im Programm Service Name-Feld (RDS-PS), ist mit jeder Sendeleistung möglich, egal ob mit einem Milliwatt, einem Kilowatt, oder derer hundert. Es braucht schlicht einen gewissen Signal/Stör-Abstand, und ein hinreichend wenig verzerrtes Signal, damit der Decoder damit etwas anfangen kann. Das ändert aber nichts daran, daß dynamisches RDS-PS nicht normkonform ist, denn die Norm sieht dafür den Radiotext (RDS-RT) vor. Und das aus guten Gründen (Verkehrssicherheit, Verwaltung dynamischer Senderverzeichnisse, etc).
Die Sendeleistung muß letztenendes für das geplante Versorgungsgebiet ausgelegt sein, dann funktionieren auch alle normkonforme RDS-Anwendungen, und auch so illegale wie dynamischer RDS-PS. Und je nach Größe des geplanten Versorgungsgebiets sind das dann halt 100 W oder 100 kW oder sonstwas.


Noch ein paar Takte zum Hub:
Mehr Spitzenhub führt unweigerlich dazu, daß es mehr Nachbarkanalstörungen gibt.
Also bleibt als Ausweg nur, den mittleren Hub zu erhöhen. Das macht man bei Sprechfunk z.B. so, bzw. beim AM-Flugfunk erhöht man den mittleren Modulationsgrad.
Das macht man durch Kompression oder/und durch Clipping.
Wozu führt das? Zu Dynamikverlust.
Nicht umsonst wird hier über totkomprimierte Musik gejammert.
Wer mehr "gefühlte" Lautstärke möchte, braucht mehr Durchschnittshub, wer mehr Durchschnittshub will, muß leise Klangpartien "hochziehen", reduziert also Dynamik, verfälscht damit das Original. Ich habe über 3 Jahrzehnte an der Grenze zu einem "Hochhubland" gewohnt, kenne sehr wohl den Lautstärkeeindruck dieser Sender, und ich finde, daß die Original-Treue der Musik darunter sehr leidet. Ich empfinde das "Sounddesign" solcher Sender als Abschaltgrund. Das ist allenfalls was für übermotivierte Tuning-Kiddies und zukünftige Ohrenarzt-Lieblingskunden, die wissen wollen, wie sehr sie mit dem Wummern ihrer Bässe auch noch den Scheinwerfer (dank total überforderter Auto-Stromversorgung) modulieren können (grad vor 2 Tagen mal wieder beobachtet).

Weniger Kompression, also weniger Durchschnittshub, wäre der richtige Weg für mehr Radiogenuß, und dafür dann vernünftige Empfangstechnik bei den Nutzern, z.B. Diversity-Tuner im Auto, Außenantennen zuhause, und Audiotechnik, die den gelegentlichen Spitzenpegel auch noch sauber wiedergibt, und gleichzeitig bei niedrigen Pegeln nicht schon durch Eigenrauschen nervt.

Und ja: dafür braucht man ausreichend Sendeleistung und ausreichend dichte Sendernetze. Oder ein moderneres System als FM...




von DH0GHU - am 29.06.2010 11:35
Zitat
MIL 
Messtechnisch belegt? Indoor? Outdoor? Irgendwo mit dem Auto durch die Gegend fahren und an guter Stelle einen 5kW Sender mit 10dB weniger aufzunehmen als einen 50kW Sender hat nun wirklich nix mit Versorgungsgradbestimmung zu tun.
Outdoor mit dem Autoradio und Indoor mit dem FM Empfänger im Handy.

Zitat
Ulrich Hilsinger
Wenn Du zu fühlen glaubst, ein 5-kW-Sender hätte die gleiche Reichweite wie ein 50-kW-Sender am gleichen Standort, dann hat das andere Ursachen. Zum Beispiel Frequenzgang von: Empfängerempfindlichkeit, Antennengewinn/anpassung, Leitungsverlusten, Streckendämpfung.
Zumindest die 5KW vom Dylen hat deutlich schwerere Bedingungen, weil die 92,5 MHz nur 200 kHz neben den 92,7 MHz vom Hohen Bogen liegt. Allerdings wird vom Dylen vertikal polarisiert gesendet. Aber meisten 100KW Ochsenkopfrequenzen haben keinen so starken Nachbarn.

Zitat
Ulrich Hilsinger
Woanders reicht es dann vielleicht noch für den 50-kW-Sender, aber nicht mehr für den 5-kW-Sender.
Das glaub ich dir zweifelsfrei. Kann gut sein das die 50KW Sender von Hohen Bogen vielleicht auch noch irgendwo in der Hallertau oder in der Fränischen Alb gehen aber vielleicht der 5KW Senrder nicht mehr. Aber da gibts ja dann die gleichen Programme von der Hohen Linie oder Dillberg.

von Martyn136 - am 29.06.2010 15:22
OT:
Seltsamerweise hatte ich, solange die 88,3 hier noch empfangbar war, auch immer das Gefühl, dass die 5kW nahezu gleich stark gingen wie die 50kW der anderen Frequenzen, und das in gut 150km Entfernung, wo man den Unterschied eigentlich schon hätte deutlich spüren müssen.

von Habakukk - am 05.07.2010 16:24
Wo hast du denn den Sender empfangen? Belgien? Kommen die RDS Decoder mit 10khz Hub überhaupt klar?

von Spacelab - am 06.07.2010 06:47
Als DXer kann man auch umgekehrt argumentieren: Die Reichweite steigt bei niedrigem Hub - und zwar wenn schmale Filter verwendet werden. Mit der deutschen Norm lassen sich die Stationen einigermaßen sauber auf 0,1 MHz trennen, selbst wenn die Nachbarstation etwas stärker ist. Die überpegelten dänischen Stationen sind dagegen auf diese Weise nicht mehr zu genießen.

Da aber viele Radios auch mit 150 KHz Hub zurechtkommen, haben die Stationen Vorteile, die diesen Pegel auch fahren und dann entsprechend lauter erscheinen. Im Randbereich macht das sehr viel aus. Bei besagten Dänen steigt die beifahrertaugliche Autoradio-Reichweite bei 160 Watt an einem guten Senderstandort von vielleicht 25 auf 40 km. Entsprechend mehr bei der sehr verbreiteten Leistungsüberschreitung.

Theoretisch ist viel Hub ist eigentlich nur nötig, um den Dynamikbereich zu steigern. Dabei sind es paradoxerweise die hochkomprimierten Popstationen mit dem großen Hub, die gar keine Dynamik brauchen.

von peeraxel - am 06.07.2010 14:05
Ein Problem wird es wohl noch nicht darstellen. Ein Beispiel sind die schon angesprochenen Dänen: Die 98,9 aus Biersted habe ich 70km entfernt auch noch auf 98,7 und 99,1 hören können, obwohl das Radio halbwegs trennscharf und die eigentliche 98,9 gar kein Ortssender mehr war. Klanglich jedoch war sie okay und auch RDS war noch da.

von Dr. Antenne - am 06.07.2010 14:56
150kHz Spitzenhub halte ich schon für arg übertrieben, zumal dann schon die Nachbarfrequenzen arg drunter leiden.

Aber sagen wir mal 96 kHz Spitzenhub um dann so roundabout 70 kHz Regelhub fahren zu können.

von Martyn136 - am 06.07.2010 15:23
Das passiert halt wenn Leute die keine Ahnung haben anfangen zu würfeln.

von Spacelab - am 06.07.2010 15:52
Zitat
MIL 
Zitat
Martyn136
Was mich an der Aussage stört ist "sagen wir mal". Was soll die aus der Luft gegriffene Zahl 96 kHz Spitzenhub?

96 kHz ist zum einen die Bandbreite die bei DRM+ eingesetzt werden soll.

Zum anderen sollte bei 96 kHz Spitzenhub die Interferenzen gegenüber keinen 200 kHz Nachbarn noch erträglich sein, wenn der 200 kHz Nachbar ein bisschen entfernt ist und eine andere Polarisation nutzt.

Zitat
MIL
Was ist Regelhub? Der Hub, den ich während der Menstruation einzuhalten habe?
Warum krampfhaft neue Normen mit dem Pfefferstreuer entwickeln? Ich verstehe es nicht. Es wird dadurch nix besser. Was machen wir mit der MPX Leistung? Lassen wir die ins Wasser fallen?
Als Regelhub würde ich den Hub bezeichnen den man während einer Übertragung im typischen Fall, abgesehen von besonders leisten und besonders leuten Passagen hat.


von Martyn136 - am 06.07.2010 20:26
@MIL: Welcher Sender war denn das mit den 140kHz Spitzenhub?


von Peter Schwarz - am 06.07.2010 21:40
Ich hab ja nicht gesagt das die Sender vom gleichen oder ähnlichen Standort aus gesendet werden sollen. Ausserde klappt ja bei den jetzigen 75 kHz Hub also 264 kHz Bandbreite zum Teil noch der Empfang von 100 kHz Nachbarn.

Dann ist sicher bei 96 kHz Hub oder 306 kHz Bandbreite noch der Empfang von 200 kHz Nachbarn möglich, zumindest wenn die Sender nicht direkt nebeneinander stehen und unterschiedlich polarisiert sind.

Zur MPX Leistung: Das ist ne schwierigere Sache. Persönlich finde ich ja das man an der MPX Leistung nichts machen kann weil die ja vom Ursprungsmaterial und dem Audio-Processing. Im Zweifelsfall kann man dann ja fast nur die Sendeleistung anpassen.

von Martyn136 - am 06.07.2010 21:41
Hatten Tschechien und Polen schon immer einen höheren Hub als wir Deutschen? Oder ist das erst mit den ganzen Privat- und Dudelsendern aufgekommen?

Also hatte die DDR beispielsweise früher schon einen niedrigeren Hub als Tschechien und Polen, falls bis zum Fall des Eisernen Vorhangs dort überhaupt schon Sender im CCIR-Band auf Sendung waren? Oder ist der Hub im OIRT-Band und im CCIR-Band gleich?


von Kay B - am 07.07.2010 15:50

Re: FM-Hub in den L¤ndern und wie wird er gemessen?

Subjektiv waren "die Polen" mit den ersten Sendern im CCIR-Bereich lauter als die dort bereits Jahrzehnte in Betrieb befindlichen Sender im Gebiet des heutigen Bundeslandes Brandenburg.

Ebenfalls "subjektiv" finde ich die Sender im OIRT-Bereich lauter als hiesige CCIR-Sender.

von PowerAM - am 07.07.2010 18:31
@ MIL

Danke. Hört sich OIRT-FM dann schlechter als unser UKW an?

Irgendwo hat jemand mal geschrieben, daß bei OIRT-FM eine andere Stereonorm benutzt wird? Stimmt das? Und wie sieht's mit RDS aus. Ist das im OIRT-Band noch eingeführt worden?


von Kay B - am 10.10.2010 23:50
Klingt nach einem interessanten Versuchsaufbau und ich bin schon sehr gespannt was dabei herauskommt.

von Spacelab - am 11.10.2010 10:53
Zitat
MIL 
Lediglich durch die Einschränkungen durch die Filter im Empfänger treten Verzerrungen auf. Das RDS Signal ist ein Teil des Gesamthubes. Wenn man alles erhöht und das RDS Signal irgendwann mehr als 4 kHz Hub generiert kann auch hier der Demodulator im Empfänger übersteuern und nur noch Datensalat produzieren.

Genau das ist bei mir gerade bei Radio Deejay der Fall, seitdem er lauter ist (und evtl. auch breiter), geht RDS praktisch nur mit einem von 5 Geräten einigermaßen.

von andimik - am 11.10.2010 11:49
@ MIL

Ja, das klingt interessant.


von Kay B - am 12.10.2010 13:34
@ MIL

Zitat

Dann überzeuge die BNetzA davon, dass die BS412.3 Richtlinie Murks ist. Vorher ist essig mit höherem Hub.


Was besagt diese Richtlinie eigentlich genau? Und gilt die nur für Deutschland?


Zitat

Ich mach mal nen Vorschlag. Ich safte den OIRT Sender mal am Dummyload an, und schneide auf der anderen Seite mit nem OIRT Technics Tuner mit. Gleiche Übung mache ich miti dem gleichen Technicsmodell zur gleichen Zeit über nen UKW Sender. Dann könnt Ihr vergleichen. Da ich 2 von den Sendern habe, ich auch im CCIR Band spielen haben wir ideale Testvoraussetzungen. Wird aber was dauern, bis das alles fertig ist.


Ist dein Versuchsaufbau nun fertig?


von Kay B - am 09.12.2010 12:43
Die letzte Woche war ich wieder in Südbaden und habe öfters mal die französischen Sender gehört. Daß es mit einem 80-kHz-Filter im Empfänger sehr kratzt, ist ja klar.

Aber auch auf allen unmodifizierten Radios klingen die Franzosen irgendwie seltsam und unnatürlich. Mir kam es so vor, als ob der Frequenzgang sehr verfälscht sei. Liegt das nur an deren höherem FM-Hub oder haben die einfach nur ein übles Soundprocessing?


von Kay B - am 09.12.2010 12:49
Die Franzosen haben ein ganz übles Soundprocessing. Auch auf deren Klassik und Kulturwellen rumpelt und poltert es ohne Ende. Das die französischen Hörer das nicht nervt. Ich mein Lautstärke ist ja eine Sache. Aber wenn der Sprecher rumpelt als würde er die ganze Zeit gegen den Mikrofonständer treten und das Luftholen genauso laut ist wie die Sprache, dann zerrt das beim zuhören schon ganz schön an den nerven.

von Spacelab - am 09.12.2010 13:36
Ähnlich schlimm wie die Franzosen klingt Luxemburg, die 92.5 mit 80er Filtern kann man keine Minute lang zuhören.

IMHO sind die privaten Fanzosen noch schlimmer als Radio France.

von DX-Matze - am 09.12.2010 13:39
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