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Radioforum
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Erster Beitrag:
vor 14 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 14 Jahren, 8 Monaten
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Andreas W, Alqaszar, Grenzwelle, andimik

Italien und die Wellenpläne

Startbeitrag von Andreas W am 18.11.2003 15:30

Es ist ja nun allgemein bekannt, dass Italien nicht den Genfer Wellenplan 1984 unterzeichnet hat, weshalb die Rundfunklandschaft in Italien nun komplett anders aussieht, als die Einträge in dem Wellenplan es vermuten lassen. Auch die xxx.05-Frequenzen sind so möglich geworden.
Was ich mich aber frage: in anderen Wellenplänen scheinen die Italiener mit an Bord zu sein, oder? Gerade heute kam wieder ein ITU Update heraus mit zahlreichen Updates zu italienischen TV-Frequenzen.... Wer weiß genaueres?
Was war eigentlich der Grund dafür, dass Italien nicht unterzeichnet hat?

Antworten:

Inwiefern? Was kollidierte da mit den Richtlinien im Wellenplan und warum waren die Italiener nicht bereit, sich dem anzupassen? Warum sind sie anscheinend beim älteren Stockholm 61 - Plan fürs TV mit dabei?



von Andreas W - am 18.11.2003 16:50
Details der italienischen Rechtsprechung kenne ich auch nicht. Aber die Tatsache der liberalen Rundfunklandschaft in Italien seit Anfang der 80er ist eigentlich nur im Fehlen eines entsprechenden Gesetzes begründet.

So weit ich weiß, hat die Rai ihre Monolpolstellung zu einem bestimmten Zeitpunkt verloren. Plötzlich war also der private Rundfunk nicht mehr illegal, allerdings fehlten alle gesetzliche Grundlagen, unter anderem zur Nutzung der Frequenzen.

Italien hätte eigentlich ein Gesetz erstellen müssen, welches den Zugang zum Äthe regelt. Das fehlen eines solchen Gesetzes begründete dann den Wildwuchs, weil quasi jeder machen konnte was er wollte. Die Folge war, dass in Italien Frequenzen benutzt wurden, die international gar nicht koordiniert sind. Dies gilt für den ganzen privaten Rundfunk, Radio sowie TV.

Da Italien aber nicht einfach alle nicht koordinierten Sender stilllegen konnte (oder wollte), konnte das Land auch 1984 in Genf nichts unterschreiben, weil es sich ja sonst genau dazu verpflichtet hätte.

Denn ab Mitte der 80 war ja auch Berlusconi im Privat-TV aktiv, und das unter dem "Schutz" von Ministerpräsident Craxi.

Immerhin gab es anscheinend Regelungen, welche das Senden von Italien ins Ausland (auf nicht koordinierten Frequenzen) untersagte. Eine sinnvolle Regelung, mit der Italien den Schaden von seinen Nachbarländern fern halten wollte. Ansonsten hätten die Nachbarländer Italien ja in Regress nehmen können, weil von Italien aus deren Äther verseucht wurde.

Als eine solche Situation aber dann in Südtirol auftauchte und von den dortigen, extremen Standorten die UKW-Sender über Österreich nach Deutschland funkten, haben die Behörden nicht wirklich eingegriffen.

Im Grunde hat es Italien bis heute versäumt, einen Frequenzplan aufzustellen, die entsprechenden Frequenzen international koordinieren zu lassen und dann Lizenzen zu vergeben.

Allerdings würde das ja dazu führen, dass nur ein Bruchteil der heutigen Radiolandschaft überhaupt noch in den Genuss von Frequenzen käme, es sei denn, Italien würde ein "Zerobase extrem" durchführen. Man stelle sich jedoch den Personal- und Finanzaufwand vor, um in ganz Italien neue Frequenzen zu koordinieren.

Indes hat in Italien ja auch schon die DAB-Ära begonnen, und spätestens hier sitzt Italien wieder mit im Boot der internationalen Koordinierungen. DVB-T könnte in Italien vielversprechend sein, weil es dort ja kein Kabelfernsehen gibt und neben der Sat-Schüssel ausschließlich die Terrestrik genutzt wird.

von Alqaszar - am 18.11.2003 17:20
"Die Folge war, dass in Italien Frequenzen benutzt wurden, die international gar nicht koordiniert sind. Dies gilt für den ganzen privaten Rundfunk, Radio sowie TV."

Mich wundert in dem Zusammenhang halt nur, dass sie im TV-Bereich scheinbar schon dahinter sind, denn es tauchen immer wieder Updates des Stockholmer Plans auf, die auch Einträge für Italien enthalten. Vor einigen Wochen gab es mal ein Update >500 Seiten nur mit Italien-Einträgen. Scheinbar müssen sie also zumindest ihren TV-Wildwuchs bei der ITU koordinieren. Vermutlich, weil der Stockholm Plan schon 1961 war und sie damals wegen mangelndem Wildwuchs noch gut unterschreiben konnten. Oder sind das nur Alibi-Koordinierungen, die da auftauchen? Aber wer denkt sich 500 Seiten Alibieinträge aus?
Und warum enthält der Genfer Wellenplan 1984 denn überhaupt Eintragungen zu Italien (6 Frequenzketten ca.), wenn diese dann nicht gültig sind?

Warum dürfen in Südtirol (Italien?) eigentlich keine neuen Frequenzen mehr für Privatsender in Betrieb genommen, sondern nur noch bestehende Frequenzen aufgekauft werden?



von Andreas W - am 18.11.2003 18:12
Im Kanaltal wurde vor einiger Zeit 102,5 RTL102,5 neu aufgeschalten.

Zwei Sender mussten ihre Frequenzen ändern, weil sie österreichische Sender massiv gestört hatten: RIN und Radio Radicale.

Die RAI hat ihre Isoradio-Frequenz auch erst dem ex-Radio Valcanale abkaufen müssen.

Also nur RTL.

von andimik - am 18.11.2003 20:48
Inzwischen ist das recht in Italien verschärft worden. das ist wohl schon siet Mitte der 90er Jahre so. Für mich sieht das allerdings wie ein untauglicher Versuch aus, den Wildwuchs endlich in den Griff zu bekommen.

Ein Gesetz, weches den Zugang zu Frequenzen regelt, gibt es meines Wissens nämlich in Italien immer noch nicht. Somit gilt eigentlich das Recht des Stärerken, welches nun durch unausgegorene Restriktionen interferriert wird.

Immerhin können jetzt große und finazstarke Anbieter Frequenzen von kleinen Anbietern aufkaufen. Diese Dynamik mag einigen Leuten ganz gut ins Konzept passen.

von Alqaszar - am 19.11.2003 13:55
Man muss das mal ergebnisorientiert sehen:

In Deutschland bekommt man überall die vier bis sechs zuständigen Grundnetzsender sowie maximal eine Handvoll Lokalsender störungsfrei, der Rest wurde/wird mit massivem bürokratischen und technischen Aufwand zukoordiniert.

In Italien bekommt man nach dem Recht des stärkeren mindestens 10-15 Stationen mit wesentlich mehr Vielfalt.

Aus dieser Sicht muss man ketzerisch fragen, welches System das bessere ist.

von Grenzwelle - am 19.11.2003 14:04
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