Deutschlandradio bald mit gemeinsamer Programmdirektion

Startbeitrag von Wiesbadener am 03.12.2003 19:10

DeutschlandRadio spart Führungskräfte

Das DeutschlandRadio verschlankt seine Führungspositionen. "Im Rahmen eines Benchmarkings überprüfen wir die Programmherstellung in beiden Funkhäusern, um weitere Synergien zu erschließen", sagte Intendant Ernst Elitz in einem Interview mit text intern. Erster Test sei die Personalie des Programmdirektors Dr. Günter Müchler vom Deutschlandfunk, der ab April für beide Hörfunkprogramme des DeutschlandRadios verantwortlich sein soll. "Wir werden ab Mai auch die Hauptabteilungen Kultur und Musik in Berlin zusammenlegen", ergänzte Elitz. In drei Direktionsbereichen sei die Ebene der Hauptabteilungsleiter vollständig abgeschafft worden.

Gleichzeitig wandte sich Elitz gegen Forderungen aus der Politik, generell das Personal weiter zu reduzieren. Seit 1996 habe das DeutschlandRadio mit Hilfe der Unternehmensberatung McKinsey bereits 25 Prozent seiner Stellen abgebaut, ohne die Zahl der freien Mitarbeiter stark zu erhöhen. "Wenn jetzt von uns ein weiterer Abbau gefordert wird, dann erkennt diese Methode Rasenmäher die Vorleistungen nicht an. Dann wird kein Gras gemäht, sondern es geht an die Wurzeln", sagte Elitz.

Quelle: Text Intern

Ich hoffe, dass durch die Zusammenlegung auch die Profile der einzelnen Programme gestärkt werden, sprich: Das Wort künftig beim DLF, die Musik bei DLR Berlin. Bin ein Fan beider Programme, wenn es auch im einzelnen einige Kritikpunkte gibt, z.B. manchmal parallel Oper-Übertragungen am Abend usw.

Antworten:

...Oder man faßt beide Zusammen und macht eines, aber ein vernünftiges Programm. Mehr als zwei Sender gleichzeitig kann man eh nicht hören...

Das ganze ist doch sonst nur ein großer Verwaltungsapparat. Dazu kommen noch die vielen schwachen Frequenzen, die man dann durch weniger aber stärkere ersetzen könnte. Somit wäre ein besserer flächendeckender Empfang möglich.



von Roßkopf - am 03.12.2003 20:02

Dann wärs doch OK, wenn nur noch DLR und DLF senden würden :D

Aber ernsthaft: Ich verspreche mir davon auch einige Synergie-Effekte. Beide Sender haben meiner Meinung nach eine Daseinsberechtigung, sollten sich aber doch noch etwas deutlicher voneninander unterscheiden können.



von Heinz Schulz - am 03.12.2003 20:41
Es stellt sich immer noch die Frage, ob die Ausstrahlung über mehrere Verbreitungswege LW-UKW-DAB-Sat&Kabel sein muß. Aber das ist eine andere Diskussion. Eine Welle nur über LW und DAB, die andere nur über UKW. Oder kostet der Senderbetrieb nichts?

von M. Schirmer - am 04.12.2003 00:05
Ich wäre auch für ne deutlichere Trennung der beiden (eigentlich ganz guten) Sender.



von frequenzfreak - am 05.12.2003 16:08
1. Nach meinen Informationen sind die Verschlankungen des DLR nicht ein lang ausgearbeiteter Plan, sondern mehr oder weniger ein Projekt, das aus der Not geboren worden ist. Stein des Anstosses ist der altersbedingte Rücktritt der Programmchefin Gerda Hollunder Ende März 2004; und da das Gute halt so nah liegt, hat man den DLF-Programmdirektor Günter Meuchler gewinnen können. Das dies ein "erster Test" eines "Benchmarkings" sein soll um "Synergien" zu gewinnen, halte ich für einen typisch übertrieben bedeutungsschwangeren Presse-Kommentar. Man hat wohl eher aus der oben angeführten Not eine Tugend gemacht.

2. Wieso sollte das Programmprofil des DLR geschärft werden, wenn ein DLF-Mann in Berlin das Ruder mit-übernimmt? Eher wird meiner Befürchtung zufolge der Kölner Standort bevorzugt, auch wenn Intendant Elitz dies natürlich bestreitet.

Also feiern wir

3. das Deutschlandradio Berlin, solange es das metropolitane Flair noch nicht gegen den bundesrepublikanischen Beamten-Tonfall des Deutschlandfunks eingetauscht hat. Der einzige deutsch-deutsche Sender wird dieser Tage 10 Jahre alt; am 01.01.1994 begann die abenteuerliche Verquickung von DS-Kultur und RIAS mit der m.E. zu vernachlässigenden Bedeutung des DLF als kulturpessimistische Souffleuse. Seitdem hat sich das DLR zu einem liberalen Organ entwickelt, das die genuin ästhetischen Aspekte des Kulturlebens in Wort und Musik präsentiert - im Gegensatz zum DLF, das tendenziell kultur-, gesellschafts-, oder sozialkritische Dinge in künstlerische Prozesse hineingeheimnissen will, die dort aufgrund der Autonomie der Kunst nichts zu suchen haben.

Natürlich wird der Geburtstag auch "gebühren"d gefeiert - mit einer Ausstellung und einem Konzert im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, bei dem die Komposition "Aristaeus" von Hans Werner Henze urausgeführt wird.

Hoch lebe das DLR und die Berliner Republik! :cheers:

von Jean-Jacques - am 06.12.2003 11:07
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