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Radioforum
Beiträge im Thema:
10
Erster Beitrag:
vor 6 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 6 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
Manfred Z, DH0GHU, Japhi, Internetradiofan, Wasat, Cyberjack, mago, 99,9

Kein UKW mehr in Großbritannien

Startbeitrag von 99,9 am 24.07.2011 09:03

Laut Stiftung Warentest (Juli 2011) wurden alle UKW-Sender in Großbritannien abgeschaltet.
Das kann nicht stimmen, da laut WRTH 2011 noch sehr viele UKW-Sender gelistet sind.
Auch in Deutschland sollen die ersten UKW-Sender 2015 abgeschaltet werden. 2025 soll dann ganz schluß sein mit UKW. Das muß man erst einmal abwarten (meine Meinung).
Ich halte normal sehr viel von Stiftung Warentest, aber hier ist es mit Sicherheit eine Falschmelung.
Was ist Eure Meinung dazu?

Antworten:

Schreibt die BILD jetzt schon Testberichte für Stiftung Warentest? :joke:

Bis das Band II in Europa leer ist dürften noch Jahrzehnte vergehen, wenn überhaupt.

M.

von Cyberjack - am 24.07.2011 09:06
Das Thema hatten wir hier schon mal als das Heft aktuell war.

http://forum.mysnip.de/read.php?8773,867871,910210#msg-910210

von mago - am 24.07.2011 09:23
Im UK wird man wohl vorher die MW-Sender abschalten, bevor es UKW an den Kragen geht. Doch bisher macht man wenig Anstalten dazu, außer, dass "Absolute Radio" die MW aufgeben möchte.

von Wasat - am 24.07.2011 10:10
Wenn UKW abgeschaltet wird (egal wo) sollten digitale Übertragungstechniken so weit ausgereift sein, dass ein Einzelträgerverfahren möglich ist.

Zwar ist DAB+ eine gute Sache, der Bouquetzwang ist jedoch ein negativer Faktor, da hier aufgrund von Monopolen bei den Plattformanbietern überhöhte Kosten entstehen.

Außerdem gibt es via DAB+ kaum Perspektiven für Lokalsender.

Würde sich DAB+ tatsächlich ausschließlich durchsetzen, kämen kleinen und unabhängigen Programmveranstaltern sehr wahrscheinlich ihre Verbreitungswege abhanden.

Eine Digitalisierung wäre auf jeden Fall wünschenswert, denn im TV ist diese ja bereits jetzt vollständig umgesetzt, aber bitte nicht auf Kosten kleiner Radiosender, die dann keine Verbreitungsmöglichkeit mehr haben.

In Dänemark soll es bereits Tests mit DAB bzw. DAB+ im Einzelträgerverfahren gegeben haben. Weiß jemand mehr über die Ergebnisse?


von Internetradiofan - am 24.07.2011 10:26
Es gibt keine Einzelträgerverfahren für digitalen Hörfunk. Was soll das sein?

Es ist immer ein Mehrträgerverfahren - auch bei DRM+.

http://de.wikipedia.org/wiki/Orthogonales_Frequenzmultiplexverfahren

von Manfred Z - am 24.07.2011 11:26
Ich denke mal, daß Internetradiofan einfach Begriffe durcheinander gebracht hat. Er meint wohl Verfahren, bei denen keine Bouquets "geschnürt" werden müssen (z.B. DRM).

Einzelträgerverfahren hingegen sind für höhere Datenraten auf UKW unbrauchbar, da bei Reflektionen schon relativ geringe Laufzeitunterschiede zu Intersymbolinterferenzen führen.
Dies tritt immer dann auf, wenn die Laufzeitdifferenz so groß wird, daß sich einzelne Datensymbole zeitlich überlagern. Bei einem Einzelträgerverfahren mit 100 kbit/s beträgt die Symboldauer nur noch 10 µs, Störungen gibts natürlich schon bei kleineren Laufzeitdifferenzen (bei 5 µs / entsprechend 1,5 km Wegdifferenz überlagern sich die Symbole schon zur Hälfte).

Daher benutzen auch Verfahren wie DRM, die für Einzelanbieter interessant wären, Mehrträgerverfahren. Dabei wird der Datenstrom quasi auf viele Einzelträger mit geringerer Symbolrate aufgeteilt; Intersymbolinterferenzen treten erst bei weitaus größeren Laufzeitunterschieden auf, weshalb auch die Möglichkeit von Gleichwellennetzen entsteht.

Bei der Betrachtung der Gesamtthematik muß aber auch eines beachtet werden: Ein Sendernetz kostet so oder so viel Geld, insbesondere gibt es, neben der Beschaffung der Sendetechnik, hohe laufende Kosten (Standortmiete, Strom, Ersatzbeschaffungen, Datenzuführung etc).
Ob das Verfahren nun DAB oder DRM oder NRSC-5 (auch HD-Radio genannt) ist: die tatsächlichen Betriebskosten dürften nicht wesentlich über denen von UKW liegen. Bei DAB ist der Vorteil aber, daß die Kosten auf mehrere Schultern verteilt werden könnten. In einem Lokal-Mux muß ja nicht nur der Lokalsender der jeweiligen Region senden, es können ja schließlich auch weitere Anbieter auftreten. Insofern sind Bouquet-taugliche Lösungen auf der Kostenseite sogar im Vorteil. Das Problem ist da eher die Einnahmenseite: Es bedeutet auch Wettbewerb mit Wettbewerbern, die exakt das gleiche Zielgebiet versorgen. Ein weiteres Problem ist natürlich die Qualität: Es ist zu verlockend, die Datenrate auf zu viele Nutzer aufzuteilen (sehen wir gerade beim Bundesmux); entsprechend sinkt die Tonqualität.


Was DAB derzeit für viele Lokalsender vermutlich tatsächlich zu teuer macht, ist, daß auf die parallele UKW-Ausstrahlung nicht verzichtet werden kann, weil die Marktdurchdringung von DAB/DAB+ derzeit schlichtweg noch zu niedrig ist.

Und natürlich gibt es das Problem des fehlenden Infrastrukturträger-Wettbewerbs. Ein Bouquet kann immer nur von einem technischen Betreiber zur Verfügung gestellt werden. Für einen echten Wettbewerb müßten sich in einem Verbreitungsgebiet so viele Anbieter finden, daß sich zwei Bouquets wirtschaftlich betreiben lassen.









von DH0GHU - am 24.07.2011 11:55
Warum müssen Lokalsender überhaupt digital ausgestrahlt werden? Welche Vorteile bringt z.B. ein DRM-Sender gegenüber einem UKW-Sender...ein Argument war, dass weniger Sendeleistung benötigt wird, also weniger Kosten. Wird aber locker wieder durch den ganzen DRM-Schmonzes vor dem Sender ausgeglichen. Und der Klang: Für nen Lokalsender sollte UKW ausreichen.

Also ist es doch vorerst sinnvoll UKW und DAB+ zu nutzen. Digitaler Lokalfunk nur um der Digitalisierung Willen nützt doch nix.

von Japhi - am 24.07.2011 11:59
Aus genau diesem Grund plant man im UK auch keine komplette FM-Abschaltung. Kleine kommerzielle Lokalsender und Community Radios sollen auf UKW bleiben und nach der Abschaltung der Großen sogar ausgebaut werden - nach dem bisherigen Stand in FM.

Es gibt aber auch einen ersten Test mit DRM+ in Schottland.

von Manfred Z - am 24.07.2011 12:17
DRM statt UKW bringt natürlich kaum einen Vorteil, es sei denn man teilt die knappe DRM-Datenrate dennoch auf mehr als einen Stream auf. Da ist die sich jetzt abzeichnende Option (Lokales auf UKW, flächiges auf DAB) wesentlich interessanter.

Vor dem Gesichtspunkt der Kostenteilung würde es aber vielleicht durchaus auch für den Lokalfunk Vorteile bringen, DAB zu nutzen, wenn dies erstmal eine ausreichende marktdurchdringung haben sollte. Ist aber sicher von Einzelfall zu Einzelfall unterschiedlich. In München beispielsweise gibt es viele Lokalsender, die man genauso gut auf einem lokalen DAB-Bouquet unterbringen könnte, das sogar noch eine deutlich höhere Reichweite als die jetzigen Kleinleistungssender auf dem Olympiaturm bieten würde. Gleiches gilt z.B. für Berlin.




von DH0GHU - am 24.07.2011 12:32
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