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Funk-Sirenensteuerung Köln

Startbeitrag von Max1 am 02.10.2011 20:47

Hallo, Zusammen!

Zwischen den ganzen DAB-Threads mal ein ganz anderes Thema. Wenn dieses im Forum Unpassend/ Störend ist einfach löschen.

In Köln war am Samstag Probealarm der Sirenen. Soweit ich weiß werden die über Funk gesteuert. Weiß jemand auf welcher Frequenz dies geschieht? Wenn ja würde ich mir gerne einen Empfänger bauen, weil man die Sirenen bei uns kaum/garnicht hört und weil mich die Technik interessiert.


Maximilian

Die 50 interessantesten Antworten:

siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Sirene_%28Ger%C3%A4t%29#Sirenensteuerung
und: http://de.wikipedia.org/wiki/Funkmeldeempf%C3%A4nger#Arten_von_Rufempf.C3.A4ngern
d.h. also im 2m- oder 4m-Band (Frequenz je nach Ort unterschiedlich, aber innerhalb eines der beiden Bänder).

von iro - am 02.10.2011 21:16
Die Alarmierung erfolgt über die normale 4 Meter Feuerwehrfrequenz, die vor Ort genutzt wird.
Den Sirenen ist eine 5-Ton-Schleife zugeordnet (genau wie bei den analogen Funkmeldeempfängern), ein bestimmter Ton nach der Schleife signalisiert, dass es sich um Sirenenarlarm handelt.
es gibt aber auch schon modernere Verfahren.

Je nach Region wird das heutzutage oft noch so gemacht.

von WiehengeBIERge - am 03.10.2011 07:44
Zitat
WiehengeBIERge
Den Sirenen ist eine 5-Ton-Schleife zugeordnet (genau wie bei den analogen Funkmeldeempfängern), ein bestimmter Ton nach der Schleife signalisiert, dass es sich um Sirenenarlarm handelt.

Es handelt sich um zwei überlagerte Töne. Einer davon ist 675 Hz, der andere je nach Alarmierungsart. Im Fall der Sirenenprobe ist es 1860 Hz, bei Feueralarm 1245 Hz. Gibt aber genug Quellen, die dieses Verfahren in aller Ausführlichkeit beschreiben, ebenso die entsprechenden Fernwirkempfänger.

von Radio_DDR - am 03.10.2011 10:58
Vielen Dank, für die Antworten.
Die Sirenen in Köln sind recht modern. Sicher dass diese noch per 5-Tonschleife gesteuert werden?

Das sind die Sirenen:
http://www.hoermann-gmbh.de/de/ecn.html

von Max1 - am 03.10.2011 11:32
Bei uns wurden vor kurzem auch Sirenen von Hörmann installiert. Diese KÖNNEN auf viele Arten ausgelöst werden. Aber wie iro schon schrieb ist unser deutsches BOS-Funksystem so total veraltet das diese noch per 5-Ton ausgelöst werden.

von Spacelab - am 03.10.2011 14:16
Es gab ja auch die drahtgebundene Auslösung über das Fernsprechnetz, wo am Ort der Sirene sog. Sirenensteuergeräte installiert wurden. Dieses Relikt aus den Zeiten der staatlichen Bundespost dürfte jedoch Geschichte sein.

von Radio_DDR - am 03.10.2011 20:20
Ich weiß, die Fotos sind bescheiden (Handykamera), aber damit man mal einen optischen Eindruck von so einer Sirenensteuerung bekommt (und dem heutigen Zustand solcher Anlagen).

Das ist der Empfänger...


Das ist die gesamte "Anlage", ausgenommen die Sirene selbst.
Die lange Stange links ist die Empfangsantenne (im 4 Meter Band) - wohlgemerkt im Keller des Hauses !
Der große Kasten Rechts ist die Sirenensteuerung (die auch noch mit dem Telefonnetz verbunden ist), darunter der separate Stromzähler für die Sirene, und dann ist da noch ein Schalter dran (den ich aber nicht betätigt habe, auch wenn es mich in den Fingern gejuckt hat :D).

Ob das ganze noch in Betrieb ist weiß ich nicht, ich meine aber, dass in dem betreffenden Ort nicht mehr per Sirene alarmiert wird.





von WiehengeBIERge - am 06.01.2012 22:45
Bei uns gibt es die Dinger auch noch, eine davon kann ich hier von meinem Zimmer aus sehen. Immerhin wird hier ein AKW abgebaut, da finde ich es durchaus noch angebracht.

Bei uns heulen die immer testweise einmal am ersten Samstag des Monats um 09.30 Uhr auf.

von DX-Matze - am 06.01.2012 23:03
Moin,

Zitat
PowerAM
...was den Vorteil hat, dass von jedem BOS-Funkgeraet mit Kennungsgeber ein Alarm ausgeloest werden kann.


eben nicht, denn nur das Leitstellenbediengerät hat diesen Doppelton am Ende der Sequenz. Normalerweise jedenfalls.

Gibt aber auch welche die zusätzlich digital ausgelöst werden können.

von LordWhopper - am 07.01.2012 08:30
Bei uns in Gerwisch ist jeden Mittwoch um 15 Uhr Sirenenprobe für die FFW.
Wenn die FFW bei uns auch in der Nacht raus muß ist es deutlich lauter.
Bei uns ist es so das das Signal von der Zentrale in Burg (b.Magdeburg) per Knopfdruck ausgelöst wird und per Funk weitergegeben wird.
In der Rückleitung können die in der Zentrale sehen welche Sierene in den Dörfern defekt ist und welche IO sind.
Der Signaltest ist 1x für 20sec. bei uns am Mittwoch um 15 Uhr.
Ein Arlarm für die FFW ist 3x (hintereinnander) für 20 sec.
Ein Katastrophenalarm geht bei uns 90sec. deuchgehend.

von DABM - am 07.01.2012 08:51
Zitat
_Yoshi_
Ist eh gleich wieder soweit.:p

Hier in 3 Minuten :D Gleich startet via 5-Ton Folge wieder der Feueralarm (3 mal ausheulen). Das wird aber bei uns nur noch 1 mal im Monat gemacht (erster Samstag). Zudem wird einmal im Jahr ein Zivilschutzalarm ausprobiert, die letzte Übung war ohne große Ankündigung! Das wurde nur im Lokalradio angekündigt das hier nur schlecht empfangbar ist :rolleyes:

von Funkschatten - am 07.01.2012 10:28
Ich glaub ich hab es hier schon mal geschrieben: hier in Wallerfangen gibt es eine schöne Tradition. Hier gibt es jeden Samstag pünktlich um 11:30Uhr einen Probealarm der so viel heißt wie "Essen ist fertig". Dann kann man sich auf den Weg zur Feuerwehr machen und gegen einen kleinen Unkostenbeitrag bekommt man eine große Schüssel Suppe mit Würstchen und einem Brötchen. Diese Tradition gibt es schon seit dem Krieg und wurde bis heute beibehalten.

von Spacelab - am 07.01.2012 10:47
Hier heute um 11.30 Uhr Test-Alarm, hab mich wohl in der Zeit geirrt.

@Spacelab:
Find ich toll.

Ich helfe auch manchmal als freiwilliger mit der Feuerwehr bei Säuberungsaktionen mit, da bekommt man alles dafür gestellt und wird hinterher prima mit ein, zwei heißen Würsten und Getränk verpflegt.

von DX-Matze - am 07.01.2012 11:12
Ich denke das bei so einer Probe etliche 5 Tonfolgen von der Leitstelle gesendet werden.
Zumindest wie man es an der Steinzeittechnik erkennen kann.

Auf einen Bild was Wiehengebierge gepostet hat kann man an den Telefunken Empfänger Typenschild die Frequenz 86,375MHz erkennen.
Demnach ein BOS 4m Kanal.

von _Yoshi_ - am 07.01.2012 12:08
Ja, die Alarmierung läuft ja auf den normalen BOS-Ortsrelais.
Interesanterweise ist die Frequenz allerdings die Frequenz der Feuerwehr des Nachbarlandkreises, die örtliche Feuerwehr ist auf einer anderen.
Merkwürdig (aber es kann sein, dass die Anlage sowieso schon lange nicht mehr funktioniert und damals vielleicht noch die genannte Frequenz auch in dem Ort, wo die Sirene steht, genutzt wurde.)

von WiehengeBIERge - am 07.01.2012 12:16
Hier in Duisburg wurden bis vor ca. 15 Jahren immer Samstags um 12:00Uhr das Wochende "eingetutet".
Das wurde dann irgenwann mal abgeschafft, im Zuge des Abbaus der Sirenenanlagen.
Inzwischen fängt man wieder an, neue Sirenenanlagen zu bauen....:confused:
Heute morgen wurde im dusiburger Lokalradio "Radio DU" daruaf hingewiesen, das in der Nachbarstadt Krefeld Probealarm sein wird. Diese Info ist wohl die Bewohner an der Stadtgrenze gedacht, nicht bei der Polizei anzurufen. Die jüngeren haben ja diese Sirenentöne hier in Duisburg nicht mehr kennen gelernt und können sie daher nicht deuten. ;)

von Radioboy - am 07.01.2012 13:09
Zitat
_Yoshi_
Ich denke das bei so einer Probe etliche 5 Tonfolgen von der Leitstelle gesendet werden.
Zumindest wie man es an der Steinzeittechnik erkennen kann.

Bei einem normalen Probealarm wird das sicher so gemacht, bei einem Zivilschutzalarmprüfung sicher nicht oder zumindest nicht auf dem normalen 4m Kanal. Denn das würde bei der Überprüfungsart vor Ort den Kanal über 2 Stunden belegen.

Im Kreis Wesel hat man jede Schleife einzelnt getestet, das konnte man bei dem Test im Dezember sehr gut hören. Zuerst heulten die Sirenen im Stadtgebiet dann jeweils einzelnt in den jeweiligen Außenbezirken. Jede Stadt wurde dabei noch einzelnt getestet, also nach und nach. Die Sirenen konnte man dabei über 2 Stunden immer mal wieder hören (Voerde, Hünxe, Rheinberg,...)

Da man jeweils vorher und nachher Entwart hat ergibt dass eine enorme Anzahl an 5 Ton Folgen die ständig gesendet werden müssten, das kann man auf dem normalen 4m Kanal unmöglich machen. Zumal bei uns im Kreis auch der Rettungsdienst, DRK und Johanniter den Kanal mitbenutzen.

Ich gehe davon aus dass man die Sirenen via Fernwartung eventuell Telefonleitung alamiert oder einen besonderen 4m/2m Kanal nutzt.

Edit:
Zitat

Heute morgen wurde im dusiburger Lokalradio "Radio DU" daruaf hingewiesen, das in der Nachbarstadt Krefeld Probealarm sein wird. Diese Info ist wohl die Bewohner an der Stadtgrenze gedacht, nicht bei der Polizei anzurufen. Die jüngeren haben ja diese Sirenentöne hier in Duisburg nicht mehr kennen gelernt und können sie daher nicht deuten. smilie3.gif

Erfahrung aus dem Kreis Wesel :D - Nicht nur die Duisburger haben bei den Test in Rheinberg und Dinslaken die 112 gewählt, weil das nur bei Radio KW angekündigt wurde :sneg:

von Funkschatten - am 07.01.2012 13:12
Zitat

Ich gehe davon aus dass man die Sirenen via Fernwartung eventuell Telefonleitung alamiert oder einen besonderen 4m/2m Kanal nutzt.

Das könnte natürlich sein und würde auch erklären, warum auf dem Empfänger auf dem Foto eine ganz andere Frequenz steht als die der örtlichen Feuerwehr.

von WiehengeBIERge - am 07.01.2012 13:17
Hier gibt es sogar ein Video dazu wie man das in Österreich macht. Das wird bei uns wohl ähnlich laufen. Schön finde ich dass man in dem Video nach der 5 Ton Folge auch den eigentlichen Steuerton noch hört, denn der entscheidet was die Sirene macht (Entwarnung, Probealrm, Feueralarm, Zivilschutzalarm) :spos:

Das Video zeigt auch die Reihenfolge wie bei uns vor Ort getestet wurde, allerdings hört man im Video das alle Schleifen gleichzeitig laufen dass hat man hier nicht gemacht. Wohl um jede Schleife einzelnt zu testen.

Außerdem hört man wie lange der Funkkanal belegt wäre, im gesamten Video laufen im Hintergrund noch 5-Ton-Folgen. Eventuell kann man die 5-Ton-Folgen auch via ISDN/Telefonnetz an die Sirenen senden um Alarm zu geben. Dann wäre der Funkkanal nicht belegt.

von Funkschatten - am 07.01.2012 14:30
Und hier gibt es ein Video zum Test hier in NL der jeder erster Montag vom Monat gemacht wird (Und natürlich bei Katastrophen). Diese Sirenen gibt es flächendeckend in ganz NL.

von Jassy - am 07.01.2012 15:03
Zitat
Funkschatten
Im Kreis Wesel hat man jede Schleife einzelnt getestet, das konnte man bei dem Test im Dezember sehr gut hören. Zuerst heulten die Sirenen im Stadtgebiet dann jeweils einzelnt in den jeweiligen Außenbezirken. Jede Stadt wurde dabei noch einzelnt getestet, also nach und nach. Die Sirenen konnte man dabei über 2 Stunden immer mal wieder hören (Voerde, Hünxe, Rheinberg,...)

So ähnlich kenne ich es auch aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz. Dort findet der Probealarm schon seit meiner Kindheit am ersten Samstag des Monats um die Mittagszeit statt. Dabei werden nacheinander alphabetisch nach Orts- und Verbandsgemeinde auf 4 Meter die 5-Tonfolgen der jeweiligen Orte gesendet. In jedem Ort bestätigt dann ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr ebenfalls über Funk in etwa mit Florian Branddorf bestätigt erfolgreiche Auslösung und weiter geht's zum nächsten Ort. Vor vielen Jahren war ich mal direkt dabei und konnte zuhören, daher das Wissen. Ob es im Ernstfall auch über Telefon geht weiß ich nicht. Eher vermute ich, dass es zusätzliche 5-Tonfolgen gibt, mit denen man mehrere Sirenen in einem zusammenhängenden Gebiet gleichzeitig aktivieren kann.

Ausgerechnet heute mittag hörte ich auch erstmals in Bochum leise eine Sirene, wobei ich nur eine ungefähre Vermutung habe, wo die Sirene stehen könnte. Werden doch wohl keine Überreichweiten aus Rheinland-Pfalz gewesen sein ;). Weder bei WAZ, RN noch im RSS-Feed von Radio Bochum findet sich ein Hinweis diesbezüglich.

von Thomas R. - am 07.01.2012 16:19
@Thomas R._
Bei uns muss man zwischen Probealarm und Zivilschutzprobealarm unterscheiden. Der normale Probealarm ist überall im Kreis an einem anderen Tag und haben teilweise sogar andere Perioden wann ausgelöst (wöchentlich oder monatlich) wird. Bei uns in der Stadt und in der Nachbargemeinde ist es z.B. der erste Samstag im Monat um 11:30 mit einem Feueralarm, dann wird auch die gesamte Schleife ausgelöst und alle Sirenen starten fast zeitglich (nur mit dem Verzug bis zur nächsten 5-er-Folge) In Wesel hingegen ist es der zweite Mittwoch im Monat um ich meine das war immer um 12 Uhr.

Der Zivilschutzalarm wird hingegen nur einmal im Jahr gemacht. Dann aber in allen Städten und Gemeiden am selben Tag. Hier wird jede Gruppe einzelnt ausgelöst und das dauert dann bis zu 2h.Der erste Test vor 2 jahren, der erste nach sehr langer Zeit, ist gleich richtig schief gelaufen. Bei uns wurde nur entwarnt und dann kam nichts mehr, auch in Wesel funktionierte das nicht, dabei war extra ein Team vom WDR vor Ort dass den Alarm aufnehmen wollte. Diesesmal scheint alles funktioniert zu haben, nur dass ich erst von dem Test erfahren habe als er schon lief ;)

@Jassy:
Einen guten Klang haben eure Sirenen :spos: Wie werden die ausgelöst? Ich sehe darunter eine gleich 2 Yagi Antennen, ist das etwa ein Ringnetz? Also eine Sirene gibt den Alarm an die nächste weiter?

von Funkschatten - am 07.01.2012 18:33
Zitat

@Jassy:
Einen guten Klang haben eure Sirenen :spos: Wie werden die ausgelöst? Ich sehe darunter eine gleich 2 Yagi Antennen, ist das etwa ein Ringnetz? Also eine Sirene gibt den Alarm an die nächste weiter?


Also egal wo man schaut sind sind immer diese Zwei Richtantennen drauf, manchmal sogar drei. Ich denke schon das das ganze ein Ringnetz ist und das bestimmte Zonen hiermit Ferngesteuert werden können. Die genaue Hintergrund kenne ich aber nicht.

von Jassy - am 07.01.2012 18:41
@Funkschatten:
Interessant! In Rheinland-Pfalz koordiniert man den Probealarm zumindest einheitlich für den ganzen Landkreis. Vielleicht sogar noch über Kreisgrenzen hinaus, das weiß ich aber nicht. Zivilschutzalarm-Tests bzw. überhaupt etwas anderes als das bekannte dreimalige Aufheulen, sowohl bei Probealarm als auch bei echten Feuerwehreinsätzen, habe ich dort allerdings noch nie erlebt, obwohl ich 14 Jahre meines Lebens dort verbracht habe.

Wie sieht es eigentlich sonst in den ländlicheren Gegenden von NRW aus, wie flächendeckend ist das Sirenennetz noch? Nach solchen Berichten aus dem WDR-TV scheint das Netz sehr löchrig zu sein.

von Thomas R. - am 07.01.2012 19:44
Alarmierung per Sirene ist auch im ländlichen Kreis Osnabrück die Regel (gerade bei grossen Einsätzen). Dort gibt es auch regelmässig Probealarm (angekündigt über BOS - war jedenfalls mal so). Und in den 80ern wurden auch bei uns jeweils am Samstag um 12.00 kurz die Sirenen eingeschaltet, Darüber hinaus gab es zweimal im Jahr (?) einen bundesweiten Sirenenalarm. Ich kann mich an ein Interview auf WDR2 erinnern, in dem parallel zu den Sirenen bei mir im Ort der Probealarm zu hören war. Das muss Ende der 80er (1987?) gewesen sein. Waren andere Zeiten...

Wie sind eigentlich "Katastrophensender" geregelt? Woher weiss ich welchen Sender ich einschalten muss? In dem Zusammenhang gab es im Dezember einen Probealarm in Altenberge (Kreis Steinfurt). Ein paar Tage vorher habe ich auf RST einen Hinweis auf diesen Alarm gehört.

von Staumelder - am 07.01.2012 21:09
Zitat
Staumelder
Wie sind eigentlich "Katastrophensender" geregelt? Woher weiss ich welchen Sender ich einschalten muss? In dem Zusammenhang gab es im Dezember einen Probealarm in Altenberge (Kreis Steinfurt). Ein paar Tage vorher habe ich auf RST einen Hinweis auf diesen Alarm gehört.

Also in Düsseldorfer Flugblatt das immer vorher verteilt wurde bevor der Test startete stand WDR2 einschalten. Auf der Seite des Kreis Wesel stand damals Radio KW einschalten. Das kann man aber in einigen Stadtteilen nur schlecht empfangen, oder in der Gemeinde Schermbeck fast überhaupt nicht mehr :rolleyes: Ich würde aber trotzdem WDR2 einschalten die sind da immer sehr schnell z.B. bei Großbränden wo Fenster und Türen geschlossen bleiben sollen :spos:

von Funkschatten - am 07.01.2012 21:22
Zitat
Funkschatten
Zitat
Staumelder
Wie sind eigentlich "Katastrophensender" geregelt? Woher weiss ich welchen Sender ich einschalten muss? In dem Zusammenhang gab es im Dezember einen Probealarm in Altenberge (Kreis Steinfurt). Ein paar Tage vorher habe ich auf RST einen Hinweis auf diesen Alarm gehört.

Also in Düsseldorfer Flugblatt das immer vorher verteilt wurde bevor der Test startete stand WDR2 einschalten. Auf der Seite des Kreis Wesel stand damals Radio KW einschalten. Das kann man aber in einigen Stadtteilen nur schlecht empfangen, oder in der Gemeinde Schermbeck fast überhaupt nicht mehr :rolleyes: Ich würde aber trotzdem WDR2 einschalten die sind da immer sehr schnell z.B. bei Großbränden wo Fenster und Türen geschlossen bleiben sollen :spos:


OT:
Schermbeck ist irgendwie, zumindest gefühlt, auch irgendwie eher Münsterland als Niederrhein :D.
Ich war da ja oft genug (und muss da vermutlich auch noch oft genug hin), das kam mir jedes mal so vor ...

von WiehengeBIERge - am 07.01.2012 21:28
Zitat
WiehengeBIERge
OT:
Schermbeck ist irgendwie, zumindest gefühlt, auch irgendwie eher Münsterland als Niederrhein :D.

Da ist es wieder, das Kreis Wesel Thema bzw. das WDR2 Rhein-Ruhr Problem ohne das ich dieses mal angefangen habe :D Was haben denn nur alle gegen diese schöne Kreisstadt ;)

Kulturell und politisch verläuft hier eine extreme Grenze, Ruhrgebiet (Moers,KaLi, Dinslaken) trifft auf Niederrhein und Münsterland (Hamminkeln, Schermbeck). Leider versucht man politisch alles um die Trennung noch weiter zu führen. Die einen wollen aus dem Ruhrgebiet aussteigen (RVR) und mit dem Kreis Kleve einen gemeinsamen Kreis aufbauen, die anderen wollen nur aus dem Ruhrgebiet aussteigen und die anderen wollen dass alles so bleibt wie es ist :wall:

von Funkschatten - am 07.01.2012 21:43
Heute Abend gegen 19:10 gab es einen Chemieunfall im Evonik-Werk in Niederkassel-Lülsdorf (Chlorgas ist ausgetreten).
Gegen 19:35 heulten hier (und im gesamten Rhein-Sieg-Kreis) die Sirenen (ABC-Alarm) und anschließend wurde das Programm von Radio Bonn-Rhein-Sieg zweimal von Durchsagen der Feuerwehr unterbrochen.
Es klang ziemlich dramatisch "Achtung, Achtung, Achtung - Pause- Achtung, Achtung, Achtung ...hier spricht die Feuerwehr ... Niederkassel Lülsdorf Ranzel ... Chlorgas ... Fenster und Türen geschlossen halten usw.".
Inzwischen ist außer für die unmittelbare Umgebung von Niederkassel Entwarnung gegeben.

Insgesamt hat dieser Ernstfall bzgl. der Alarmierung über Sirenen und Radio technisch gut funktioniert.

WDR Lokalzeit Bonn hat auch direkt informiert.
Radio Bonn-Rhein-Sieg war ab 20:05 mit einer Sondersendung live.

von Christian_66 - am 08.04.2014 19:10
Vor knapp zehn Jahren war ich beruflich ab und zu in diesem Werk für je einen Tag. Damals hieß es noch Degussa Lülsdorf. In der betrteffenden Abteilung arbeitete sogar ein Herr Lülsdorf.

Auf der anderen Rheinseite gibt es auch ein Degussa-Werk, das aber mit Lülsdorf nichts zu tun hat.

Als Anwohner kann man froh sein, wenn ja nichts passiert. Und das für sehr lange Zeit. Egal ob es sich nun um ein Chemiewerk, Düngemittelfabrik, Munitions- oder Feuerwehrfabrik handelt. Wenn's knallt, dann knallt's oft richtig.

von Natrium - am 09.04.2014 07:09
An dieser Stelle möchte ich dann mal lobend Radio Bonn/Rhein-Sieg erwähnen. Der Alarm kam gestern Abend gegen 19:30 Uhr im gesamten Rhein/Sieg-Kreis. Radio Bonn/Rhein-Sieg hat deshalb bis 22 Uhr live durchgesendet und die Menschen in der Region auf dem Laufenden gehalten. Man hatte mind. zwei Leute im Studio und einen Reporter live vor Ort.
Normalerweise sendet Radio Bonn/Rhein-Sieg bis 20 Uhr eigenes Programm, dann kommt von 21 bis 22 Uhr Bürgerfunk und von 22 bis 6 Uhr der Mantel aus Oberhausen. Natürlich kann man argumentieren, dass soetwas für einen Lokalsender selbstverständlich sein sollte. Jedoch gab es damals massive Kritik u. a. hier an Radio Duisburg wegen des Loveparade-Unglücks und ich habe vor ein paar Monaten selbst erlebt, dass Radio Euskirchen es nicht auf die Reihe bekommen hat, eine größere aktuelle Berichterstattung zu fahren, als dort eine Fliegerbombe explodiert ist und einen Baggerfahrer das Leben gekostet hat. Stattdessen hat Radio Bonn/Rhein-Sieg damals live mit Reporterrn vor Ort berichtet, obwohl das ja nicht mehr im Sendegebiet liegt.

Wenn es schon oft schelte wegen schlechter Berichterstattung im Katastrophenfall gibt, muss dies auch mal lobend erwähnt werden. Zudem hat RBRS heute Morgen in der Morgen-Sendung nochmal ausführlich das Thema "Wie sind Sirenensignale zu verstehen?" aufgegriffen und erklärt, welches Signal was bedeutet und was zu tun ist.

von Sebastian Dohrmann - am 09.04.2014 08:08
Als in Marl vor 2 Jahren die CDT-Anlage gebrannt hat mußte von Radio Vest erstmal jemand ins Studio fahren. Die Feuerwehr hatte wohl keine Möglichkeit das Rundfunkprogramm zu unterbrechen.
Mundpropaganda und Internet waren schneller als der Lokaldudler.
In Recklinghausen sind die Sirenen aus Kostengründen abgebaut worden, in Marl existieren wohl noch welche.

von Marc_RE - am 09.04.2014 09:06
Zitat
Marc_RE
Als in Marl vor 2 Jahren die CDT-Anlage gebrannt hat mußte von Radio Vest erstmal jemand ins Studio fahren. Die Feuerwehr hatte wohl keine Möglichkeit das Rundfunkprogramm zu unterbrechen.


Das erinnert mich an die Zeit vor etwa 40 Jahren, wo Polizeistreifen in Reutlingen zur Hauptwache fahren mussten,
um den Schlüssel vom Landratsamt zu holen, damit mittels der Kartei der Kfz-Zulassungsstelle ein Fahrzeughalter ausfindig gemacht werden konnte.
Manchmal kam über Funk die Frage: "Wer hat den Schlüssel vom Landratsamt?"
Ist kein Witz !

von Jürgen Martens - am 09.04.2014 09:19
Als hier die Entsorgungsfirma Tönsmeier brannte, wurde unmittelbar auf Radio Westfalica darüber berichtet und das Programm wegen der Rauchwarnungen unterbrochen.

Bei den großen Stromausfällen im Herbst 2005 dagegen kam auf Radio Westfalica gar keine lokale Berichterstattung darüber und es lief (wenn der Sender überhaupt lief, er ist ja teils auch ausgefallen) der Oberhausener Mantel.
Aber ich glaube, damals hatte man da auch eher andere Sorgen ;-).

von WiehengeBIERge - am 09.04.2014 09:35
Zu DDR-Zeiten war die Sirene unseres Ortes genau auf dem Haus gegenüber von mir.
Es befindet sich etwa in Ortsmitte, ist sehr hoch und steht recht frei.
Die Sirene konnte so im ganzen Ort gehört werden.
Es gab Zeiten, da lief jeden Sonnabend um 10 Uhr die Sirene mal kurz an. (Test)
Dann war es auch mal einige Jahre 13 Uhr.
Irgendwann waren die Tests auch mal an einem Mittwoch.(?)
Nach der Wende wurde sie dann abgebaut und eine neue auf das Gemeindehaus montiert.
Das Haus hat nur eine Etage plus Dach und steht fast am tiefsten Punkt unseres Ortes, weit abseits der Ortsmitte.
Die Sirene ist indoor nur im unmittelbarem Umfeld zun hören.
Das wurde oft bemängelt, wenn zur Übung gerufen wurde und fast keiner kam. :cool:
Seit Anfang 2013 gibt es nun noch eine zweite Siren, wieder genau vor meinem Haus.
Sie wurde an einem Strommast montiert.
Daneben wurde auch ein UKW-Ringdipol vertikal angebracht.
Das hab ich so noch nie gesehen. (Ob das richtig ist? :confused: )
Hier mal ein Foto.



Das neue Teil brüllt nun jeden Sonnabend 12 Uhr los und ruft zum Mittagessen.
Als es letzten Dezember einen Hausbrand im Ort gab, hat die Fernsteuerung der Sirenen aber leider versagt.
Die Feuerwehren der umliegenden Gemeinden waren schon am Brandort, da haben sich unsere Kameraden noch gewundert,
warum die vielen fremden Wehren durch den Ort fahren. :D

von Radio-DX - am 09.04.2014 15:23
Waren Sie bei uns in BW hier zu Zeiten des kalten Kriegs so etwas alltaegliches wie amerikanische Ueberschallflieger, so kann ich mich nicht entsinnen hier im Suedwesten noch irgendwelche aktiven Sirenen die letzten Jahre gehoert zu haben. Im Ort sind auch alle demontiert worden. Bzw. die entsprechden Gebaeude sind abgerissen.

von w_weinmann - am 09.04.2014 20:16
Hier wurden die Sirenen jeden Samstag um 12:00 getestet. Einmal im Jahr gab es zusätzliche Probealarme, inkl. Heultönen.

Das auf dem Bild muß kein UKW-Dipol sein, auch wenn eine Steuerung über RDS möglich ist. Die Montage ist allerdings sehr eigenwillig. Ein vertikaler Ringdipol ist nicht wirklich sinnvoll, wenn man bedenkt daß das Diagramm Donutförmig ist.

Hersteller ist übrigens Hörmann: http://hoermann-gmbh.de/produkte-systeme/sirenen/

von Marc_RE - am 09.04.2014 21:38
In meinem und den umliegenden Landkreisen in BaWü erfolgt die Alarmierung der FFW-Kameraden schon lange mit persönlichen Funkmeldeempfängern.

Läuft über den normalen BOS-Betriebskanal des Landkreises im 4m-Band über 5-Ton-Folgen.

Je nach Größe und Umfang der Alarmierung ist das Band schon mal eine Weile blockiert.

Die Sirenen wurden bei uns im Landkreis BB zwar nicht aktiv abgebaut, aber mehr oder weniger sich selbst überlassen. Viele der sirenentragenden Gebäude sind mittlerweile abgerissen, einige stehen aber noch.

Wie wir bei der Führung des Fernsehturmes Stuttgart erfahren durften, ist die Benachrichtigung in Katastrophen-Fällen keine Aufgabe des SWR mehr. Im Falle einer erfolgreichen Einführung von DAB+ wäre es noch nicht mal einem vor Ort Anwesenden möglich, eine Durchsage zu machen, da die Muxxe bereits fix und fertig angeliefert ankommen. Bei UKW ginge das zur Not noch irgendwie.

Da frage ich mich: Wie wird die Zivilbevölkerung im Ländle gewarnt, wenn mal was Ernstes ist?

- Sirenen gibt es nicht mehr bzw. sind nicht mehr aktiv und werden nicht mehr unterhalten
- SWR offiziell nicht mehr zuständig
- Unser pseudo-Lokalfunk in BaWü besteht aus großen, überregionalen "Ketten", die gar nicht so zielgerichtet informieren könnten (hier wäre Energy als Nachfolger von RTV-Radio, ursprünlich Radio BB zuständig...)

Diese Überlegung stellte ich schon länger, als mal wieder ein sirenentragendes Haus abgerissen wurde, an.

Ich finde, jede Gemeinde sollte für den Katastrophenfall ein Sirenennetz unterhalten.

Mit zunehmender Digitalisierung wird es im Katastrophenfall (da reicht schon ein simpler, längerer Stromausfall) für die Zivilbevölkerung immer schwierig, irgendwie erreichbar zu sein.

Irgendwann sind die Handy-Akkus leer oder das Netz bricht schon zuvor zusammen, Festnetz-Telefonie ist nach der geplanten NGN-Migration der Telekom auch ohne Strom nicht mehr möglich, DAB+ ist Tot weil die Zuführungsleitung nach Baden Baden gekappt wurde, also auch nix mehr mit batteriebetriebenem Kofferradio oder Autoradio. Gruselig, die Vorstellung.

Wolfgang

von Wolfgang R - am 10.04.2014 09:03
Zitat
Sebastian Dohrmann
An dieser Stelle möchte ich dann mal lobend Radio Bonn/Rhein-Sieg erwähnen. Der Alarm kam gestern Abend gegen 19:30 Uhr im gesamten Rhein/Sieg-Kreis. Radio Bonn/Rhein-Sieg hat deshalb bis 22 Uhr live durchgesendet und die Menschen in der Region auf dem Laufenden gehalten. Man hatte mind. zwei Leute im Studio und einen Reporter live vor Ort.
Normalerweise sendet Radio Bonn/Rhein-Sieg bis 20 Uhr eigenes Programm, dann kommt von 21 bis 22 Uhr Bürgerfunk und von 22 bis 6 Uhr der Mantel aus Oberhausen. Natürlich kann man argumentieren, dass soetwas für einen Lokalsender selbstverständlich sein sollte. Jedoch gab es damals massive Kritik u. a. hier an Radio Duisburg wegen des Loveparade-Unglücks und ich habe vor ein paar Monaten selbst erlebt, dass Radio Euskirchen es nicht auf die Reihe bekommen hat, eine größere aktuelle Berichterstattung zu fahren, als dort eine Fliegerbombe explodiert ist und einen Baggerfahrer das Leben gekostet hat. Stattdessen hat Radio Bonn/Rhein-Sieg damals live mit Reporterrn vor Ort berichtet, obwohl das ja nicht mehr im Sendegebiet liegt.

Wenn es schon oft schelte wegen schlechter Berichterstattung im Katastrophenfall gibt, muss dies auch mal lobend erwähnt werden. Zudem hat RBRS heute Morgen in der Morgen-Sendung nochmal ausführlich das Thema "Wie sind Sirenensignale zu verstehen?" aufgegriffen und erklärt, welches Signal was bedeutet und was zu tun ist.


Also in Rheinbach und Odendorf hat keine Sirene geheult. Habe erst am nächsten morgen von Vorfall gehört, von einem Kollegen aus Lohmar, der hat so ne neue Sirene direkt vorm Fenster.

Was den den schrecklichen Unfall in Euskirchen angeht. In meinen Augen hat Radio Euskirchen total versagt. Und es stimmt es gab mehr Infos bei Radio Bonn/SU als bei denen. Selbst in den Lokalnachrichten war erst spät was zu hören. Waren warscheinlich aufgezeichnet. Schneller als Radio Eu war sogar Sunshine Live :-)

lg

Aberdon

von Aberdon - am 10.04.2014 11:26
Zitat
Christian_66
anschließend wurde das Programm von Radio Bonn-Rhein-Sieg zweimal von Durchsagen der Feuerwehr unterbrochen.


Hast du zufällig den PTY beobachten können, ob dieser während der Durchsage auf Alarm geschaltet ist?

CU BB

von Boombastic - am 10.04.2014 12:51
Zitat
Boombastic
Zitat
Christian_66
anschließend wurde das Programm von Radio Bonn-Rhein-Sieg zweimal von Durchsagen der Feuerwehr unterbrochen.


Hast du zufällig den PTY beobachten können, ob dieser während der Durchsage auf Alarm geschaltet ist?

CU BB


Leider nein. Ich habe es mit dem Degen gehört, der hat kein RDS.

von Christian_66 - am 10.04.2014 19:54
Schön finde ich das amerikanische EAS. Warnungen werden von Radiostation zu Radiostation weitergegeben, in laufende TV-Sendungen und Kabelnetze eingeblendet. Zusätzlich gibt es eine Alarmierung über spezielle Wetterradios, die wecken die Leute dann auch in besonderen Fällen (Tornadowarnung). Darüber werden auch Meldungen über vermisste Kinder usw. gesendet.

von Marc_RE - am 13.04.2014 13:52
Letzten Sommer, Anfang Juni, als das Hochwasser kam: in der Nacht zum 3.6. fuhr gegen 3 Uhr die Nahverkehrsgesellschaft mit ihrem Lautsprecherwagen durch die Siedlung, in der meine Eltern wohnen und teilte mit, daß ein Bus bereitstünde zur Evakuierung. Mehr nicht... in dem Bus saßen nach einer halben Stunde dann wohl 4 Renter, die ins Ungewisse gekarrt wurden. Alle anderen harrten aus oder hatten die Durchsage gar nicht gehört. Die meisten dürften aber wach geblieben sein bzw. sich in die Nachwache reingeteilt haben, so wie ich mit meiner Mutter.

Gegen 4:30 Uhr fiel der Strom aus. Da war mein UMTS-Webzugang dann auch weg, das Laptop hat keinen Akku mehr. Durch den Stromausfall versagten die Pumpen der Kanalisation und dadurch stieg der Kanalpegel derbe an - ab etwa 6:00 Uhr direkt gespeist durch die über das Ufer getretene Weiße Elster. Die Bäckerei um die Ecke verkaufte ohne Kasse im Kerzenschein das, was noch gebacken wurde, bevor der Strom ausfiel. Derweil waren die Bäckereibesitzer damit beschäftigt, den Nachbarhäusern so weit möglich Notstrom für Pumpen geben zu können.

8:30 stand das Wasser dann durch die Kanalisation hochgedrückt auf Höhe des Hofes, etwas tiefer als der Straßenscheitel. Es begann dann auch durch die Hauswand (!) vom Nachbarn, dessen Keller mangels Stufe vor dem Hintereingang bereits vollgelaufen war, in unseren Keller zu laufen. Ergebnis am Ende: 1.4 Meter hoch Wasser im Keller, Heizung weg, Waschmaschine weg.

Festnetz-Telefon: nun auch ausgefallen, obwohl formal klassische Analogleitung. Wird vermutlich irgendwo ortsnah von OPAL umgesetzt und da war der Strom halt weg. Mobiltelefon ging noch, aktuelle Meldungen zog ich mir dann nachmittags am Laptop, das ich am Notstromer des Nachbarn betrieben habe - Netzteil hat überlebt.

Radio: MDR Info meldete regelmäßig, wo vor paar Stunden was abgesoffen war, aber nicht, was noch an Pegelständen zu erwarten ist. MDR Thüringen hatte Twitter laufen gehabt und in der Nacht lief da einiges an Informationen auf - das war dann, als die heiße Phase kam, auch nicht mehr verfügbar für uns. MDR Radio Thüringen war glatte Nullnummer. Später behauptete die Geraer OB, sie hätte eine Privatnummer eines Redakteurs von MDR Info gehabt und da wäre niemand rangegangen und deshalb... der MDR wies das zurück und angesichts der Tatsache, daß MDR Info auch offizielle Telefonnummern hat, sorgte die OB eher für verzweifeltes Kopfschütteln als für Empörung Richtung MDR.

Die freiwillige Feuerwehr aus einem Dorf etwa 7 km weg, die bei uns um die Ecke stand und bissl was koordinierte (vor allem den Kaffeenachschub), wußte auch absolut nichts. Selbst sie bekam keine Infos und konnte letztlich auch nicht viel machen (außer nicht bei sich zu Hause sein, wo auch alles abgesoffen war). Irgendwann kamen 2 erschöpfte Männer von der nächsten Siedlung gelaufen und fragten, ob man sie vergessen hätte. Sie waren komplett vom Wasser eingeschlossen, da wars wirklich übel, Wohnhäuser teils im EG komplett voll. Sie wollten ausharren und baten nur darum, mal von der Bundeswehr zum Einkaufen an irgendeine Tanke gefahren zu werden, selbst das Trinkwasser war alle.

Nachmittags kam die Bundeswehr mit hochbeinigen LKWs und evakuierte die älteren Einwohner und alle Entnervten. Viele jüngere blieben in den Häusern, das Wasser stand teils ja nur knöchelhoch auf den Straßen und es waren "nur" die Keller überflutet. Nicht weit weg wars aber übel, ich habe Fotos von Wohnräumen gesehen, durch die es 1.5 Meter hoch durchgerauscht war. Später kam noch ein Sanipanzer für einige Rollstuhlfahrer, die man nicht auf den LKW bekam und sogar ein Schwimmpanzer (!), der bei uns völlig fehl am Platz war. Fanden die Leute in der Siedlung 2 km weiter nördlich auch: dort stand das Wasser im Erdgeschoß und die Panzerfahrer fandens geil, mal endlich im Wasser Gas geben zu können. Folge: Flutwelle, Mauer eingedrückt, Fensterscheiben kaputt.

Nachts wars gespenstisch: keine Straßenlampen, hier und da brummende Notstromer, in den Häusern Kerzenlicht und Taschenlampen. Ich hatte meine Fahrradlampe hochkant in eine Tasse gestellt und die Zimmerdecke angeleuchtet. Meine Eltern waren von mir bereits zur Mittagsstunde mit einem der letzten möglichen Transporte (Krankenwagen) ins Krankenhaus abgeschoben worden. Vater mußte eh dorthin, Bypass-OP 3 Tage später. Mutter habe ich, da auch nicht gesund, gleich mitgeschickt. Hatte das Wassergrundstück also die nächsten Wochen für mich alleine, inkl. Keller leerlaufen-lassen via Bodenablauf 2 Tage später, als der Kanalpegel wieder unten war, Wände kärchern (sinnlos, Putz mußte eh runter), alles rausräumen (bei uns nur ganz wenig), neue Waschmaschine kaufen, Keller-Lichtstromkreis abklemmen, damit der Rest vom Haus wieder ans Netz konnte.

Erst am folgenden Tag sah ich, was gegenüber auf der anderen Flußseite passiert war. Das war nirgendwo gemeldet worden und ich konnte es auch nur anhand der Zerstörungen erahnen. Erst das Youtube-Video zeigte viel später das ganze Ausmaß:
http://www.youtube.com/watch?v=ca02s1nUh84

In diesem Video wäre hinter den Bäumen bei etwa 0:20 das Ostthüringen-Studio des MDR zu sehen gewesen: http://www.youtube.com/watch?v=qPhoMkpBpF4
Da ist heute auch kein Studio mehr... ebenfalls komplett vollgelaufen.

Bei uns in der Siedlung: http://www.youtube.com/watch?v=Bl3-JkBjmeA

Am Nachmittag des 3.6. kam noch das Gerücht, es käme eine 2 Meter hohe Flutwelle. Das hätte bedeutet, daß es voll durchs Erdgeschoß durchgerauscht wäre. War zum Glück nicht korrekt: es sollte heißen, eine Talsperre im Vogtland muß um 2 Meter abgelassen werden. Wir haben das dann schon gar nicht mehr als Erhöhung bemerkt.

Fazit: moderne Medien waren nur mit ausreichend Akku zu bekommen und die Ausfallsicherheit ist fraglich. UKW-Radio war freilich vorhanden, aber inhaltlich totale Nullnummer, keine relevanten Informationen. Auf MDR Thüringen dudelte weitgehend die übliche Musik, ich habe dann darauf verzichtet, dieses Elend in Hoffnung auf paar Informationen zu ertragen. Die besten Infos gab es bis zum Stromausfall von Privat via Facebook und Twitter.

Schade finde ich, daß ich ausgerechnet die Thüringen Journale dieser Tage nicht sehen / aufnehmen konnte: DVB-C lief erst wieder 2 Wochen später, als die Leitungen ausgepustet und die abgesoffenen Linienverstärker in den Kellern ersetzt waren. An DVB-T habe ich irgendwie gar nicht gedacht...

Ach so: Sirenen. Nein, keine einzige. Nix.

von Chris_BLN - am 14.04.2014 21:49
Was nützen Sirenen, wenn der Großteil der Bevölkerung die verschiedenen Sirenensignale nicht deuten kann, weil sie nie darüber aufgeklärt wurden?

OT:
Zitat

Festnetz-Telefon: nun auch ausgefallen, obwohl formal klassische Analogleitung.

Eine klassische Analogleitung gibt es im Grunde fast nirgendwo mehr. Dass die "letzte Meile" eine analoge Zweidrahtleitung ist heißt nicht, dass der ganze "Rest" auf der Strecke auch anaog sein muss.

von WiehengeBIERge - am 15.04.2014 09:49
Die Signale wird man auch der heutigen Jugend so beibringen können, wie man sie uns beigebracht hat.
[attachment 3030 sirenensignale_bvs.jpg]

Ansonsten können moderne Sirenen deutlich mehr, sogar sprechen.

http://www.youtube.com/watch?v=EDONckvUEBE

von Marc_RE - am 16.04.2014 12:20
[attachment 9529 sirene1.jpg]

[attachment 9530 sirene2.jpg]

[attachment 9531 sirene3.jpg]

Neulich im Keller eines normalen Mehrfamilienhauses gesehen.
Interssant finde ich, dass der Schalter für Handbetrieb einfach so zugänglich ist - aber nun gut, die Anlage ist eh nicht mehr in Betrieb (aber wohl nur, weil Jemand die Sicherungen heruasgeschraubt hat ;-) ).
Auch hier gibt es wieder die typische 4m-Empfangsantenne (und wieder im Keller!).

von WiehengeBIERge - am 09.07.2017 11:58
Zitat
Wolfgang R
Da frage ich mich: Wie wird die Zivilbevölkerung im Ländle gewarnt, wenn mal was Ernstes ist?

- Sirenen gibt es nicht mehr bzw. sind nicht mehr aktiv und werden nicht mehr unterhalten
- SWR offiziell nicht mehr zuständig
- Unser pseudo-Lokalfunk in BaWü besteht aus großen, überregionalen "Ketten", die gar nicht so zielgerichtet informieren könnten (hier wäre Energy als Nachfolger von RTV-Radio, ursprünlich Radio BB zuständig...)

Diese Überlegung stellte ich schon länger, als mal wieder ein sirenentragendes Haus abgerissen wurde, an.

Ich finde, jede Gemeinde sollte für den Katastrophenfall ein Sirenennetz unterhalten.

Mit zunehmender Digitalisierung wird es im Katastrophenfall (da reicht schon ein simpler, längerer Stromausfall) für die Zivilbevölkerung immer schwierig, irgendwie erreichbar zu sein.

Irgendwann sind die Handy-Akkus leer oder das Netz bricht schon zuvor zusammen, Festnetz-Telefonie ist nach der geplanten NGN-Migration der Telekom auch ohne Strom nicht mehr möglich, DAB+ ist Tot weil die Zuführungsleitung nach Baden Baden gekappt wurde, also auch nix mehr mit batteriebetriebenem Kofferradio oder Autoradio. Gruselig, die Vorstellung.

Das frage ich mich auch schon seit langem. Und mittlerweile finde ich auch immer weniger eine Antwort darauf, bzw. eine die mich etwas beruhigt. Ich finde, es wird sich viel zu sehr darauf verlassen, dass schon nix passieren wird, quasi das Truthahn-Phänomen; aber ob das tatsächlich so der Stein der Weisen ist ... :rolleyes: Vor Jahren gab es viel mehr Rückfalloptionen und Reserven. Heute wird alles aus angeblich ökonomischen Gründen auf Sparflamme gefahren und im Ernstfall fällt der erste Baustein um und alles ist auf Null. Ganz toll.
Viel viel früher waren die Sireneninformationen auch in den Telefonbüchern abgedruckt; kenne ich noch aus meiner Kindheit. Wer hat denn heute noch aktuelles ein Telefonbuch zuhause ... und außerdem steht das dort gar nicht mehr drinnen.

von Jens1978 - am 11.07.2017 06:59
Oh, dann bin ich noch sehr ländlich. Bei uns in NES gibt es nach wie vor ein Netz aus aktiven Sirenen, die ich manchmal auch schon im Einsatz gehört habe. Als Warnkanal fungiert ansonsten nach wie vor der BR, am Intensivsten auf BR Verkehr. Nachdem es auc batteriebetriebene Radios gibt, sehe ich da kein Problem. Ein verbindlicher Warnkanal, wie er ja mit dem Rohrkrepierer Infokanal Bayern angedacht war, wäre schon hilfreich gewesen. Bei Gefahrenlage wird, wie in den USA, auf diesen Kanal umgeschaltet. Ich wundere mich, dass dieses in den USA schon länger praktizierte System sich nicht auch hierzulande durchsetzt. Ansonsten haben wir schon immer so vieles aus den USA übernommen.

von rolling_stone - am 11.07.2017 08:01
Zitat

Oh, dann bin ich noch sehr ländlich. Bei uns in NES gibt es nach wie vor ein Netz aus aktiven Sirenen, die ich manchmal auch schon im Einsatz gehört habe.


Stichwort: Grafenrheinfeld ;)

Überall in Deutschland gibt es im Umkreis von 50 km um Atomkraftwerke herum noch Sirenen.
Von Bad Neustadt a.d.S. bis zum AKW sind es nur 35km Luftlinie.

von iro - am 11.07.2017 10:52
Zitat
rolling_stone
Ich wundere mich, dass dieses in den USA schon länger praktizierte System sich nicht auch hierzulande durchsetzt. Ansonsten haben wir schon immer so vieles aus den USA übernommen.


Das EAS ist auch nicht gerade perfekt und vor allem sehr fehleranfällig. Ist nur in irgendeiner der vielen Stationen, die per Ball an der PEP (Primary Entry Point)-Station hängen (und an der ggf. weitere Stationen, die den PEP nicht empfangen können, per Ball hängen), irgendwas falsch eingestellt, dann klappt es gar nicht oder nicht richtig.

Jedenfalls waren die beiden landesweiten Tests, die von 2011 und 2016, nicht gerade erfolgreich.

Regional und auf County-Ebene scheint das ganze aber gut zu laufen und nationale Großstörungen sind doch eher selten (9/11 war KEIN Fall für das nationale EAS!).

Wolfgang

von Wolfgang R - am 11.07.2017 11:35
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