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Das Pay-TV-Urteil und die Folgen für den Markt

Startbeitrag von hybrid am 04.10.2011 20:14

Der europäische Gerichtshof in Luxemburg hat heute entschieden, dass Pay-TV-Anbieter keine Exklusivrechte für Fußball-Übertragungen in einem bestimmten Zielgebiet reklamieren können - im konkreten Fall ist eine britische Wirtin berechtigt, per Satellit die Spiele aus Griechenland zu empfangen und in ihrem Pub auf die Leinwand zu werfen.
Das Urteil betrifft ganz Europa und damit auch das deutsche Sky-Angebot.
Jetzt mal rein in den Wunderkugel-Modus... glaubt ihr, dass dieses Urteil sich nachhaltig in der deutschen Pay-TV-Branche bemerkbar machen wird - sinkende oder steigende Preise? Wird es gefährlich für die Rechteinhaber - oder kommen jetzt neue Anbieter in den Markt, die in Deutschland italienische, portugiesische oder finnische Fußball-Abos verkaufen möchten?!

Antworten:

Gut ist es auf jeden Fall, daß man so entschieden hat.

Denn nur durch soetwas wie Exklusivrechte kommt so ein Mist zustande, daß man bei Sky erst einen Haufen Mist abonnieren muß um an das Fußball-Paket zu kommen.

Und das sage ich als einer, dem Fußball extrem weit am A.... vorbei geht!


von Kay B - am 04.10.2011 20:25
Ich wuerde mir da eher um die Gehaelter der Spieler in Italien und England sorgen machen. Auch kann passieren, dass die jeweiligen Ligen ihre Rechte nur noch an heimische Sender verkaufen. Dann hat sich das Urteil auch erledigt. Die Sender wie Sky usw. werden wohl am wenigsten Schaden erleiden.

von Nordlicht2 - am 04.10.2011 20:28
Naja, ich glaube nicht, dass dann die Premier League nur noch in UK angeboten wird - und die Bundesliga zum Beispiel den Niederländern, den Briten, den Türken oder den polnischen oder russischen Fans vorenthalten wird...
an die Spielergehälter habe ich dabei noch nicht wirklich gedacht - aber stimmt, den Vereinen kann das jetzt nicht wirklich gefallen...
Ich verstehe das Urteil jedenfalls so, dass jetzt Firma "AkropoliSat" aus Griechenland überall sonst in Europa Pay-TV-Smartcards anbieten dürfte. Ob das auch großflächig gemacht wird... tja...

von hybrid - am 04.10.2011 20:41
Wenn ich das richtig verstanden habe, geht es um eine Klägerin, die einen griechischen Dekoder dazu genutzt hat, die Spiele der Liga ihres Heimtlandes anzuschauen. Dabei war der Abopreis sehr viel günstiger als der des "eigenen" Pay-TV-Unternehmens.

Das ist natürlich nur sinnvoll, wenn die Rechte überhaupt an mehrere Anbieter in verschiedenen Ländern verkauft werden. In Ländern mit weniger attraktiven eigenen Ligen ist es natürlich interessanter zu sehen, was in Spanien, England, Deutschland und Italien so abgeht.

Kein Wunder also, dass Pay-TV-Anbieter dieser Länder auch die Rechte einkaufen -- und viel billiger bekommen.

Für die Ligen stellt sich also die Frage, wie sie jetzt handeln. Das ist natürlich ein einfaches Rechenexempel:

Sollen die eigenen Landsleute nicht auf andere Pay-TV-Anbieter ausweichen, dann fallen die Einnahmen aus den Verkäufen der Rechte an ausländische Anbieter weg. Das würde also einen Verlust an Einnahmen bedeuten.

Würde man die Rechte weiterhin an mehrere Anbieter in Europa verkaufen, dann würden die Preise im Heimtland allerdings fallen, weil der Pay-TV-Anbieter damit rechnen muss, dass viele auf das billigere Angebot ausweichen.

Am Ende steht also auf jeden Fall ein Minus bei den Einnahmen da. Je nachdem, wo das Minus von der kleineren ¤-Zahl gefolgt wird, liegt das entprechende Vorgehen.

Das wird künftig zu interessanten Verhandlungen zwischen den Ligen und den Anbietern führen. Mich würde jedenfalls nicht wundern, wenn es im Schnitt teurer würde für die Zuschauer.

von Alqaszar - am 04.10.2011 20:44
Zitat
alqaszar
weil der Pay-TV-Anbieter damit rechnen muss, dass viele auf das billigere Angebot ausweichen.

Ich schätze, die Zahl der Privatleute, die Fussball mit fremdsprachigem Kommentar sehen wollen, wird überschaubar bleiben. Für den konkreten Fall einer Gaststätte mag es verlockend sein, Sportveranstaltungen möglichst günstig (tonlos?) zu zeigen, aber wer macht das schon privat? Am Ende wird es wahrscheinlich nur für alle teurer. Europa eben... :rolleyes:

von Rolf, der Frequenzenfänger - am 05.10.2011 04:05
Auch in Gaststätten wird üblicherweise der Ton mit gezeigt. Ich gehe also davon aus das sich nicht so wirklich etwas ändern wird. Vor allem wenn man dem Bericht auf SWR Cont.Ra glauben schenken darf das tatsächlich nur das Fußballspiel von dieser Regelung betroffen ist. Eventuelle Werbung, Opener, Trenner und so weiter müssten theoretisch erstmal geprüft werden ob sie in den Zielländern überhaupt zulässig sind. Und wie das mit den Musikeinspielungen wie etwa der Nationalhymne aussieht ist auch noch nicht absolut wasserdicht geklärt. Nach aktuellem kenntnisstand müssten für die dauer der Hymne alle Karten abgeschaltet werden die sich nicht, um mal bei dem Beispiel mit dem griechischen Sender zu bleiben, in Griechenland befinden. Der Rechtsexperte den man bei Cont.Ra im Interview hatte erwartet also noch weitere Urteile. Er meinte da käme wohl noch ein ganzer Rattenschwanz an Urteilen nach denn das aktuelle Urteil wäre so alleine für sich nichts wert.

von Spacelab - am 05.10.2011 06:32
damit ist der Weg frei anstelle des teuren SKY Gaststättenabos die Bundesliga im osteuropäischen Eurosport 2 zu zeigen ;-)

von mobi - am 05.10.2011 09:05
Eurosport 2 darf aber auch nicht einfach so in öffentlichen Gaststätten gezeigt. Die verlangen dann auch eine extra Zahlung. Und wie schon von dem Rechtsexperten des SWR gesagt wurde ist dieses Urteil bis jetzt so allein noch nichts wert. Da wurde noch viel zu viel offen gelassen was den ausländischen Pay-TV Anbietern zum Stolperstein werden könnte.

von Spacelab - am 05.10.2011 09:25
Zitat

Für den konkreten Fall einer Gaststätte mag es verlockend sein, Sportveranstaltungen möglichst günstig (tonlos?) zu zeigen


laut einem Bericht vom BR ist dieses neue Pay TV Urteil nur für Privatpersonen. Soll heißen:
Gaststätten, etc...müssen also wie bisher beim deutschen Anbieter ein Abo abschließen. Grund hierfür seien laut BR Meldung die Urheberrechte-Regelungen, die es verbieten, ausländische Abos öffentlich zu nutzen, also in Gaststätten, etc.

von Radiopirat - am 05.10.2011 09:49
Zitat
Radiopirat
laut einem Bericht vom BR ist dieses neue Pay TV Urteil nur für Privatpersonen. Soll heißen: Gaststätten, etc...müssen also wie bisher beim deutschen Anbieter ein Abo abschließen. Grund hierfür seien laut BR Meldung die Urheberrechte-Regelungen, die es verbieten, ausländische Abos öffentlich zu nutzen, also in Gaststätten, etc.

:confused: Aber genau darum ging es doch in dem Urteil.

von Rolf, der Frequenzenfänger - am 05.10.2011 10:28
Ja und die Pub Besitzerin hat ja auch verloren. Denn um das was es ihr ging hat sie nicht recht bekommen. Dieses "Pay-TV Urteil" über das wir hier sprechen ist quasi nur das was hinten über gefallen ist.

von Spacelab - am 05.10.2011 10:40
Das gibt's wohl bald neben 'Raucher-Clubs' auch 'Pay-TV-Clubs' mit geschlossenem Mitgliederkreis ... ;-) .

von Saarländer (aus Elm) - am 05.10.2011 10:54
...die allerdings auch nach deutschem Recht unter eine oeffentliche Auffuehrung fallen wuerden. Solange jemand diese Inhalte gewerblich nutzt gilt das Urteil nicht mehr fuer ihn. Genau genommen ist sogar das von aussen einsehbare Aufstellen eines Fernsehers in den eigenen vier Waenden bereits eine oeffentliche Auffuehrung. Waehrend man beim Fernseher wegen des auf dem Buergersteig fehlenden Fernsehtons noch ueber die Bewertung dieses Geraetes streiten kann ist das lautstarke Abspielen einer Kauf-CD aus einem Autoradio heraus eine oeffentliche Auffuehrung.

von PowerAM - am 05.10.2011 11:02
Zitat
Spacelab
Ja und die Pub Besitzerin hat ja auch verloren. Denn um das was es ihr ging hat sie nicht recht bekommen.

Jetzt habe ich den Überblick endgültig verloren. Ich dachte, sie sei jetzt berechtigt, den griechischen Sender in ihrem Pub laufen zu lassen. Ist das denn nicht das, was sie wollte??

von Rolf, der Frequenzenfänger - am 05.10.2011 11:24
Ja und nein. Das Spiel ja, einige andere Dinge davor und danach nicht. Siehe hier:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/EuGH-Exklusivlizenzen-fuer-Sport-im-Pay-TV-sind-wettbewerbswidrig-1353774.html


von Nohab - am 05.10.2011 11:31
So wollte es die Wirtin. Unstrittig ist nach dem Urteil die Laenderbindung fuer Pay-TV innerhalb EU-Europas fuer private Nutzung. Sie ist nicht zulaessig. Das sieht fuer die gewerbliche Nutzung, wie sie im konkreten Fall durch die oeffentliche Auffuehrung geschehen ist, etwas anders aus. In diesem Fall ist das Urteil naemlich nicht abschliessend und somit nicht deckungsgleich anwendbar.

von PowerAM - am 05.10.2011 11:39
@Rolf: Nach der Rechtssprechung des EuGH darf die Pub Besitzerin NUR DAS SPIEL zeigen. Das davor und danach, also eventuelle Interviews oder sonstige Shows sind Tabu. Ebenso die Nationalhymne. Und wenn der grichische Sender eine Einblendung macht müsste die Pub Besitzerin irgendwie dafür sorgen das diese in ihrem Lokal keiner sehen kann. Dadurch ist dieses Urteil ja auch in seiner jetzigen Form total unbrauchbar. Wovor jetzt aber die Rechteinhaber schon zittern sind die unvermeintlichen Folgeprozesse in denen auch andere "nicht europaweite" Lizenzen unter die Lupe genommen werden. Und das könnte dann richtige Wellen schlagen.

Was allerdings jetzt schon ein Knaller ist, ist die Tatsache das man THEORETISCH als Privatperson nun ganz legal ausländisches Pay-TV erwerben darf.

von Spacelab - am 05.10.2011 11:54
Ob sie ueberhaupt gewerblich das Spiel auffuehren darf ist in meinen Augen nicht aus dem Urteil abzuleiten.

von PowerAM - am 05.10.2011 11:59
Ist das denn überhaupt gewerblich? Die Pub-Besitzerin verlangt doch kein Geld von den Leuten um das Spiel anschauen zu dürfen, oder? Das ist doch quasi nur so nebenbei, wie ein Radiosender der in einem Restaurant läuft.

von Zwölf - am 05.10.2011 12:10
Doch, der eingeschaltete Fernseher in ihrem Ein-Glas-Bier-Geschaeft entspricht einer oeffentlichen Auffuehrung.

von PowerAM - am 05.10.2011 12:12
Gewerblicher geht es gar nicht mehr. ;-) Und auch für das im Hintergrund dudelnde Radio muss GEMA bezahlt werden. Und das nicht zu knapp. Ich kann dir da ein Lied von singen.

von Spacelab - am 05.10.2011 12:15
Zitat
Spacelab
. Ich kann dir da ein Lied von singen.


Vorsicht, auch das könnte GEMA-pflichtig sein...


Zum Thema: Ich hätte mir eine deutlichere Aussage gewünscht, dass es künftig innerhalb der EU möglich ist, ein Abo eines beliebigen Pay-TV Senders der EU abzuschließen. Ungrundsätzlich d zwar nicht nur wegen Sport. Man regelt doch sonst auch den größten Schwachsinn, warum kommt in dieser Richtung nichts von der EU? Ach ja, ich weiß: Durch die Rechteverteilung gibt es ja Geld zu verdienen, durch freien Zugang zu allen Medien in der EU nicht...

von Bolivar diGriz - am 05.10.2011 13:21
Äh, gab's dazu nicht schon einen Thread?

http://forum.mysnip.de/read.php?8773,946905

Bitte zusammenlegen.

von freiwild - am 05.10.2011 13:41
Das mit dem zusammenlegen ist so eine sache. Die Forensoftware sortiert das dann nach der Zeitleiste. Ein Thread als ganzes in einem Block anzuhängen geht also leider nicht. Und wenn ich mir die beiden Threads mal so durchlese könnte das dann ein ziemliches durcheinander werden.

von Spacelab - am 05.10.2011 13:53
Dann plädiere ich einfach für ein Schließen des anderen Threads. Der Verweis ist ja eh schon dort. ;)

von Wrzlbrnft - am 05.10.2011 13:59
Ein Tag ist Gras drüber gewachsen und ich habe noch ein paar andere Berichte gesehen und gehört... ich glaube mittlerweile auch, dass sich nichts ändert - oder sogar evtl. die Preise leicht steigen könnten.
Eine Einschätzung von einem Urheberrechtsexperten im Radio war beispielsweise, es würde ausreichen ein Logo in die Übertragung einzublenden (wie es bei der deutschen Bundesliga ja schon der Fall ist...) Dann würde dieses Logo ein urheberrechtlich geschütztes Zeichen darstellen und darauf könnte man sich berufen. Da hat sich Europa anscheinend wieder einen ganz teuren Murx geschossen.

von hybrid - am 05.10.2011 14:55
Ich bewerte das Urteil folgendermaßen:

Es ist nun nicht mehr illegal, ein Pay-TV-Abo eines anderen Mitgliedslandes in einem anderen EU-Land zu nutzen.
Ob die bisher national operierenden Pay-TV-Veranstalter davon Gebrauch machen, ihre Abos europaweit zu vermarkten, bleibt abzuwarten.
Geschieht das nicht, wird diese Nische wie bisher von "Kartenvermittlern" ausgefüllt, ab jetzt dann auf legaler Basis.
Soviel zur privaten Nutzung. Da dazu durch die Paketstrukturen meist auch ein Filmpaket gehört, ist dies nun auch legal überall abonnierbar.

Was die Kneipenlizenzen betrifft, so können diese ebenfalls über den ausländischen Pay-TV-Anbieter gebucht werden (Nova Griechenland bietet sowas an). Zur Not wird dies ebenfalls über einen Kartenvermittler laufen.

Allerdings dürfen laut Urteil urheberrechtlich geschützte Werke wie die Liga-Hymne ohne Erlaubnis des Rechteinhabers nicht öffentlich aufgefüht werden. Lösung: Dann schaltet der Wirt halt erst zum Anpfiff ein.

Ob Logo-Einblendungen während des Spiels überhaupt relevant sind, ist nicht geklärt. Man könnte auch der Auffassung sein, dass das Spiel an sich den hauptsächlichen Anteil der Übertragung ausmacht und die minimalen Anteile an urheberrechtlich geschütztem Beiwerk nicht ins Gewicht fallen. Zur Not klebt man ein Papperl auf das Liga-Logo unten rechts ;)

Für Deutschland bedeutet dies sogar: Bundesliga auf Dubai Sports darf nun in Kneipen gezeigt werden. Kostenlos für den Wirt! Von der 100cm-Schüssel mal abgesehen...

Zur Zukunft: Es wird künftig potentiell zu einer Angleichung der Lizenzgebühren einer Liga zwischen dem Inlandsmarkt und dem Auslandsmarkt kommen. Das wird dann zwangsläufig dazu führen, dass kleinere Anbieter wie Nova Griechenland künftig keine Premier-League-Rechte mehr erwerben, wiel sie schlichtweg zu teuer werden.

Die einzige Alternative für kleine Anbieter wird sein, kleine Pakete zu schnüren und jedes Auslands-Liga-Paket separat zu vermarkten und dafür annähernd gleiche Preise aufzurufen, wie sie im Pay-TV-Inlandsmarkt der betroffenen Liga verlangt werden. Eventuell darf man auch 25% billiger sein, da die Anzahl der Auslandsanbieter-Kunden der Inlandsliga durch die Sprachbarriere ohnehin niemals das Niveau des Inlandsanbieters erreichen wird. Es liegt jedoch auf der Hand, dass man in Zukunft die eigene Inlandsliga wohl nicht mehr zum 10%igen Preis des Inlands-Pay-TV-Anbieters wird buchen können, wie im Falle der englischen Wirtin.

Es wird in jedem Falle interessant. Wir werden sehen, wie es weitergeht...

PS: Welche Lobby hat denn da welche Politiker bestochen, dass da eine solch schwachsinnige Definition von "öffenlicher Aufführung" in Deutschland dabei rausgekommen ist?

von Channel Master - am 07.10.2011 22:31
In meiner Stamm-Pizzeria läuft ja schon seit Jahr und Tag Fußball aus dem albanischen Fernsehen. In der Praxis hat es also bislang kaum irgendwo gestört...

von Peter Schwarz - am 08.10.2011 02:50
Zitat

Allerdings dürfen laut Urteil urheberrechtlich geschützte Werke wie die Liga-Hymne ohne Erlaubnis des Rechteinhabers nicht öffentlich aufgefüht werden. Lösung: Dann schaltet der Wirt halt erst zum Anpfiff ein.

Ob Logo-Einblendungen während des Spiels überhaupt relevant sind, ist nicht geklärt. Man könnte auch der Auffassung sein, dass das Spiel an sich den hauptsächlichen Anteil der Übertragung ausmacht und die minimalen Anteile an urheberrechtlich geschütztem Beiwerk nicht ins Gewicht fallen. Zur Not klebt man ein Papperl auf das Liga-Logo unten rechts ;-)

Dann müsste er aber auch schnell ein Papperl auf den Fernseher kleben wenn dieser eine Tabelle oder ähnliches einblendet. ;-) Und wenn der Sender dann noch irgendwelche Replays oder Abseitsanalysen einspielt ist es eh vorbei. Deshalb sag ich ja, dieses Urteil alleine ist in der Praxis für den Ar***. Es kommt auf die Lawine an die da noch nachkommen könnte.

Zitat

Zur Zukunft: Es wird künftig potentiell zu einer Angleichung der Lizenzgebühren einer Liga zwischen dem Inlandsmarkt und dem Auslandsmarkt kommen. Das wird dann zwangsläufig dazu führen, dass kleinere Anbieter wie Nova Griechenland künftig keine Premier-League-Rechte mehr erwerben, wiel sie schlichtweg zu teuer werden.

Die einzige Alternative für kleine Anbieter wird sein, kleine Pakete zu schnüren und jedes Auslands-Liga-Paket separat zu vermarkten und dafür annähernd gleiche Preise aufzurufen, wie sie im Pay-TV-Inlandsmarkt der betroffenen Liga verlangt werden. Eventuell darf man auch 25% billiger sein, da die Anzahl der Auslandsanbieter-Kunden der Inlandsliga durch die Sprachbarriere ohnehin niemals das Niveau des Inlandsanbieters erreichen wird. Es liegt jedoch auf der Hand, dass man in Zukunft die eigene Inlandsliga wohl nicht mehr zum 10%igen Preis des Inlands-Pay-TV-Anbieters wird buchen können, wie im Falle der englischen Wirtin.

Bei DRadio Wissen hatte man vor ein paar tagen einen Insider aus der Pay-TV Szene in Interview. Er vermutet, ähnlich wie du, das sich kleine Pay-TV Anbieter bestimmte Fußballrechte überhaupt nicht mehr leisten können. Bei den großen Platzhirschen, hier wurde konkret Sky genannt, wird sich kaum etwas ändern. Sky hat ja jetzt schon Probleme seine Fußballabbos unter die Leute zu bringen. Jüngsten Umfragen zu folge weil es den meisten einfach zu teuer ist. Man hat hier also bei den meisten schon eine Schmerzgrenze überschritten und die Preise noch weiter erhöhen geht nicht.

Zitat

In meiner Stamm-Pizzeria läuft ja schon seit Jahr und Tag Fußball aus dem albanischen Fernsehen. In der Praxis hat es also bislang kaum irgendwo gestört...

Wenn es kein Pay-TV ist, ist es egal. Wenn es aber Pay-TV ist, ist es ein Spiel mit dem Feuer. Wo kein Kläger da kein Richter. Aber wenn er Pech hat wird er genauso von jemendem angeschissen wie der Besitzer unseres örtlichen Dönertier Händlers. Der darf lockere 5000 Euronen zahlen weil er türkisches Pay-TV in seinem Laden gezeigt hat. Da genügt schon ein unzufriedener Kunde oder jemand von der Konkurrenz.

von Spacelab - am 08.10.2011 07:05
Zitat
Spacelab
Dann müsste er aber auch schnell ein Papperl auf den Fernseher kleben wenn dieser eine Tabelle oder ähnliches einblendet.


Klar. Genauso wie zum Anpfiff muss auch zum Abpfiff die Aufführung pünktlichst beendet werden. Da die Tabelle in arabischen Schiftzeichen sowieso niemand lesen kann, ist diese ohnehin irrelevant, genauso wie potentielle After-Match-Interwiews mit übergesprochenem Kommentar eines fremdsprachlichen Synchronübersetzers.

Zitat

Und wenn der Sender dann noch irgendwelche Replays oder Abseitsanalysen einspielt ist es eh vorbei. Deshalb sag ich ja, dieses Urteil alleine ist in der Praxis für den Ar***. Es kommt auf die Lawine an die da noch nachkommen könnte.


Zustimmung. Um genau diese Fragen zu klären, werden wohl noch einige Nachfolgeprozesse geführt werden. Wichtig ist, dass im Grundsatz einem Fußballspiel die Anerkennung als urheberrechtlich geschütztes Werk verwehrt wurde.

Es wird konkret um die Frage gehen, ob durch die Beimengung von urheberrechtlich geschützten (und für das Spiel irrelevanten) Komponenten der Hauptaspekt der Übetragung - das nicht urheberrechtlich geschützte Fußballspiel an sich - komplett in einen anderen Aspekt, nämlich in eine urhebrrechtlich geschützte Aufführung umgewandelt werden kann.

Wird dies von den Gerichten verneint, ist eh alles klar.

Wird dies von den Gerichten bejaht, so wird in kürzester Zeit eine neue Hardware-Marktnische eröffnet - Bildprozessoren, die Wasserzeichen entfernen und Zeitlupeneinspieler dunkel tasten. Das hat durch die Signalverarbeitung dann zwar zur Folge, dass das Ganze nicht mehr "live" ist, aber die paar Sekunden Verzögerung dürfte den meisten Konsumenten wohl egal sein.



von Channel Master - am 08.10.2011 11:45
Ob sich dieser Aufwand für die paar Zuschauer lohnt die ein paar Euro sparen wollen aber sich dafür kastrierte "Live"spiele in fremder Sprache ohne drumherum anschauen wage ich zu bezweifeln.

Im übrigen ist das mal wieder nicht alles so einfach. Das Gericht hat ja beschlossen dass das Fußballspiel selbst Urheberrechts frei ist. Aber die Einblendungen nicht. Deshalb hat die Pub Wirtin den Prozess ja auch verloren obwohl sie Recht bekommen hat. Sie darf das Fußballspiel eines landesfremden Pay-TV Anbieters zeigen. Aber nicht in der Form wie es der Anbieter ausstrahlt. Also ein glatter juristischer Schildbürgerstreich. :rolleyes:

Die größere und interessantere Welle wird jetzt erstmal die Musikindustrie machen zusammen mit der Softwareindustrie. Das ist ja schon beschlossene Sache. Und zwar möchte man nun vom europäischen Gerichtshof endgültig geklärt haben wie es mit dem kauf und verkauf von Tonträgern und Software innerhalb der EU aussieht. So hagelte es beispielsweise Abmahnungen weil ein Händler im großen Stil ein Album von EU Land "A" nach EU Land "B" verschickt hat weil das Album in Land "A" günstiger war und sogar noch als "Special Edition" 2 Bonus-Tracks enthielt. Je nach dem wie in diesem Fall entschieden wird könnte das viele andere, schon früher getroffene Urteile, in frage stellen. Unter anderem auch ob es dann nicht doch legal wäre bei einem Fußballspiel die Nationalhymne in einem fremden Land per Auslands Pay-TV öffentlich aufzuführen. Man möchte also auf EU weite Lizenzen nicht nur für Fußball im Pay-TV, sondern auch für Musik hinaus. Das gleiche möchte die Softwareindustrie auch. Hier kommt aber noch die Frage der "Schöpfungshöhe" hinzu. Software (beispielsweise Bilder, Grafiken oder ganz primitive Programme) die unter eine bestimmte Schöpfungshöhe fallen dürfen ohne weitere Lizenz kostenpflichtig in der ganzen EU verteilt werden. Übersteigt die Software aber diese Schöpfungshöhe muss für jedes Land in dem sie verkauft wird eine eigene Lizenz eingeholt werden. Das kann dann ganz seltsame Auswüchse treiben. So darf Samsung die Version 2 seines Smartphonebetriessystems "Bada" nur in Deutschland anbieten. Nicht aber in Frankreich oder Italien. Hier wurde durch Apple und denen wohlgesonnene Gerichte keine benötigte Lizenz erteilt. Je nach dem wie diese Urteile des europäischen Gerichtshofs ausfallen wird dann auch die Hardwareindustrie kommen und sagen "wenn Pay-TV, Musik- und Softwareindustrie EU weit agieren dürfen, dann wollen wir das auch".

Dieses Pay-TV Urteil war nur der Anfang eines Schneeballsystems. Für sich alleine total für die Katz. Aber das ganze könnte im laufe der Zeit ungeahnte Dimensionen annehmen über die einige sehr glücklich, andere aber auch sehr betroffen sein werden. Kommt halt auf den Standpunkt an.

von Spacelab - am 08.10.2011 13:24
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