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50 Jahre Fernsehen im Oberen Bayerischen Wald

Startbeitrag von Daniel28-55-59 am 21.12.2011 17:13

Heute gibt es ein kleines Jubiläum zu feiern.

Genau vor 50 Jahren startete vom Hohenbogen das Deutsche Fernsehen.

Das war unserer landkreisweiten Zeitung gleich eine ganze Seite wert, die ich da bekommen habe.
Es war die dritte Seite im Lokalteil und daher absolut vordergründig in der heutigen Lokalberichterstattung. Ich denke, die Darstellung ist wirklich gelungen.

Mir war es auch ein Anliegen, die Post und die gute Zusammenarbeit mit dem BR dementsprechend hervorzuheben, denn sie spielte ja über Jahrezehnte hinweg eine entscheidende Rolle in ihrer Funktion als Untermieterin beim BR.

Das Luftbild stammt übrigens vom Dezember 1987.

Hier die Mini-Ansicht und das pdf zum Download:



Kötztinger/Chamer Zeitung vom 21. Dezember 2011

Die 50 interessantesten Antworten:

na ja mir fehlt hier im Bericht, das der Hohe Bogen auch ein Grundnetzsender für Südböhmen war. Damals konnten sehr viele in der älteren Bevölkerung deutsch und so war die ARD eine gute Informationsquelle hinter dem eisernen Vorhang.



von Frank S. - am 21.12.2011 19:45
Ja, ich weiß, sogar im Vogtland war er empfangbar. Ich hätte noch viel mehr schreiben können. Das war sowieso schon höchst "schwierig", es in einem "kleinen" Rahmen zu halten.
Es hätte noch zig interessante Dinge gegeben...

von Daniel28-55-59 - am 21.12.2011 20:12
Interessanter Bericht und klasse gemacht!
Dennoch eine Frage in die Runde: Wie wurde denn sonstige der Bayerische Wald mit dem ZDF und BayFS versorgt? Der quasi dem Brotjacklriegel gegenüberstehende Grundnetzsender Deggendorf war ja in Richtung Bayerischer Wald bei weitem nicht so exponiert wie der Brotjacklriegel. Sicherlich kam dazu dann noch der Gr. Arber, aber eben nur im geringen kW-Bereich und somit für den Ballempfang von Füllsendern auf weitere Entfernung eher weniger geeignet. Hingen viele Umsetzer "im Wald" ggf. auch am Hohenbogen?

von Thomas (Metal) - am 21.12.2011 20:25
Am Hohenbogen hingen 30 Umsetzer.

Ich habe mal vor einiger Zeit eine Karte für den Oberen Bayerischen Wald gemacht mit allen Füllsendern, die teilweise aber auch andere Grundnetzsender als Muttersender hatten.

Und der Arber hatte sowieso eine AMTV-Strecke vom Hohenbogen, später dann eine Mod-Leitung der Deutschen Telekom.



Du siehst also, wir hier in Ostbayern hatten wirklich zig Fernsehfüllsender.
Stand dieser Karte ist 2002.

von Daniel28-55-59 - am 21.12.2011 20:47
Zitat
RudiP
Heißt das, dass die Leute in - sagen wir mal - Cham oder Waldmünchen bis 1961 kein Fernsehen hatten?


Ja, das kann man so sagen.

Einige hatten "Glück" mit dem Ochsenkopf, andere mit dem Dillberg, wieder andere evtl. mit dem Brotjacklriegel.

Größtenteils aber schneite es auf den Bildschirmen hier in unserer Gegend.

Und das war ja dann schließlich auch der Grund für den Ausbau des Hohenbogens.

von Daniel28-55-59 - am 21.12.2011 20:50
Ja, vor allem die in Waldmünchen hatten an vielen Stellen Glück. Der Vater meiner früheren Freundin empfing gegen Ende der 1950er erst den Dillberg, und dann den Ochsenkopf.

Analog VHF K6 konnte ich in Waldmünchen 2006/2007 ja nicht mehr Testen, Digital geht der Dillberg oft noch mit Zimmerantenne in Waldmünchen. Analog war Amberg mit Dachantenne einwandfrei zu empfangen. Der Hohe Bogen kam nur mit Geisterbildern.

von Scrat - am 21.12.2011 21:35
Sehr schöner Bericht mit einem Schuss Nostalgie! :spos:

Dass das "letzte Farbtestbild" nicht das Original ist, dürfte dem normalen Leser nicht auffallen. ;)
Ein "echtes" FuBK hat u.a. einen Hell-Dunkel-Verlauf in den Abgleichzeilen für den PAL-Decoder.


von Rolf, der Frequenzenfänger - am 22.12.2011 05:07
Mit dem Hell-Dunkel-Verlauf hast Du recht, der Rohde & Schwarz-Testbildgenerator macht dies auch. Die Post hatte beim zweiten und dritten Programm Rohde & Schwarz-Anlagen, da war das so.

Aber das hier ist wirklich das Original-Testbild des Bayerischen Rundfunks beim ersten Programm.
Die hatten einen Grundig-Videogenerator und der hatte diesen Hell-Dunkel-Verlauf nicht. Ich habe davon eine ganze Stunde Original-Videosignal und daraus einen Screenshot gemacht.
Der Grundig-Videogenerator wurde 1988 angeschafft und war bis 2006 in Betrieb.

von Daniel28-55-59 - am 22.12.2011 05:44
OK, ich glaube dir. ;)
Ist mir als altem Fernsehtechniker halt sofort aufgefallen, weil es so ungewohnt "glatt" aussieht. Mir ist sonst kein deutscher Öffi-Standort bekannt, der ein anderes Testbild als das übliche "R&S-FuBK" verwendet hatte.

von Rolf, der Frequenzenfänger - am 22.12.2011 06:22
Das dachte ich zuerst auch, daß dieses Testbild wohl einmalig sein dürfte.

Dann habe ich aber auf verschiedenen Testbildseiten diese vier Mini-Screenshots entdeckt.

Auch der Dillberg, der Pfaffenberg und der Ochsenkopf hatte ein und denselben Videogenerator von Grundig im Einsatz:









von Daniel28-55-59 - am 22.12.2011 08:21
Ein schöner Ausdruck: bayerischer Spezial-Deal mit Grundig ;)

Und das hier waren die beiden Original-FuBK-Testbilder der Rohde & Schwarz-Anlagen der Deutschen Bundespost vom zweiten und dritten Programm:





Ach ja... lang ist's her.

von Daniel28-55-59 - am 22.12.2011 16:03
man merkt, dass der HB halt doch damals immer ziemlich der letzte war, der irgendwas neues gekriegt hat. Stereo dauerte ja auch viele Jahre. Der Landstrich war damals wohl ganz unten in der Prioritätenliste. 1961 als dort das Fernsehen überhaupt erst startete, bekam ein Sender wie Hof/Waldstein sogar schon den ZDF Vorläufer "ARD II" über K23. Da spielte wohl auch die Randlage zur DDR eine Rolle. Naja, das hat sich ja jetzt mit der Digitalisierung geändert, da war man mit DVB-T und jetzt DAB 11D vorne mit dabei.
Wo man auch seine kleinen Zweifel haben kann, sind die 225kW über das Quasi-Provisorium an dem Gittermast. Ob man über diese Felder wirklich die Leistung abstrahlen konnte?
Was mich dabei wundert ist, dass man nicht viel früher zumindest einen Umsetzer kleiner Leistung installiert hat. Das war in den 50ern sehr üblich, damit zumindest irgendwas empfangbar war. Am Ochsenkopf zB wurde vor Inbetriebnahme des Betonturm vorher vom Asenturm (Aussichtsturm) auf K5 mit geringer Leistung gesendet - aber damit war immerhin Empfang in Bayreuth und Hof drin. Auch gab es solche "Funzeln" am Büttelberg, Regensburg und in Würzburg bevor die großen Sender in Betrieb gingen.

von Terranus - am 22.12.2011 17:08
Wieso wurde eigentlich ARD von Anfang an im UHF Bereich auf K55 abgestrahlt? War kein VHF Kanal mehr frei? Und wieso dann gleich der hohe Kanal 55? Hätte man der besseren Reichweite wegen nicht einen niedrigeren Kanal nehmen können?

von BetacamSP - am 22.12.2011 17:31
Dieses Grundig-Testbild ohne Hell-Dunkel-Verlauf hat es früher aber auch auf anderen Sendern gegeben, etwa auf Eins Plus. Ich habe aber auch schon Aufnahmen von solchen Testbildern mit der Kennung "NDR 1 KIEL" oder "SDR Stuttgart" gesehen, oder auch wie hier vom Ochsenkopf. So selten war das Grundig-Testbild anscheinend doch nicht.

von Lahnwelle - am 22.12.2011 17:43
Ich kann's mir jeden Tag ansehen, in der Firma steht ein Grundig Generator. Leider ohne die optionale Texteinblendung, dann erscheint stattdessen ein Rechtecksignal.
Sollte der mal irgendwann nicht mehr benötigt werden, versuche ich den der Firma abzukaufen.

von Marc_RE - am 22.12.2011 22:52
Zitat
TerranusI
man merkt, dass der HB halt doch damals immer ziemlich der letzte war, der irgendwas neues gekriegt hat. Stereo dauerte ja auch viele Jahre. Der Landstrich war damals wohl ganz unten in der Prioritätenliste.

Ich glaub des es den Hohen Bogen überhaupt als Grundnetzsender gibt, liegt nur daran das es schon den Dillberg und Rotbühl (weis nicht ober älter oder jünger ist als der Hohe Bogen) gab.

Ich denke wenn man anstelle des Dillberg einen Sender direkt in Nürnberg genutzt hätte, dann hätte es auch den Hohen Bogen wohl garnicht gegeben.

Denk dann hätte man den Grundnetzsender für Ostbayern weiter westlich errichtet, z.B. auf dem Schwarzwihr auf etwa 700m.

von Martyn136 - am 23.12.2011 02:15
Zitat
Martyn136
Ich glaub des es den Hohen Bogen überhaupt als Grundnetzsender gibt, liegt nur daran das es schon den Dillberg und Rotbühl (weis nicht ober älter oder jünger ist als der Hohe Bogen) gab.

Ich denke wenn man anstelle des Dillberg einen Sender direkt in Nürnberg genutzt hätte, dann hätte es auch den Hohen Bogen wohl garnicht gegeben.

Denk dann hätte man den Grundnetzsender für Ostbayern weiter westlich errichtet, z.B. auf dem Schwarzwihr auf etwa 700m.
:confused:

Ohne Worte...


Den UKW-Sender am Hohenbogen gab es bereits seit 1952. Also kam wohl auch nur dieser Standort für einen Fernsehsender in Frage. Und hier in unserer Gegend hätte man keinen besseren Standort nicht wählen können.
Dem BR wurde zu dieser Zeit schon vorgeworfen, warum er das Grenzgebiet so stiefmütterlich behandelt und warum man in Bonn bereits vom 2. Programm spricht, wenn noch nichtmal das 1. Fernsehprogramm in allen Landesteilen gut empfangbar ist.
Ob es erst soweit kommen müsse, daß starke Sender von der Ostzone her das Grenzgebiet versorgen, wurde da in einem Schreiben an den BR deutlich.
Der Unmut war also schon da, nur die Bevölkerungsdichte halt sehr gering.

Und der Rotbühl war früher ein UKW-Standort des BR über Jahre hinweg, bis der BR diesen Standort dann aufgab und die Post einen Grundnetzsender errichtete.

In einem alten Zeitungsbericht von 1965 heißt es so schön: Nun ist also der Hohenbogen für das Gebiet des nördlichen Bayerischen Waldes Grundnetzsender.

Warum man allerdings nicht schon früher eine Art Umsetzer (wie in Regensburg) aufbaute, wäre interessant zu wissen.

Noch heute gibt es in unserer Gegend Antennen, die auf den Dillberg zeigen, also vor dem 21. Dezember 1961 aufgebaut.



von Daniel28-55-59 - am 23.12.2011 05:57
Wenn ich mir den Betontum so ansehe: Ist der wirklich groß genug? Bei den UKW-Antennen ist es, so zumindest der Eindruck auf den Bildern recht eng, nicht alle sind am offenbar ursprünglich geplanten Platz untergebracht. Auf alten Bildern, insbesondere einem vom Einsturz des aufgesetzten Stahlmastes, ist zu sehen, daß einerseits weniger waren und sie auch noch nicht nach unten "überhingen".

von Thomas (Metal) - am 23.12.2011 07:40
Ja, er ist wohl der kleinste BR-Grundnetzsenderturm mit einem so großen Zylinder.

Aber nicht nur optisch, sondern auch technisch ist der Platz absolut ausreichend.

Früher (vor dem Knick der Antennenspitze) waren nach Westen zwei UKW-Strahler und nach Osten nur einer angebracht.

Jetzt sind's 16 insgesamt und die Anordnung ist wirklich in Ordnung und der Platz ausreichend.

Und der Burgstallgipfel überragt unsere Region um fast 600 Meter. Da braucht es wirklich keinen höheren Turm. Im Vergleich zu anderen Standorten wie den Brotjacklriegel oder den Ochsenkopf.

Auf dem Hohenbogen könnte man nichtmal ein gescheites Zelt aufstellen. Das war zur 50-Jahr-Feier vor zehn Jahren schon problematisch, dort oben diese Veranstaltung durchzuführen, wo nirgends Platz ist. Das Gipfelplateau ist einfach viel zu klein und zu "spitzig".

von Daniel28-55-59 - am 23.12.2011 08:22
Zitat
BetacamSP
Kann vielleicht mal jemand auf meine Frage eingehen? Danke.

Das frage ich mich allerdings auch. Der Kanal 2 wäre dort so schön frei und für die doch sehr gebirgige Gegend genau richtig.

von RheinMain701 - am 23.12.2011 13:37
Der E2 hätte sich mit dem R1 in Prag vielleicht nicht vertragen?
61 wurden doch in Stockholm Fernsehkanäle verteilt. Deshalb Beginn spät und gleich auf UHF weil auf VHF kein Kanal verfügbar war ?

von ts01 - am 23.12.2011 13:58
Es wird doch irgendein VHF Kanal frei gewesen sein? Zumindest im Band III? Und wenn schon UHF, wieso hat man nicht z.B. einen Kanal zwischen 21 und 30 genommen? Nein gleich den hohen Kanal 55...Als würde man die Reichweite des hohen Bogen absichtlich begrenzen wollen.

von BetacamSP - am 23.12.2011 14:33
Einige Großsender so aus dem Kopf heraus:

R1 (etwa E2) CT Prag
E4 ARD Ochsenkopf
---
E6 ARD Dillberg
E6 ORF Linz-Lichtenberg
E7 ARD Brotjacklriegl
E8 ORF Salzburg
R9 (etwa E10) CT Pilsen-Krasov
E10 ARD Wendelstein

von Thomas (Metal) - am 23.12.2011 18:01
Zitat
Thomas (Metal)
Einige Großsender so aus dem Kopf heraus:

R1 (etwa E2) CT Prag
E4 ARD Ochsenkopf
---
E6 ARD Dillberg
E6 ORF Linz-Lichtenberg
E7 ARD Brotjacklriegl
E8 ORF Salzburg
R9 (etwa E10) CT Pilsen-Krasov
E10 ARD Wendelstein

QTH1: 10/57'/55'' E | 49/25'/53'' N (315m) || ASTRA, Konni 8-El. Yagi 10m über Grund auf Rotor
QTH2: 09/39'/32'' E | 50/05'/23'' N (173m) || ASTRA, FUBA UKA-028 (8-Elemente Yagi) 10m über Grund auf Rotor


Spontan fällt mir noch R2 NOVA Budweis ein.

von RheinMain701 - am 23.12.2011 18:07
Ja ok dann bleiben aber immernoch 3 mögliche VHF Kanäle übrig. Plus die ganzen niedrigen UHF Kanäle...

Ich finde generell, man hätte den VHF Bereich in Deutschland viel stärker noch nutzen können. Aber jetzt bei DVB-T ist damit sowieso Ende.

von BetacamSP - am 23.12.2011 18:27
Es war schon ursprünglich angedacht, im VHF-Bereich zu senden. Das geht aus alten Zeitungsberichten Anfang der 60er hervor.
In einem Zeitungsbericht 1961 ist dann von einem Band IV-Sender die Rede. Und hier wird auch die Möglichkeit eines übergangsweisen Umsetzers angesprochen.
Schlußendlich - warum genau kann wohl niemand mehr beantworten - ist es dann halt doch der Kanal 55 geworden.

Hier der Bericht vom 11. Januar 1961 aus dem Bayerwald-Echo (die Zeitung gibt's heute auch noch - MZ)


Und hier eine Karte von 1964. Also war schon zu Beginn der 60er Jahre der obere UHF-Bereich absolut "Normal".


von Daniel28-55-59 - am 23.12.2011 18:38
Vom Rotbühl wurden mal UKW-Sender ausgestrahlt? Welche Programme und von wann bis wann? Heute kommt von dort nur noch Ramasuri mit 1 kW, die DVB-T Sender und DAB 12 D

von 101,4 - am 23.12.2011 19:12
Ja, Rotbühl war ursprünglich UKW-Standort des BR. Später baute die Bundespost dort ihren Grundnetzsender für's Fernsehen und der BR zog sich komplett zurück.

Ich habe hier drei alte Listen von 1955 (Radiowelt), 1957 (Löwe) und 1958 (Telefunken), da ist der Rotbühl auf der 89,4 MHz verzeichnet.

Viel Spaß damit!







von Daniel28-55-59 - am 23.12.2011 19:31
Einerseits kann man ja sogar froh sein, das am Hohen Bogen kein VHF verwendet worden ist. Den zu Analogzeiten wäre der Empfang mit einer gemeinsamen Antenne nicht so empfelenswert gewesen.

Und wenn es allein für den Hohen Bogen zwei Antennen gebraucht hätte und man dann noch ORF oder DFF empfangen wollte, hätte dann sehr grosse Antennenkonstruktionen benötigt.

Alles auf UHF war da schon besser.

von Martyn136 - am 23.12.2011 19:38
@ Daniel28-55-59

Vielen Dank für die Listen. Ich finde deine Beiträge immer wieder sehr interessant auch weil ich mich selber sehr mit dem terrestrischen Empfang interessiere Weiter so!

von 101,4 - am 23.12.2011 19:41
Naja, so schlimm wäre der Empfang mit zwei Antennen auch nicht gewesen (bei UHF und VHF). Was hätte da Regensburg sagen sollen? Zweimal UHF und zwei verschiedene Standorte. Da mußten schon Verstärkerkonstruktionen her beim zusätzlichen Empfang aus Salzburg K8 und K32.

Am Grünten wars ja auch so, ein Standort, zwei verschiedene Frequenzbereiche.

Und trotzdem gab es bei uns Standorte, da brauchte man zwei Antennen für diese drei Kanäle. Denn der Kanal 28 lag einfach viel zu weit unten. Das hatte ich sogar bei mir daheim leicht festgestellt.
Antenne ein Stück nach oben geschoben und Kanal 55 und 59 waren "geisterbildfrei", dann wieder ein Stück nach unten und der 28er war störungsfrei. Alle drei perfekt hinzubekommen war oft eine kleine Herausforderung.

Habe hier noch eine Liste von 1954 gefunden (Grundig), auch da ist der Rothbühl als BR-Standort vermerkt:



von Daniel28-55-59 - am 23.12.2011 19:56
Ich hab auch so einige "historische Artikel" aus unserer Lokalzeitung, ich trau mich da allerdings nicht, Kopien einzustellen wegen Rechteproblematik.

Aber zitieren geht ja:

Der Fränkische Tag schrieb am 21.Juni 1963:

"Kälberberg läßt warten.
Der Fernsehsender Kälberberg zwischen Tiefenhöchstadt und Friesen, der den Bamberger Raum mit dem Programm des Zweiten Deutschen Fernsehens bedienen soll, läßt weiter auf sich warten. Die Bundespost nannte schon viele Termine für die Inbetriebnahme des Senders, doch keiner konnte eingehalten werden. Jetzt ist man auch in der Oberpostdirektion Nürnberg vorsichtig geworden und legt sich nicht mehr fest, nachdem der erstgenannte Termin nun schon ein dreiviertel Jahr überschritten ist. Zuletzt hieß es Mitte Mai, daß in etwa zwei bis drei Wochen mit den Probesendungen begonnen werden könne, nachdem der strenge Winter auch auf dem Kälberberg die Arbeiten hinausgezögert hatte. Diese drei Wochen sind inzwischen längst herum und nun heißt es, daß vermutlich in der ersten Julihälfte die ersten Probesendungen stattfinden könnten. Man werde zuerst zwei Wochen lang ein Testbild senden. Erst danach sei mit der Übertragung des Programms zu rechnen. Es kann also durchaus Ende Juli, Anfang August werden, bis auch die rund 12000 bis 15000 Fernsehteilnehmer im Bamberger Raum die Möglichkeit erhalten, auf dem Bildschirm ihrer Geräte zu sehen, was Mainz produziert.
Die Oberpostdirektion Nürnberg betonte gestern in einem Telefongespräch, daß die Bundespost an der Verzögerung keine Schuld trage. Sie baue die Sender nicht selbst, sonst würde es sicherlich schneller gehen [haha !]. So sei man auf Privatfirmen angewiesen, deren Fachkräfte überbeansprucht seien, also nicht jederzeit zur Verfügung ständen. Die Schlußmessungen der Anlagen seien aber so kompliziert, daß sie nur von einigen wenigen qualifiierten Ingenieuren durchgeführt werden könnten. Jetzt ständen aber wirklich nur noch einige geringe Arbeiten an und man hoffe, daß diese bald ausgeführt werden. Eine der diffizilsten Arbeiten der letzten Wochen war zweifelsohne die Einstellung der sogenannten Senderweiche, mit deren Hilfe es dem Fernsehteilnehmer ermöglicht wird, Bild und Ton mit einer Antenne aufzunehmen. Bild und Ton kommen nämlich auf dem Kälberberg über Richtfunkstrecken getrennt an. In der "Senderweiche" müssen sie gemischt und auf eine Leitung gebracht werden. Es ist nur zu hoffen, daß die Fernsehteilnehmer im Bamberger Raum, die ja die gleichen Gebühren zahlen wie die Teilnehmer in anderen Gebieten, auch endlich in den 'Genuß' des vollen Programms kommen."

Für Leute, die damals noch gar nichts empfangen konnten, musste das fast wie Hohn klingen, waren die Bamberger doch eigentlich ziemlich im Vorteil... der Sender ging dann übrigens am 1.August 1963 offiziell in Betrieb. Bemerkenswert auch, dass Geld das Problem damals nicht war, sondern der Markt an Arbeitskräften leergefegt war und die Firmen echt nicht liefern konnten.
Die Zeitung berichtete zum Sendestart am 1.August ganzseitig, das Ereignis wurde regelrecht gefeiert. Die Einführung war eine aufregende Sache... Das TV Zeitalter hatte in Bamberg schon vorher begonnen, über den Kreuzberg (1956) war das 1.Prgr. empfangbar, ab 1957 gab es schon einen TVU auf der Altenburg...

von Terranus - am 24.12.2011 00:23
Zitat
Martyn136
Waren Kanal 51/38/34 in Furth im Wald eigentlich zusätzliche Antennenfelder am Hohen Bogen, oder gabs da dann einen eigenen Standort, z.B. Voithenberg?

Um auch diese Frage noch zu beantworten, für den "Umsetzer Furth im Wald" waren am Sendeturm am Hohenbogen zwei Achterfelder montiert (eines für die Post und eines für den BR). Die Umsetzer waren im Stationsgebäude untergebracht.

Das hier waren beiden Achterfelder Richtung Furth i. Wald, sind inzwischen abgebaut.


von Daniel28-55-59 - am 26.12.2011 17:32
Der BR-Grundnetzsender am Hohenbogen wird am Samstag, 27. Oktober 60 Jahre alt

Dazu heute ein historischer Rückblick auf der ersten Lokalseite unserer landkreisweiten Zeitungen, der Kötztinger und Chamer Zeitung:



von Daniel28-55-59 - am 24.10.2012 03:19
Der Sender fiel in die Kategorie "Sender zur Füllung von Versorgungslücken", wie alle frühen UHF Grundnetzsender.
Waren die UKW Antennen anno 68 im GfK ? Sonst sind keine auszumachen auf dem Bild...

von Terranus - am 24.10.2012 08:23
Siehst Du im oberen Drittel des Betonturmes unterhalb den beiden Betonplattformen diese drei roten "Striche" (zwei Richtung Süd-West und eines Richtung Nord-Ost)?

Das waren die drei Strahler (Hersteller Rohde & Schwarz) für die beiden Hörfunkprogramme UKW 1 und UKW 2.
ERP 20 kW

Im Zylinder (das war gar kein Zylinder, sondern ein sauschwerer Stahlgittermast mit einer Kunstoffummantelung) waren nur die Fernsehantennen, aber eben für jedes Programm (K55 ARD, K28 ZDF und K59 Studienprogramm) eine eigene Antenne, darum diese gigantische Länge und das Gewicht. Und das ist dem Mast am 20.10.1974 in den Mittagsstunden bei einem heftigen Herbststurm zum Verhängnis geworden.

von Daniel28-55-59 - am 24.10.2012 09:10
Hier ein Zoom in dieses Bild, das leider nicht mehr hergibt. Dafür war das Dia schon zu schlecht bzw. die ganze Aufnahme einfach nicht das Gelbe vom Ei.



von Daniel28-55-59 - am 24.10.2012 14:14
Sozuasgen als "Nachtrag" zu meinem gestrigen Bericht über 60 Jahre BR-Grundnetzsender Hohenbogen hat die Zeitung heute eine tolle Aussicht vom vergangenen Wochenende abgedruckt.

5-spaltig über die ganze Zeitungsseite. Das sticht jedem ins Auge:



von Daniel28-55-59 - am 25.10.2012 09:46
Nach zwei Jahren "Pause" wieder mal ein kleines Jubiläum unseres BR-Haussenders am Hohenbogen / Lkrs. Cham / Nördlicher Bayerischer Wald - landkreisweit heute in unseren Zeitungen:

[attachment 4018 50_Jahre_Sendeturm.pdf]

von Daniel28-55-59 - am 08.11.2014 05:05
Das hier könnte der Sender Hoher Bogen sein. Mein Vater war oft in Furth im Wald, da er das Heimatkreis-Museum Bischofteinitz mit aufgebaut und betreut hat. Unter den Aufnahmen vom Museum fand ich dieses Bild. Es könnte aus den 70er-Jahren sein.

Link entfernt.

von DF8NZ (MAK) - am 09.11.2014 17:23
Zitat
Daniel28-55-59
Siehst Du im oberen Drittel des Betonturmes unterhalb den beiden Betonplattformen diese drei roten "Striche" (zwei Richtung Süd-West und eines Richtung Nord-Ost)?

Das waren die drei Strahler (Hersteller Rohde & Schwarz) für die beiden Hörfunkprogramme UKW 1 und UKW 2.
ERP 20 kW

Interessant die alten "geraden" UKW-Sendeantennen. Dort wo damals mit viel Luft dazwischen zwei übereinander Platz fanden sind jetzt vier "gewinkelte". Generell sind diese gerade Anordnungen in den 80ern verschwunden. Ich erinnere mich da noch an den alten Turm vom Kreuzberg. Dort waren derartige Antennen noch bis etwa 1990, da schon längst außer Betrieb, zu bewunden (leider kein Foto dazu bei mir vorhanden). Auch am Gr. Feldberg kenne ich diese noch aus den 70ern. Dort waren sie aber unterhalb der heutigen Bauhöhe der UKW-Sendenantenne montiert. Exaktes konnte ich erst auf den Bildern hier im Forum sehen, ich war damals einfach noch viel zu klein für derartige Details. Es war also nur 6-fach gestockt (80kW ERP), heute ist es 8-fach (100kW).
Am Hohenbogen wird man damals vermutlich eine stärkere Richtstrahlung (Diagramm ähnlich einer "8" nach Südwest / Nordost) gefahren haben, weswegen die Antennenanlage kleiner ausgefallen ist. Es wäre mal interessant wie sich durch die neue Anlage der Empfang in der nördlichen Opf vermultich wesentlich verbessert hat, z. B. im Raum Waidhaus.

von Thomas (Metal) - am 09.11.2014 20:24
Zitat
DF8NZ (MAK)
Das hier könnte der Sender Hoher Bogen sein. Mein Vater war oft in Furth im Wald, da er das Heimatkreis-Museum Bischofteinitz mit aufgebaut und betreut hat. Unter den Aufnahmen vom Museum fand ich dieses Bild. Es könnte aus den 70er-Jahren sein.
eventl. Sender Hoher Bogen

Das ist er definitiv!!!
Ich kann Dir sogar das Jahr dazu sagen: Entweder Spätherbst 1976 oder erstes Halbjahr 1977
Man sieht rechts oben noch die provisorischen Achterfelder von BR und Post, die man nach dem Sturmschaden vom 20. Oktober 1974 aufgebaut hat und die zwei Jahre bis zur Montage der neuen Spitze bzw. der Inbetriebnahme der darin befindlichen UHF-Antennen im September 1977 in Betrieb waren. Der neue Zylinder wurde im Herbst 1976 montiert.
Dieses Antennenprovisorium wurde nach der Inbetriebnahme der UHF-Antennen im Zylinder Ende September 1977 wieder abgebaut.

von Daniel28-55-59 - am 09.11.2014 20:37
Das war im oberen Teil des Zylinders ein Scruton-Wendel. Er wurde nachträglich angebracht um Schwingungen des Zylinders bei starken Winden zu vermeiden bzw. zu unterdrücken.

Hat aber nicht viel geholfen. Am 20. Oktober 1974 hielt er einem Sturm auch trotz dieser Wendel nicht mehr stand.

von Daniel28-55-59 - am 09.11.2014 20:39
Zitat
Thomas (Metal)
Zitat
Daniel28-55-59
Siehst Du im oberen Drittel des Betonturmes unterhalb den beiden Betonplattformen diese drei roten "Striche" (zwei Richtung Süd-West und eines Richtung Nord-Ost)?

Das waren die drei Strahler (Hersteller Rohde & Schwarz) für die beiden Hörfunkprogramme UKW 1 und UKW 2.
ERP 20 kW

Interessant die alten "geraden" UKW-Sendeantennen. Dort wo damals mit viel Luft dazwischen zwei übereinander Platz fanden sind jetzt vier "gewinkelte". Generell sind diese gerade Anordnungen in den 80ern verschwunden. Ich erinnere mich da noch an den alten Turm vom Kreuzberg. Dort waren derartige Antennen noch bis etwa 1990, da schon längst außer Betrieb, zu bewunden (leider kein Foto dazu bei mir vorhanden). Auch am Gr. Feldberg kenne ich diese noch aus den 70ern. Dort waren sie aber unterhalb der heutigen Bauhöhe der UKW-Sendenantenne montiert. Exaktes konnte ich erst auf den Bildern hier im Forum sehen, ich war damals einfach noch viel zu klein für derartige Details. Es war also nur 6-fach gestockt (80kW ERP), heute ist es 8-fach (100kW).
Am Hohenbogen wird man damals vermutlich eine stärkere Richtstrahlung (Diagramm ähnlich einer "8" nach Südwest / Nordost) gefahren haben, weswegen die Antennenanlage kleiner ausgefallen ist. Es wäre mal interessant wie sich durch die neue Anlage der Empfang in der nördlichen Opf vermultich wesentlich verbessert hat, z. B. im Raum Waidhaus.


Bis zur Inbetriebnahme der neuen und noch heute so angeordneten UKW-Felder im Juli 1977 waren ja auch nur zwei Programme in Betrieb mit je 20 kW ERP. Jetzt sind's bei den 10kW-Sendern rund 50 kW ERP.

von Daniel28-55-59 - am 09.11.2014 20:40
[attachment 4037 UKW_HoBo.jpg]

Habe hier ein Bild gefunden, auf dem man diese alten UKW-Antennen von 1965 im Detail sieht.
1976 wurden sie am Hohenbogen ersetzt.

von Daniel28-55-59 - am 11.11.2014 04:34
Zitat
Daniel28-55-59
Zitat
DF8NZ (MAK)
Das hier könnte der Sender Hoher Bogen sein. Mein Vater war oft in Furth im Wald, da er das Heimatkreis-Museum Bischofteinitz mit aufgebaut und betreut hat. Unter den Aufnahmen vom Museum fand ich dieses Bild. Es könnte aus den 70er-Jahren sein.
eventl. Sender Hoher Bogen

Das ist er definitiv!!!
Ich kann Dir sogar das Jahr dazu sagen: Entweder Spätherbst 1976 oder erstes Halbjahr 1977
Man sieht rechts oben noch die provisorischen Achterfelder von BR und Post, die man nach dem Sturmschaden vom 20. Oktober 1974 aufgebaut hat und die zwei Jahre bis zur Montage der neuen Spitze bzw. der Inbetriebnahme der darin befindlichen UHF-Antennen im September 1977 in Betrieb waren. Der neue Zylinder wurde im Herbst 1976 montiert.
Dieses Antennenprovisorium wurde nach der Inbetriebnahme der UHF-Antennen im Zylinder Ende September 1977 wieder abgebaut.


Danke für die Info Daniel.

von DF8NZ (MAK) - am 13.11.2014 18:44
Vor 50 Jahren kam der nördliche Bayerische Wald in den Genuß des zweiten Fernsehprogramms.

Hier wieder mal ein kleiner geschichtlicher Rückblick:

[attachment 5491 50_Jahre_ZDF.jpg]

von Daniel28-55-59 - am 12.07.2015 03:02
Danke für den Beitrag.
Sag mal ist die Angabe von nur 170.000 Versorgten Zuschauern nicht ein bisschen wenig?
Is ja immerhin ein Grundnetzsender.

von SK1 - am 12.07.2015 04:30
Der Hohenbogen ist zwar seit 1965 Grundnetzsender, aber hier am äußersten Rand des Grenzgürtels zur ehemaligen CSSR ist das in der Tat eine realistische Zahl. Unser Gebiet ist im Vergleich zu anderen Regionen Bayerns dünn besiedelt - und 1965 war das sicher noch viel weniger.

@delfi: Fortsetzung folgt bei gegebener Zeit - Material hab ich ja genug ;-)

von Daniel28-55-59 - am 12.07.2015 17:45
[attachment 8292 2016-10-29_Koetztinger_Zeitung_BR-Sendeanlage_vor_40_Jahren.pdf]

Nach der Geschichte vom ZDF-Sendestart hier im Oberen Bayerischen Wald nun mal wieder eine schöne Erinnerung an eine technische Meisterleistung vor 40 Jahren am BR-Grundnetzsender Hohenbogen.

Heute landkreisweit in unseren Zeitungen.

von Daniel28-55-59 - am 29.10.2016 16:03
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