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KEF: SD-Betrieb von ARD+ZDF nur bis 2019

Startbeitrag von transponder am 17.01.2012 15:37

Der neue, inzwischen 18. KEF-Bericht (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs des öffentlich-rechtlichen Rundfunks) ist erschienen.

Die KEF macht deutlich, dass sie von ARD und ZDF die Abschaltung der Sender mit Standardauflösung (SD) via Satellit spätestens im Jahre 2019 erwartet. Das ZDF hat dies zugesagt, die ARD hält sich in dieser Frage bedeckt.

Die KEF ist offenbar nicht gewillt, eine noch längere Simulcastphase zwischen HD- und SD-Sendebetrieb als bis zum Jahre 2019 zu dulden.

Wir schreiben das Jahr 2012. Gerade wird versucht in 3 Monaten eine Analogabschaltung auf Astra hinzubekommen. Den Konsumenten wird heute in den veröffentlichten Publikationen weißgemacht, sie bräuchten nur einen handelsüblichen Digitalreceiver zur Darstellung der SD-Sender anzuschaffen, dann wären sie schon auf der sicheren Seite.

Fairerweise sollte man Otto Normalverbraucher doch eher empfehlen, bereits heute einen HD-Receiver zu nehmen, ansonsten hat er in 7 Jahren das gleiche Theater erneut.

http://www.kef-online.de/inhalte/bericht18/index.html
Seite 161 und 162

Antworten:

Also ich glaube nicht, dass das machbar ist. 2019 ist für Deutschland zu früh...

von DigiAndi - am 17.01.2012 15:45
Zitat
DigiAndi
Also ich glaube nicht, dass das machbar ist. 2019 ist für Deutschland zu früh...

Ach was. Die UKW-Abschaltung kommt ja auch 2015 und in Sachsen-Anhalt gibts ja schießlich auch keinen UKW-Rundfunk mehr... :rp:

Solche fernen Termine halte ich eh für sehr diffus. 2019 haben wir eh wieder die D-Mark und kämpfen um die letzten Essensbrocken, wenn man den Panikmachern glauben will. :rolleyes:

von oli84 - am 17.01.2012 15:58
Das geht schon wegen der zahlreichen Kopfstationen nicht, aber in solche "Details" hat die KEF offenbar keinen Einblick.
Da gibt es andere Stellen, wo man weit mehr Einsparen und Effizienzsteigerungen einfordern könnte.

von Terranus - am 17.01.2012 16:11
Zitat
TerranusI
Das geht schon wegen der zahlreichen Kopfstationen nicht, aber in solche "Details" hat die KEF offenbar keinen Einblick.


Oder die KEF weiß, dass das eigentlich ein Problem der Kopfstellenbesitzer und nicht der Gebührenzahler ist.

Zitat

Da gibt es andere Stellen, wo man weit mehr Einsparen und Effizienzsteigerungen einfordern könnte.


Aber selbstverständlich!
Vorschlag: alle niveaulosen Unterhaltungssendungen, Sport und alles was dran hängt in eine separate Gesellschaft mit eigenen TV-Programmen auslagern, die wirtschaftlich wie ein Privatsender arbeiten soll, aber halt in ö.r. Besitz bleibt und die ganzen teuren ö.r. TV-Formate weiterführt (aber bitte mit viel Werbung nach 20 Uhr und zur Not auch ein paar dümmlichen Gewinnspiele wie bei RTL). :cool: Von mir aus könnten die am Anfang auch noch 10 oder 20 % der Gebühren einsacken, irgendwann würde das schon kostendeckend funktionieren oder absaufen. ;)
An den günstigen und kulturell oder journalistisch wertvollen Programmteilen muss/darf sich natürlich nichts ändern. Weil es bestimmt gleich irgendwer postet: Nein, es geht mir nicht nicht um den eigenen Geschmack sondern um den Grundauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der sich mit viel weniger Gebühren finanzieren lassen würde.

von Onabi - am 17.01.2012 16:37
Zitat
oli84
Zitat
DigiAndi
Also ich glaube nicht, dass das machbar ist. 2019 ist für Deutschland zu früh...

Ach was. Die UKW-Abschaltung kommt ja auch 2015 und in Sachsen-Anhalt gibts ja schießlich auch keinen UKW-Rundfunk mehr... :rp:
:

2015 ist ein gutes Stichwort. Laut KEF-Bericht soll für DAB+ ab diesem Zeitpunkt nur noch Gebührengeld bereitgestellt werden, wenn es Zitat: "einen nachweisbaren Erfolg bei der Einführung des Digitalradios gegeben hat". Dies will die KEF schon in ihrem 19. Bericht überprüfen.
Die KEF ist - wie in der Vergangenheit - dabei, eher DAB+ als UKW den Geldhahn abzudrehen.

von transponder - am 17.01.2012 16:46
sogesehen hätten sie dem extrem teuren AM Rundfunk vor Jahren den Hahn zudrehen müssen.

von Terranus - am 17.01.2012 16:54
Zitat
TerranusI
sogesehen hätten sie dem extrem teuren AM Rundfunk vor Jahren den Hahn zudrehen müssen.

Dies soll bis Jahresende 2014 laut Bericht auch passieren.

Interessant: Das ZDF will die Kosten der DVB-T Verbreitung senken. Was kann das heissen? Aufgabe von Senderstandorten? Übrigens: Soweit ich den KEF-Bericht jetzt im Schnelldurchlauf überflogen habe, haben weder ARD noch ZDF irgendwelche Projekte bezüglich DVB-T2 angemeldet. Heisst wohl, bis 2016 ist keine Änderung der jetzigen Modulation geplant.
Wenn dem so wäre kann ich nur sagen: Schade, da verpasst man eine Chance für die Terrestrik.

von transponder - am 17.01.2012 17:04
Häh?

Was bitteschön ist denn an einer SD-Ausstrahlung so teuer? Das HDTV-Signal wird einfach auf 720 x 576 Pixel runtergerechnet und dann übertragen.

Die Übertragungskosten sind der einzige Haken an der Sache, was bei den massenhaft freiwerdenden Transpondern nach der Analogabschaltung auf Astra aber machbar sein sollte. Wenn man zwei der jetzt noch analogen Transponder behält könnte man darin problemlos die ganzen Regionalprogramme unterbringen.

Nur für den WDR dürfte die Parallelübertragung aller seiner Dorflokalfenster etwas teuer werden.

Und bei DVB-T wird das mit der Umstellung auf HDTV sowieso extrem problematisch.

von Kay B - am 17.01.2012 17:12
Ich seh in der Tabelle keine Kostensenkung bei DVB-T beim ZDF... überraschend ist, dass die DVB-T Verbreitung gar nicht soviel teurer wie die Satverbreitung ist. Da hätte ich einen größeren Unterschied erwartet.

von Terranus - am 17.01.2012 17:12
Zitat
TerranusI
Ich seh in der Tabelle keine Kostensenkung bei DVB-T beim ZDF... überraschend ist, dass die DVB-T Verbreitung gar nicht soviel teurer wie die Satverbreitung ist. Da hätte ich einen größeren Unterschied erwartet.

In der Tabelle sind auch keine Kostensenkungen zu erkennen.
Auf Seite 71 des Berichts heisst es wörtlich für das ZDF: "Die Kosten der terrestrischen Ausstrahlung der Programme soll vermindert werden."
Was auch immer dies heissen mag.

von transponder - am 17.01.2012 17:17
Das sind doch alls Nebenkriegsschauplätze verglichen mit Abermillionen, die an anderen Stellen verbraucht werden.
Das lächerlichste an dem Bericht is IMHO die Forderung nach Kostenreduktionen beim Rundfunk.
So soll einerseits das D-Radio seine Flächenversorgung auf LW/MW einstellen, bekommt andererseits aber nicht die notwendigen Mittel für eine Flächenversorgung per DAB+ zugesprochen, und muß überdies befürchten, daß nach nicht definierten Kriterien NACH Abschaltung von LW/MW nochmals über DAB+ entschieden wird.
Das wiederum hat zur Folge, daß Gebührenzahler möglicherweise weiterhin zwar für Inhalte der D-Radios zahlen, aber gleichzeitig auch noch immens hohe Kosten tragen müssen, wenn sie im Worst Case ohne MW/LW/DAB die Angebote hören wollen.
Immerhin kostet eine Mobil-Flat heute noch > 100 € p.a., und wird sicher nie unter 50 € p.a. fallen, wohingegen die Verbreitungskosten der D-Radios pro Gebührenzahler im €-Bereich liegen.
Witzigerweise wird aber auch an den Verbreitungskosten per Internet KEF-seitig herumgeschraubt.

De facto ist das ein versuchter Ausstieg aus der Flächenversorgung. Damit wird eine Zweiklassengesellschaft vorbereitet, aufgeteilt in Gebührenzahler, die nur Zahlen, und solche, die dafür auch versorgt werden.

Hinterfragt werden muß aber auch, ob Sparen immer das richtige Mittel zur Verbesserung eines Systems ist. Eigentlich muß der möglichst effiziente Ausbau von qualitativ hochwertigen Angeboten das oberste Ziel der KEF und der Rundfunkanstalten sein, und nicht deren Beschneidung. Hier schießt die KEF mitunter übers Ziel hinaus.

von DH0GHU - am 17.01.2012 17:22
Es ist ja bekannt, dass KEF-Mitglied Reimers DAB nicht mag. Im KEF-Bericht 2008 wurden statt dessen DVB-T und DVB-H (!!!!) als Zukunftstechniken angepriesen. Auf den Patentschriften steht der Name Reimers.
Da frage ich ich unwillkürlich, ob Reimers in der Frage schnelle Unrüstung auf HD frei von wirtschaftlichen Interessen ist. Wahrscheinlich muss er erst Bundespräsident werden, bevor sich Presse und Öffentlichkeit dafür interessieren, wie unabhängig die KEF ist.

von RudiP - am 17.01.2012 17:23
RudiP und Reimers, die werden keine Freunde mehr :D

Fakt ist, dass die Verbreitungskosten angesichts der 7,5 Milliarden GEZ Einnahmen wie Erdnüsse anmuten. Was sind da schon "nur" 64 Mio für DVB-T? Oder 7,5Mio für DAB? Da wird an der falschen Baustelle gebaggert. ARD/ZDF sind strukturell, nicht technisch, total aufgebläht mit einer unglaublichen Ineffizienz. Für 7,5 Milliarden kommt viel zu wenig rüber.
Aber ein paar Millionen bei der Verbreitung einsparen...

von Terranus - am 17.01.2012 17:36
Richtig. Jeder Euro, der bei der Verbreitung eingespart wird, schließt wieder irgendwo Leute zumindet zeitweise davon aus, den von ihnen bezahlten Inhalt auch zu empfangen.
Mich wundert es, daß es noch keine breite Front gegen dieses Verhalten der KEF gibt.

von DH0GHU - am 17.01.2012 17:45
Mir scheint, dass die KEF überhaupt in der Programmverbreitung die größten Einsparungen fordert. ARD und Deutschlandradio werden zur Einstellung der Mittelwelle und Langwelle aufgefordert, und die Mittel für DAB+ gibt es nur auf Bewährung.

Was das Ende der SD-Verbreitung betrifft: Da scheint die KEF genau die Wünsche der Privatsender aufgegriffen zu haben. Denn wenn SD abgeschaltet wird, gibt's RTL&Co nur noch über HDplus.

von freiwild - am 17.01.2012 18:08
Zitat
TerranusI
Fakt ist, dass die Verbreitungskosten angesichts der 7,5 Milliarden GEZ Einnahmen wie Erdnüsse anmuten. Was sind da schon "nur" 64 Mio für DVB-T? Oder 7,5Mio für DAB? Da wird an der falschen Baustelle gebaggert. ARD/ZDF sind strukturell, nicht technisch, total aufgebläht mit einer unglaublichen Ineffizienz. Für 7,5 Milliarden kommt viel zu wenig rüber.
Aber ein paar Millionen bei der Verbreitung einsparen...

Du sprichst mir aus der Seele. Das da an der falschen Baustelle gebaggert wird war auch mein allererster Gedanke als ich mal das KEF Dokument im Schnelldurchlauf durchgeblättert habe.

von Spacelab - am 17.01.2012 18:17
Es heißt ja nur, dass die Simulcast-Phase bis 2019 finanziert wird - freilich könnten sich ARD & ZDF entscheiden danach HD wieder einzustellen und nur in SD zu senden, falls die Umstellung nicht wie gewünscht verläuft.

von RheinMain701 - am 17.01.2012 18:26
Bis 2019 ist ja nun wirklich noch sehr lange hin und wenn man jetzt schon mal die Fristen setzt, dann ist das ok. Muss man eben nur die Öffentlichkeit infomieren. Dann kann sich jeder drauf einstellen. Bis dahin werden sowieso alle öffentlich-rechtlichen Sender in HD senden.

von zerobase now - am 17.01.2012 18:56
Zitat
Ulrich Hilsinger
So soll einerseits das D-Radio seine Flächenversorgung auf LW/MW einstellen, bekommt andererseits aber nicht die notwendigen Mittel für eine Flächenversorgung per DAB+ zugesprochen, und muß überdies befürchten, daß nach nicht definierten Kriterien NACH Abschaltung von LW/MW nochmals über DAB+ entschieden wird.

Und wenn man so lange plant, sollte man festhalten, daß die einzig sinnvolle Übertragung die ist welche den Ausgang des des Stationsrechners 1:1 bis auf die Endgeräte der Teilnehmer bringt. AM-Rundfunk sollte hierzu wohl kaum geeignet sein. Ob die Datenrate irgendwann zumindest in der Tonqualität ein 1:1 erlauben wird lassen wir mal dahingestellt. Aber dann ein digitales System im gleichen Atemzug wie ein AM-System zur Disposition zu stellen? :rolleyes: Wie hier schon bemerkt wurde geht es hier nicht um wirkliche Einsparungen. Wie ich finde sogar viel mehr nur um Nadelstiche.

von Thomas (Metal) - am 17.01.2012 19:18
Komisch, daß man bei TV zum Umstieg gezwungen wird, und das dann ganz ok ist, und bei UKW/DAB dies auf keinen Fall sein darf... Da ist ein Zwangsumstieg komischerweise verpönt.

Aber ich habe keinen Zweifel, daß die HD-Umstellung "glücken" wird.

von DH0GHU - am 17.01.2012 19:18
Warum zerbrecht ihr euch heute schon den Kopf darüber, was 2019 möglicherweise passieren könnte? Die Medienlandschaft ist heute so schnelllebig geworden, dass Spekulationen über einen solchen Zeitraum hinweg müssig sind. Angebot und Nachfrage werden es richten...

von Rolf, der Frequenzenfänger - am 17.01.2012 19:26
Ich finde schon, dass es zu kurz gegriffen ist, wenn man der KEF einfach Dummheit und falsch verstandene Sparsamkeit unterstellt. Man muss schon analysieren, welche Interessen mittels der KEF durchgesetzt werden.
Den Gedanken, dass die Privaten mittels KEF ihr HD+ pushen wollen, finde ich sehr interessant.

Ich weiß nicht, warum mir jetzt einfällt, dass man in der letzten Zeit immer wieder sieht, dass politische Entscheidungen käuflich sind.

Schon die alten Römer haben, wenn sie wissen wollten, wer hinter einer Machenschaft steckt, einfach gefragt: "cui bono" - Wem nützt es. Und der steckt meistens auch dahinter.

Und damit kein MIssverständnis aufkommt. Ich hatte mit Prof. Reimers nie persönlich zu tun, bin auch von einer ganz anderen Fachrichtung. Aber mich stört es, wenn jemand unbeanstandet mittels der KEF an Entscheidungen mitwirkt, von denen er selbst profitiert. Mich stört das, und es wundert mich, wieviele andere Leute das offensichtlich für ganz normal halten.

von RudiP - am 17.01.2012 22:50
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