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Diskussionsforum-Angststörungen
Beiträge im Thema:
14
Erster Beitrag:
vor 8 Jahren, 5 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 8 Jahren, 5 Monaten
Beteiligte Autoren:
Heidi, Jana, Christie

Selbstunsicherheit

Startbeitrag von Heidi am 20.04.2009 13:41

Hallo an Alle,

ich fühle mich manchmal oder eigentlich ziemlich häufig verunsichert ob diese oder jene Entscheidung richtig war. Im Klartext, ich habe starke Entscheidungsschwierigkeiten und die habe ich schon als Teenager gehabt. Ich zweifel dann auch wieder stark an mir und grübel über dies und jenes nach.In manchen Zeiten möchte ich am liebsten immer jemanden aus der Familie oder Freunde fragen ob sie das jetzt auch so gemacht hätten ob sie glauben das das nun richtig war usw. , ich fühle mich dann sowas von unsicher und habe das Gefühl ich kann mir dann selbst überhaupt keine Sicherheit geben. Auch im Umgang mit meinem Freund weiß ich oft nicht wie ich das machen soll. Hört sich wahrscheinlich echt total blöde an aber ich überlege viel zu viel und blockiere mich selbst dadurch. Weiß manchmal einfach nicht was richtig und falsch ist. Reagiere nicht spontan. So also nun meine Frage kennt das jemand auch so? Gehört es mit zu der AS oder ist das meine Persönlichkeit ? Kann man denn daran auch was ändern? Also ich bezweifle das, denn im Moment bin ich wieder unsicher. Ich mag mich so nämlich nicht und ich bewunder immer diejenigen die das allem Anschein nach nicht haben. Heidi

Antworten:

Hallo,

ich kenne das. Das fing bei mir ziemlich früh an und hielt auch recht lang.
Damals habe ich mir nicht mal eine Hose kaufen können ohne andere zu fragen ob sie mir steht und auch ja nicht zu teuer ist :angry:
Ich habe es damals mit in meiner Therapie "bearbeitet". Erfolgreich bearbeitet !
Stück für Stück habe ich erst lernen müssen das es scheiss egal ist ob andere die Hose zb gut finden, ob diese oder jede Entscheidung für andere OK ist, ob dies oder jenes andere auch so tun würden : Weil : ICH fand die Hose doch toll, ich habe eine Meinung zu verschiedenen Dingen gehabt und ich brauchte keinen nach seiner Meinung fragen und tat es trotzdem :-(
Irgendwie war mein Leben total beengt und nicht nur durch fiese Attacken und Ängste sondern auch durch mangelndes Selbstbewusstsein.
Heute kaufe ich mir was ich will, ich sage was ich will und vor allem auch wie ich es will. Ich treffe entscheidungen und stehe dazu. Ich schaute jeden Tag in den Spiegel und sagte mir : Ich bin ich und das ist verdammt gut so ! ;-)
Es ist ein Lernprozess Heidi !
Durch mangelndes Selbstbewusstsein entstehen natürlich auch Ängste somit kann es zu deiner AS gehören oder auch dadurch ausgelöst worden sein.

Hab Vertrauen zu dir !!! Das kannst du erlernen !!

Viel Glück dabei

Jana


von Jana - am 21.04.2009 05:08
Hallo Jana,

hätte ich gar nicht vermutet , da Du ja Deine Meinung immer äußerst und das schreibst was Du denkst und eben auch was Dich aufregt. Da bin ich jetzt beruhigt, dass Du früher auch verunsichert warst. Bei mir fängt es nämlich schon bei Meinungsäußerungen an, kann schwer Kritik sagen ohne mich danach doof zu fühlen. (war das jetzt ok, war es nicht zu heftig usw.würde am liebsten dann andere fragen ob es ok war) Kann auch selbst Kritik nicht so gut ab, denn es könnte mich auch jemand nicht mehr mögen. Ach herrje, das hört sich alles sehr verworren und kompliziert an aber irgendwie stecke ich im Moment wieder fest in meinem Gefühlschaos. Dein Beispiel mit dem Hosenkauf finde ich lustig, war bei mir ganz früher auch so aber das Problem habe ich ein Glück nicht mehr. Bei mir ist es eher im zwischenmenschlichen Bereich also Freunde, Partner und mit mir selbst. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, das es besser wird oder auch das es mir nicht mehr soviel ausmacht so zu sein. Lg Heidi

von Heidi - am 21.04.2009 07:25
Hallo Heidi,

ja bei mir vermutet man heute die lustigsten Sachen :-)

Früher war ich eher eine graue Maus, habe mir alles gefallen lassen und mich ständig unsicher gefühlt, meinen Mund kaum aufbekommen und getan wie man verlangte !

Bei mir war es auch bei Freunden so, Nachbarn und bei der Familie meines Mannes, denn auch da bestand bei mir die Angst das sie mich nicht mögen könnten wenn ich etwas sage !

Heute habe ich mehr Leute um mich als mir manchmal lieb ist ( ich denke ja hier liest keiner von denen mit ;-) ) Man schätzt mein loses Mundwerk und was ich für mich ganz erstaunlich finde das ich heute diejenige bin die oft gefragt wird ob dies oder jenes ok ist :-)

Ich fühle mich wohl und bin ein glücklicher Mensch ............ doch manchmal werde ich auch traurig wenn ich daran denke wie glücklich ich schon früher hätte sein können, wieviele Jahre ich unsinnig verschenkt habe mit dieser blöden Angst und dem geringen Selbstwert !

Ich wünsche dir von ganzem Herzen das du daran arbeiten kannst !!!!

Jana

von Jana - am 21.04.2009 16:42
Hallo Jana,

ach wie schön sich das doch liest.... Aber sag mal wie lange hast Du denn so gelitten? Was hast Du denn alles dagegen unternommen ? Therapie, Bücher? Was noch? Und vor allem hattest Du auch Rückschritte? Mir machen einfach diese Rüchschritte ständig echt schwer zu schaffen. Vielleicht ist eine Besserung bei mir überhaupt nicht möglich. Ach mann es ist wirklich soooo schwer und manchmal könnte ich echt verzweifeln..... Lg Heidi

von Heidi - am 21.04.2009 18:32
Guten morgen Heidi,

meine Ängste werden in diesem Jahr 19 Jahre alt. Also das ist der Zeitraum wo Ärzte es mir sagten, gelitten habe ich schon viel länger darunter !
Angefangen dagegen massiv was zu tun habe ich vor vielen Jahren, müssten so um die 10 sein denke ich.
Durch Bücher kam ich auf die Idee als erste Stütze ein Medi zu nehmen und so juckelte ich zum Neurologen und lies mir eins verschreiben.
Dann begann ich gleich zwei Therapien auf einmal. Eine musste ich selber zahlen und die andere bekam ich von meiner Krankenkasse bezahlt.
Mein Medi konnte ich schnell absetzen da ich schnell gelernt habe wie es ohne geht.
Mit der Angst reden hat mir am meisten geholfen denke ich.
Mein Selbstbewusstsein habe ich in der Therapie aufgebaut was ziemlich lange dauerte. Es war ein harter Kampf das alles, aber es hat sich gelohnt und ich würde es wieder tun.
Es kann mich zu jeder Zeit wieder "anfallen" das weiss ich, deswegen lebe ich noch heute nach der Strategie die ich mir erschaffen habe als ich der Angst den Kampf angesagt habe.

Es ist ein tolles Gefühl stolz aus dem Haus zu gehen und mir selbst zu beweisen wie schön das Leben sein kann !!!

Ich wünsche dir das gleiche tolle Gefühl ganz bald.

Jana


von Jana - am 22.04.2009 05:48
Hallo zusammen,
dies ist, finde ich, ein ganz wichtiges Thema. Immer wieder komme ich zu dem Punkt, dass ein schwaches Selbstbewußtsein, -vertrauen oder -wertgefühl der eigentliche Auslöser unserer Anwandlungen ist. Ich habe mal gehört, dass das Gegenteil der Angst nicht Mut ist, wie man denken könnte, sondern Vertrauen. Das hat mich sehr beeindruckt.
Wenn es uns gelingen könnte, mehr Vertrauen in unser Ich, unsere Meinung, die Körperfunktionen und unsere Fähigkeiten zu stecken, ginge es uns bestimmt viel besser.

Vielleicht sollten wir mal alle hier fragen: Wie stärkt man sein Selbstvertrauen?

Schönen Tag,
Chris



von Christie - am 22.04.2009 06:15
Hallo Jana,

also wirklich, ich bin beeindruckt, dass Du das so geschafft hast. Herzlichen Glückwunsch und ich denke Du kannst echt Stolz auf Dich sein! Aber wieso würdest Du denn eigentlich nicht sagen, dass Du dann geheilt bist von dieser Erkrankung wenn sie Dein Leben nicht mehr einengt und Du glücklich bist? Klar, ich weiß Angst gehört dazu ist normal usw, und wahrscheinlich wird man als "ehemaliger" Angstpatient auch anfälliger sein in Krisen oder bei Stress. Darf ich fragen wie lange Du Therapie gemacht hast? Hattest Du denn auch mal Rückschläge und depressive Phasen? Hab ich glaube ich schonmal gefragt weiter oben. Na ja auf jeden Fall finde ich es toll und ich bin nach einigen down Tagen auch voll wieder motiviert an mir zu arbeiten. Denn es geht ja anscheinend! Lg Heidi

Hallo Chris,
tja Du hast recht wenn dieses Vetrauen in das eigene ICH so einfach wäre würden wir uns bestimmt alle nicht so quälen müssen. Also wie macht man das oder wie erlernt man sowas und vor allem das es auch mal konstanter vorhanden ist? Frage an alle! Ich hätte eigentlich lieber eine spezifische Phobie(wenn es schon was mit Angst sein muss) dann könnte man zum Beispiel Aufzüge meiden oder Hunde und eigentlich hätte man keine grösseren Probleme. Bei mir ist das schlimmste diese Sch.. innere Unsicherheit, warum auch immer...? Lg Heidi

von Heidi - am 22.04.2009 16:30
Hallo Heidi,

also als geheilt bezeichne ich mich ganz sicher nicht !
Zwar habe ich keine Attacken und auch sonst soweit keine Probleme aber es kann mich ja jederzeit wieder anfallen !
Wie soll ich das beschreiben ? ( grübel )
Also als ich zb zum Zahnarzt musste vor 2 oder 3 Wochen, da habe ich mich so reingesteigert das ich sehr aufpassen musste keine PA zu bekommen. Ich wusste ich bekomme einen Schneidezahn gemacht und dachte die Spritze muss in den Gaumen. Das machte mir solche Angst das ich fast am abdrehen war. Da half mir dann mein erlerntes und mein Frosch ( zwinker zu Verena ).
Es gibt sicher so die ein oder andere Situation wo ich eben merke es kommt etwas hoch aber ich kann es auch sofort umlenken und stoppen !
Oder gestern, ich hatte meinen Termin für ein Tattoo am Fuss/Bein ( Blumen für meine Kinder ), ich lag da und merkte wie sich mir alles drehte, da hab ich mir ein kurzes Stopp geben lassen bin zum Klo und hab mich selber mal ein wenig zusammengepfiffen ;-) Danach habe ich dann noch gute 3 Std beim Tattoowierer gelegen und er konnte seine Arbeit machen.

Bei mir sind das so extreme Situationen die ich mir, zugegeben, auch selber herbeiführe um mich zu testen. So erweitere ich nach und nach immer mehr meinen Horizont !

Rückschläge bezeichne ich nicht als solches, eher als Zwischenschritte, man trampelt eben mal einen Tag auf der Stelle das haut mich aber nicht zurück ! Ich mache am nächsten Tag ja da weiter und fange nicht weiter vorne an zu kämpfen.
Ja, die hatte ich auch !! Einige viele würde ich meinen. Hm.
Die haben die "normalos" auch im Leben !!!

Meine Therapie habe ich etwa 1 1/2 Jahre gemacht, beide. Dann habe ich mich stark genug gefühlt um alleine weiter zu machen.

Liebe Heidi, natürlich geht es !! Du hast keinen Grund daran zu zweifeln !! Stecke dir kleine Ziele und laufe den Weg, hole dir dein Leben zurück !!!

Jana




von Jana - am 23.04.2009 06:51
Hallo Heidi,
meine Therapeutin würde in diesem Falle diese Unsicherheit direkt ansprechen und befragen. Die Unsicherheit wird begrüßt, willkommen geheißen und freundlich gefragt, was sie erreichen will. Bei der Befragung kommt man ziemlich schnell auf einen „Knackpunkt“. Meist merkt man dann, das sich ein altes Erziehungsmuster abgespult, das nun nicht mehr paßt.
Auch heute suchen wir noch nach der Hose, die Hinz und Kunz gefallen muß, weil wir natürlich ordentlich Komplimente für das gute Stück bekommen wollen. Aber wehe, einer kritisiert Sitz, Farbe oder Preis! Sofort kommt die Strategie des neuen Selbstbewußtseins schon wieder ins Wanken. Wir müssen also nicht nur alte Verhaltsmuster ändern, sondern auch gleich noch lernen, Kritik auszuhalten und auf die gewünschte Anerkennung zu verzichten.

Manchmal denke ich mir, ich torkele durchs Leben wie ein kleines Kind, das das Laufen lernt. Zwei Schritte vor, einen zurück – torkeln – fallen – hochziehen – zwei Schritte vor usw. Trotzdem hilft es erstmal enorm, zu erkennen, woher das Verhalten kommt und was man mit dem Gekrampfe erreichen will. Die Umsetzung ist dann die zweite echte Herausforderung . . . ;-)

Alles Liebe,
Chris



von Christie - am 23.04.2009 11:11
Hallo Christie,

deinen Beitrag von oben finde ich sehr gut und du hast völlig Recht damit das man auch mit Kritik ( dein Beispiel mit der Hose ;-) ) dann umgehen muss !
Gar nicht so einfach ! Aber man wächst ja mit seinen Aufgaben :-)

Mein Selbstwert ist inzwischen so hoch angestiegen das ich bei der Kleidung zb auch eher "ausgeflippt" bin ( also nicht so konservativ ;-)

Ich liebe es wenn sich die Leute umdrehen und gucken als wenn ich vom anderen Planeten entsprungen wäre ( lacht ), kommt aber auch immer je nach Laune bei mir drauf an.


Alles gute dir

Jana





von Jana - am 23.04.2009 15:00
Hallo Chris,

Dein Beispiel mit der Hose bringt es auf den Punkt. Meine Therapeutin heißt auch immer alles willkommen, aber ich selbst kann das noch nicht so gut ,vor allem eben bei den negativen Gefühlen. Aber diese Strategie ist sehr gut, denn ich finde es nimmt den Gefühlen gleich ein wenig den Wind aus den Segeln. Ja und ich fühle mich auch oft wie ein hilfloses Kind das Laufen lernen möchte aber irgendwie immer wieder echte Schwierigkeiten mit hat. Aber durch Übung wird es bestimmt irgendwann immer leichter. Schon komisch das ich immer mit mir beschäftigt bin von morgens bis abends und am nächsten Tag fängt das von vorne an. Ich hatte noch nie ein so intensives Hobby....:) Lg Heidi

von Heidi - am 23.04.2009 18:39
Hallo Jana,

danke Dir für Deine Worte. Ja und ich werde mir mal wieder Ziele setzen müssen und weiter gehts. Wenn das nicht alles so unheimlich schwer wäre.... Aber es hat auch schließlich niemand behauptet, dass es leicht ist. Finde ich total lustig, dass Du jetzt sogar sooo ein starkes Selbstbewußtsein hast, das Du mit Kleidung auch gerne mal auffällst wo Du doch ganz früher noch das Hosenproblem hattest.:) Schönen Abend noch, Heidi

von Heidi - am 23.04.2009 18:50
. . . es gibt übrigens ein nützliches Taschenbuch zu diesem Thema: Barbara Berckhan, "Die etwas gelassenere Art, sich durchzusetzen: Ein Selbstbehauptungsprogramm für Frauen".

Vielleicht mögt Ihr im Buchladen mal reinblättern oder bei Amazon schauen.

Guten Tag!
Chris

von Christie - am 24.04.2009 06:11
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