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Informationen zum Thema:
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Diskussionsforum-Angststörungen
Beiträge im Thema:
15
Erster Beitrag:
vor 8 Jahren, 4 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 8 Jahren, 4 Monaten
Beteiligte Autoren:
Christie, Claudia29, iris, Kassandra09, Kanti

Denkste!

Startbeitrag von Kassandra09 am 06.08.2009 08:03

Hallo allseits!

Irgendwie hab ich schon ein schlechtes Gewissen: ich schreib auch nur, wenn es mir schlecht geht.

Eigentlich hatte ich schon einen Beitrag fertig für die Erfolgsberichte. Die Therapeutin ist zufrieden, der Psychiater ist zufrieden, das Medi wirkt, ich hab einiges in meinem Leben geändert etc. Es geht mir gut, ich bin unbesiegbar :xcool:

Hähä, Denkste!
Am Wochenende wieder mein bekannter Trigger. Und was mach ich: ich fahr wieder das volle Programm: Appetitlosigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen, Einigel-Tendenz, Magenweh. NA super.
Töne noch am Freitag ganz großartig: Nööö, mir gehts Prima, die Angst hab ich akzeptiert, ich kann mit ihr leben und sie ist ein Teil von mir. Bla bla blub! - Ah geh! :rolleyes:

Ich ärger mich so über mich selber. Groß im Reden und dann mit Rückschlägen nicht umgehen können. Außerdem hab ich jetzt echt drei supertolle Monate gehabt so mit Konfrontation und allem drum und dran. Hatte echt das Gefühl, ich bin am richtigen Weg. Und dann Zack. wie aus heiterem Himmel - wieder mein altes Muster. WÄHHH!!!

NA ja, bleibt mir eh nix anderes übrig, als wieder von vorn anzufangen.

Danke fürs Zuhören.

LG
Kassandra

Antworten:

Hallo Kassandra,
da hilft eigentlich nur eins: Walking-Stöcke wieder nehmen, nochmals losmarschieren und schauen, wo die Stolpersteine liegen. Und dann im möglichst großen Bogen drum herum! Oder, noch besser (zwecks Konfrontation!), mutig drübersteigen. Denk nur nicht, Du bist auf dem falschen Weg.

Nee, im Ernst, ich kann mir vorstellen, wie bedröppelt Du Dich fühlst. Mach Dich nicht fertig, zieh Dich nicht runter, versuch es ganz locker weiter. Diese Absacker kommen halt. Immer mal wieder . . .

Alles Gute!
Chris

von Christie - am 06.08.2009 10:15
hallo kassandra !

nein nein- du fängst nicht von vorn an, du machst da weiter wo du bist !! du bist auf den absolut richtigen weg !
es ist völlig normal,dass mal ein kleiner rückschlag kommt- auch nach monaten. wichtig ist, wie du das bewertest.
denk dir "okay angst, ich weiß dass es dich noch gibt, und jetzt kannst wieder gehen , denn ich werde dir keine beachtung mehr schenken".
nimm es hin, und sie wird umso schneller wieder verschwinden.
ich selbst habe eine fast 17 jahre lange angstzeit hinter mir- seit nun über 4 jahren geht es mir supergut . aber auch bei mir versucht sie sich manchmal anzuschleichen, manchmal kommt eben einiges zusammen. aber ich erschrecke nicht mehr so sehr darüber, sage mir morgen ist es wieder besser. und so ist es auch ,es zieht mich nicht mehr runter.
ich genieße mein leben mehr wie je zuvor und die abstände in denen " sie " sich kurz meldet werden immer länger !

alles liebe und gute für dich !!

viele grüße
iris

von iris - am 07.08.2009 17:41
Hallo Iris,

wie hast du es geschafft die Angst unter Kontrolle zu bringen?
Lg Claudia

von Claudia29 - am 07.08.2009 17:49
@Iris und Christie

Na ja, bis zu einem gewissen Grad ist es natürlich die Enttäuschung. Ich hab ganz insgeheim geglaubt, sie wird einfach weg sein und nicht wieder kommen. Was es natürlich nicht spielt.
Und diese Hoffnung ist jetzt gestorben.

Ich werde wirklich mit der Angst leben müssen. Ich weiß das jetzt. Ich weiß auch bzw. lerne gerade, wie ich damit umgehen muß und es ist schon in Ordnung. Für mich ist es wie im Wellenbad, die Angst kommt (ich stell sie mir immer als große Welle vor), und dann muß ich durchtauchen. Die Angstphasen sind nicht angenehm, aber ich weiß jetzt, daß ich sie durchstehen kann. Und anscheinend werden sie weniger stark. Und wenn die Intervalle noch länger werden, hätt ich auch nix dagegen. ;)

Diesen Schub hab ich auch überstanden, sogar ohne Beruhigungsmittel.

Wie gesagt, die Angst ist offensichtlich wirklich Teil meines Lebens und meiner Persönlichkeit.

LG
Kassandra

von Kassandra09 - am 07.08.2009 18:35
Huhu Kassanrda!

...und da liegt das Problem: du hast dich gefreut, dass die angst weg ist und warst sich so siegessicher. Und zack wirft dich dein Trigger total aus der Bahn.

Der Trigger wirft dich NUR so schnell aus der Bahn, WEIL du dir so siegessicher warst.

Klar will man nsgeheim ganz gesund und ganz normal werden, aber wir reagieren nun mal so, andere kriegen diabetes. Wir können uns sicher sein: man kann jahrelang beschwerdefrei laufen, aber manchmal wird einem alles zu viel, man ignoriert, der körper reagiert.

Versuche soweit es geht, an der einstellung zu arbeiten...das ist der schlüssel zum erfolg. Und es wird wieder, das weißt du auch. Du musst nicht von vorne anfangen, im gegenteil: du wirst sehen, dass es deismal viel schneller gehen wird, bis du wieder auf den beinen stehst.

Also ran an die Einstellung!

von Kanti - am 08.08.2009 18:01
Ja genau, Kassandra, ich kann mich der Kanti nur anschließen. Du machst das gerade wirklich gut, aber die Enttäuschung bereitet man sich eigentlich selbst mit dem überzogenen Wunsch, dass die Angst ganz schnell wieder verschwindet. Doch wenn man sich zu früh zu weit aus dem Fenster lehnt, kriegt man gleich wieder eins auf die Mütze.
Ist doch schon mal gut zu wissen, dass es auch bessere Phasen gibt . . . Arbeite weiter an Deiner Einstellung.

Liebe Grüße
Chris

von Christie - am 09.08.2009 10:57
Hallo Claudia, ich bin zwar nicht die Iris, hab aber Deine Frage gerade gelesen, und es zwickt mir nach vielen Jahren Therapie deswegen ziemlich in den Fingern. Du bist ja noch ein ziemlich junges Angsthäschen. Deinem Selbstfindungsprozess möchte ich nicht vorgreifen. Dennoch soviel als versuchte Antwort aus meiner Sicht:

. . . Dadurch, dass man sein Vertrauen auf allen Ebenen aktiviert, was so sehr verschüttet und von Angst überlagert ist. Eher durch das Gegenteil von Kontrolle, nicht kontrollieren, annehmen und (trotzdem) tun was auch immer ansteht. So lernt dann das Hirn, dass es sich vor all den Dingen nicht so doll zu fürchten braucht. Dauert seine Zeit bis das da oben ankommt und eingeht. Ist auch keine gerade Linie, doch jedes "Drüberheben" ein kleiner Lernerfolg.
Der Umgang mit der Angst ist meiner Meinung nach umlernen und ändern der Denke. Seine Impulse von der negativen Erwartungshaltung und Befürchtung in eine positive, vertrauensvolle Ecke scheuchen . . .
Wenn man genügend Urvertrauen hat, braucht man kaum noch Kontrolle.

Ist ein langer und mühevoller Weg, ich weiß.

Liebe Grüße
Chris

von Christie - am 09.08.2009 11:08
Hallo Christie,

danke für deine Antwort. Ja die Angst annehmen und akzeptieren, ich kämpfe immer noch dagegen an und das macht das Ganze noch schlimmer.
Die Angst hindert mich einfach am Leben teilzunehmen.
Sobald ich einmal eine Situation vermeide bin ich sofort wieder in dem Angstloch gefangen und brauche Tage um da wieder raus zu kommen.
Mein Arzt hat jetzt alle Medis abgesetzt und er meint man schafft es mit Verhaltenstherapie aber seit dem geht es mir noch schlechter.
Gestern hatte ich Selbstmordgedanken obwohl ich ja auch Angst vor Krankheiten und dem Sterben habe, das ist ja nicht mehr normal, finde das ganze einfach nur noch verrückt.
Der Weg ist so steinig und mühsam und mir fehlt nach fast 2 Jahren schon die Kraft, was ist wenn das ein ganzes Leben so bleibt? Das kann man doch gar nicht schaffen.
Wünsche dir einen schönen Sonntag und danke für deine Antwort.
Lg Claudia

von Claudia29 - am 09.08.2009 16:20
Hallo Claudia,
es bleibt nicht das ganze Leben so arg! Vielleicht bleibt die Neigung, aber nicht die Stärke der ersten Zeit (und damit meine ich nicht nur einige Monde) . . .
Natürlich durchkreuzt so eine heftige Angstgeschichte die Lebensplanung, die Einschränkung ist da, alles kommt erstmal durcheinander, alle Werte verschieben sich.
Schau, Du bist psychologisch betreut und wirst langsam lernen, Dich selbst anzunehmen, hast es zum Zahnarzt geschafft, das Autofahren wird besser . . . Es tut sich doch schon was.

Lässt Du beim Arzt auch mal Deine Verzweiflung raus, so dass er Deine Stimmung einschätzen kann? Vielleicht würde Dir ein Medikament zum Aufhellen der Laune guttun.

Liebe Grüße
Chris

von Christie - am 10.08.2009 09:01

liebe claudia ! achtung-lang !

zuerst ist es erstmal wichtig, dass man nicht alles unter kontrolle haben will ;)....

ich habe ja nun eine lange angstzeit hinter mir, wo es mir mal besser,mal schlechter ging- aber irgentwie war " sie " immer present. ich stand morgens mit ihr auf und nahm sie abends mit ins bett...
mein hauptsymtom war schwindel mit der angst ohnmächtig zu werden, der gedanke ausgeliefert und hilflos zu sein. dazu kamen alle anderen typischen angstsymtome- aber der schwindel war wirklich das schlimmste ! immer brauchte ich was zum festhalten, einen kinderwagen oder fahrrad...
aber auch zu hause ließ er mich nicht in ruhe, mir war sogar im bett schwindlig, manchmal war ich wie gelähmt vor angst.
aber es gab auch gute zeiten, immerhin haben wir trotzdem 8 kinder bekommen, sind in den urlaub gefahren etc... aber die angst war ein treuer begleiter und meist war alles mega anstrengend.
nunja... vor über 4 jahren eskalierte es dann, es ging mir schon tagelang sehr schlecht , und so nahm ich eines morgens eine tablette paroxethin, die mir der neurologe schon vor wochen verschrieben hatte. ich hatte auch vor medis angst, dachte dann aber ,dass es schlimmer ja nicht werden konnte.
aber es wurde schlimmer....es wurde ein alptraum...unbeschreiblich.
es ging nichts mehr, ich konnte kaum mehr gehen, unerträglicher schwindel und angst, gedanken wirbelten im kopf, etc...ich konnte nicht mal meine schuhe mehr zubinden..
mein mann mußte vom dienst nach hause kommen, und ich wollte nur noch in die klinik ( wo ich eigentlich NIE hinwollte ). zuvor mußten wir zur neurologin- meiner war im urlaub- und dort auch noch warten. ich bin fast durchgesdreht, hatte den totalen zusammenbuch...
sie überwies mich an eine klinik für psychotherapie, dort wollte man mich erst in die tagesklinik stecken- aber ich bestand darauf zu bleiben- notfalls auch in der geschlossenen, ich konnte einfach nicht mehr...
ich hatte großes glück, denn normalerweise muß man sich für die stationäre therapie wochenlang vorher anmelden. es war jemand abgesprungen und ich bekam den platz.
und ich mußte die tabletten- die für mich auslöser für das grauen waren- weiter nehmen !
die erste woche war schwer, aber dann wurde es immer besser.
ich machte eine konfrontationstherapíe, chi gong, mal- und tanztherapie, viel sport etc.
ja, und als ich nach 6 wochen nach hause kam war ich frei !!!
ich konnte dinge tun, die ich 17 jahre nicht oder nur unter größten anstrengungen machen konnte... schwimmen gehen , allein einkaufen im vollen supermarkt, usw.
inzwischen nehme ich weiterhin eine minidosis paroxethin und werde das bis an mein lebensende beibehalten- was laut doc kein problem ist.
anscheinend brauch mein hirnstoffwechsel diesen stoff, wie gesagt- eine ganz kleine menge.
seit 4 jahren kann ich jeden tag genießen, bin entspannt und freu mich des lebens.
klar gibt es mal kleine rückfälle, aber die sind am nächsten tag wieder vergessen. ich kann schlechte tage hinnehmen, ohne dass sie mich runter ziehen.

owei,..das war lang... und doch kurz ;))

viele grüße
iris

von iris - am 10.08.2009 11:48

Re: liebe claudia ! achtung-lang !

Liebe Iris,

danke für deinen Beitrag. Finde ihn nicht zu lang, finde ihn sehr aufbauend und er macht mir wieder Mut.
Hab momentan so eine Phase wo ich glaub es geht nicht mehr weiter und man muß mit dieser Angst leben aber da weckt dein Beitrag wieder die Hoffnung das man es schaffen kann.
War auch schon stationär aber leider hat es bei mir das Gegenteil bewirkt, bin dadurch noch tiefer reingerutscht. Konnte vorher wenigstens noch alleine einkaufen gehen usw. aber jetzt fang ich halt bei null an, es ist so als ob man alles wieder lernen muß, voll mühsam. Den Schwindel den du beschreibst ist auch mein täglicher Begleiter! Arbeitest du wieder?
Danke dir für deine Geschichte
lg Claudia

von Claudia29 - am 10.08.2009 12:03

Re: liebe claudia ! achtung-lang !

hallo claudia !

darf ich fragen in welcher klinik du warst und was dort gemacht wurde ? nimmst du medis ?

ich denke,dass jeder da seinen persönlichen weg hat.
in den 17 jahren habe ich zum beispiel 7 jahre lang eine gesprächstherapie gemacht ( anfangs alle 2 wochen,dan alle 1-2 monate jeweils eine stunde). mein therapeut hat auf meine fragen immer gemeint, eine klinik wäre absolut nichts für mich und medis würden rein gar nichts bringen...
wie irrte er sich doch !!
ich selbst war auch immer gegen medis, meinte ich müßte es ohne schaffen, schließlich spielt sich ja alles nur im kopf ab.
aber genau das ist es - die medis wirken auf den hirnstoffwechsel, der bei mir anscheindend leicht aus dem ruder gerät. ich hatte oft das gefühl,dass in meiner birne alles durcheinander läuft, dass ich die gedanken nicht kontrollieren kann.
noch heute muß ich ein bißchen auf mich aufpassen , aber das habe ich inzwischen gelernt.
nein, außerhalb der familie arbeite ich nicht, mit 8 kindern ist das auch nicht nötig ;)

viele grüße
iris

von iris - am 10.08.2009 12:15

Re: liebe iris

Hallo Iris,

war 8 Wochen in einer psychosomatischen Klinik für stationäre Psychotherapie, die meisten dort hatten Depressionen, ganz wenige hatten eine Angststörung. Hatte viele verschiedene Medis und die gleichen Therpien wie du! Das Einzige was mir gut getan hat, war Sport und die Gespräche.
Habe viele nette Leute kennengelernt mit denen ich jetzt noch Kontakt habe.
Hab jetzt ein halbes Jahr Cipralex genommen und bin jetzt am absetzen weil es nicht wirklich was bringt.
Wow 8 Kinder, starke Leistung und viel Arbeit! Hut ab, klar das du da nicht arbeiten gehst.
Das Schlimme ist das mich von meinen Freundinnen keine versteht, da fühlt man sich dann voll alleine und es macht noch mehr traurig wenn man sieht wie die Anderen ganz normal leben.
Hab das Vertrauen zu mir selbst verloren und bin voll von den Anderen abhängig, wie ein kleines Kind.
Hab selber zwei Kinder und der große leidet schon ziemlich darunter!
Lg Claudia

von Claudia29 - am 10.08.2009 13:28
So, da bin ich auch wieder.

Also, es geht mir wieder ziemlich gut.

Ich hab das ganze auch mit meiner Therapeutin besprochen, und die meint, ich hab das ganze eh recht gut gehandelt. Und daß ich einfach viel zu ungeduldig bin, weil nach drei Monaten kann die Angst nicht ganz und für immer weg sein.

Außerdem hat sie mir jetzt klipp und klar gesagt, daß die Angst bei mir wahrscheinlich nie ganz und komplett weg sein wird. Weil ich von der Persönlichkeitsstruktur einfach für Ängste veranlagt bin. Aber, hat sie auch gemeint, ich lerne damit umzugehen und ich lerne auch, Techniken anzuwenden, daß ich die Angstanfälle besser durchstehen kann.

Dieser letzte Angstschub war auch viel schwächer, als der die vorherigen und ich bin dann relativ schnell wieder runtergekommen.

Ich werde einfach weiter meinen Weg gehen und die Angst wird mich halt begleiten. Hin und wieder wird sie ziehen und (hoffentlich) viel öfter wird sie einfach gemütlich hinter mir hertrüdeln und mich in Ruhe lassen.

LG
Kassi

von Kassandra09 - am 18.08.2009 07:02
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