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Diskussionsforum-Angststörungen
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24
Erster Beitrag:
vor 5 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 4 Jahren, 3 Monaten
Beteiligte Autoren:
Anonima, Iki , sjivossve, helmut der alte, titanja, iris-

Angst vor dem Verrücktwerden

Startbeitrag von Anonima am 28.02.2012 09:45

Hallo ihr Lieben,

seit 1997 bin ich nun mit Panikattacken, vornehmlich der Angst vor dem Verrücktwerden zu Gange. Auch hatte ich absolut panikfreie 6 Jahre und nun geht der ganze Angstterror wieder von vorne los. Ich mache derzeit eine VT, gehe regelmäßig joggen und praktiziere jeden Tag Muskelentspannung nach J. All diese Maßnahmen helfen mir, das Grunderregungsniveau einigermaßen nach unten zu schrauben, auch die Angst vor der Angst hat dadurch bei mir keine Chance. Was ich aber überhaupt nicht in den Griff bekomme ist die Angst vor dem Verrücktwerden. Irgendwie hat sich diese irrsinnige Überzeugung in meinem Gehirn festgesetzt und mit klarem Verstand komme ich dem Ganzen nicht bei, zumal sich meine Angst auf Symptome beschränkt, die ich selbst als total bizarr empfinde. Angefangen von der Derealisation, Depersonalisation, dem Gefühl nicht mehr ich selbst zu sein, starken und dauerhaften Kribbelgefühlen auf der Kopfhaut, seltsamen Schwindelgefühlen als ob ich aus dem Kopf gezogen würde, manchmal seltsamen Gedankengängen über die Welt an sich etc. etc. Der Therapeut hält mich keineswegs für verrückt, auch nicht an der Grenze, auch ein auf Psychosen spezialisierter Psychiater hält mich für eine normale Angstneurotikerin.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wer von euch hat auch Angst vor dem Verrücktwerden und hätte Lust sich mit mir per mail auszutauschen?

Alles Liebe, Anonima

Antworten:

hallo,

ich kenne diese angst von früher auch, und eigentlich ist sie ganz "klassisch " bei den angst- neurotikern.
aber es ist so- wenn jemand eine psychose hat merkt dieser das selbst nicht !
also- solange du angst davor hast verrückt zu werden wirst du es nicht ;).

vg,iris

von iris- - am 28.02.2012 11:01
Ich kenne diese Angst auch mehr als gut...
Ich hatte ziemlich lange starke Angst eine Psychose zu bekommen!

von sjivossve - am 28.02.2012 14:51
Hallo liebe Anonima!

Auf der neurologischen Ebene gibt es eine einige Unterscheidungsmerkmalen. Die wichtigste Differenzierung wird im Rahmen des Realitätsbezuges gemacht.

Bei einer psychotischen Störung besteht eine phantasierte Identität. Selbst- und Objektvorstellungen sind schwach voneinander abgerenzt. Die Fähigkeit zu Realitätsprüfung ist verloren gegangen. Omnipotenz ist hierbei ein sehr charakteristisches Merkmal.

Ganz im Gegensatz zu einer neurotischen Störung. Die Fähigkeit zur realistischen und tiefgehenden Einschätzung des Selbst und anderer ist weiterhin vorhanden. Die Realitätsprüfung ist gegeben. Es erfolgt eine Differenzierung von Selbst und Nicht-Selbst sowie von intrapsychischen und äußeren Ursprüngen der Wahrnehmungen sowie Reize.

Vereinfacht ausgedrückt, kann ich es vielleicht an einem Beispiel erklären:

Man unterscheidet diagnostisch den Realitätsbezug.

Eine neurotische Persönlichkeit, die beispielsweise in den Aufzug steigt und Angst/Panik und/oder die üblichen körperlichen Symptome bekommt, kann zwischen innerer und äußerer Realität unterscheiden. Diese Person weiß, dass seine Beschwerden nicht an eine äußere Gefahr gebunden sind, sondern dass es an ihr selbst liegt bzw. diese von ihr selbst ausgehen. Aber sie hat keinen Zugang zum Inhalt (kann man durch Psychoanalyse greifbar machen), daher meldet sich die Gefahr und in weiterer Folge die Alarmbereitschaft, die dann zu den uns bekannten Phänomenen führt.

Ein Mensch mit psychotischen Merkmalen würde in der selben Situation im Aufzug wahrscheinlich, die gleiche körperliche und psychische Symptomatik haben, jedoch mit dem Unterschied, dass die Realtitätsprüfung nicht gegeben ist. D.h. er kann nicht zwischen äußerer sowie innerer Realität unterscheiden und würde zum Beispiel annehmen, dass jemand den Aufzug von außen manipuliert hat und dadurch für seine Beschwerden verantwortlich ist.

Ich hoffe ich hab dies jetzt einigermaßen verständlich formuliert;). Ich mach mir bdzgl. gar keine Sorgen, bezugnehmend auf eine rein neurotische Erkrankung, geht die Fähigkeit zur Realitätsprüfung trotz aller Auffälligkeiten in keinem Fall verloren. Vlg, Iki

von Iki - am 28.02.2012 17:01
Hallo Amonia
ich habe momentan leider auch wieder einen PA Schub vermehrt zu ZG hängt aber auch mit den äußeren Einflüssen zu tun vor allem dem Wetter und eine Art Midlifecrisis . Die Angst der ganze Terror geht von vorne los ist unbegründet bin ich darauf gekommen da wir durch unsere Angsterkrankung eine anderes Bewusstsein haben als wie wie sie zum ersten mal hatten. Du solltest nicht da jetzt mit mit damals vergleichen weil deine Einstellung damals anders war heute. Ich habe mich entschlossen bevor ich mich wieder ewig selber quäle uche ich mir gleich professionelle Hilfe mal sehen ob die Strategie aufgeht. Würde mich gerne mit dir austauschen wenn du willst phoenix70@live.at

von helmut der alte - am 29.02.2012 15:04
Hallo sjivossve ,

du schreibst du HATTEST, das lässt mich positiv aufhorchen und hoffen. Heißt das, du bist nun darüber hinweg? Und wenn ja, wie hast du das geschafft?

LG, Anonima

von Anonima - am 01.03.2012 08:19
Hallo Iris,

auch an dich die Frage: Du hast diese Angst nicht mehr und wenn nicht, was hat dir dabei geholfen, sie loszuwerden oder dich mit ihr besser zu arrangieren oder wie auch immer :-)?

Danke und alles Liebe für dich,

Anonima

von Anonima - am 01.03.2012 09:11
Liebe lki,

danke für deine Erläuterung, die ist für mich sehr gut nachvollziehbar und verständlich. Vom Kopf her sind mir die Dinge klar, ich sehe, dass ich nur eine Angstneurotikerin bin, dass meine Realitätsüberprüfung intakt ist - aber ich habe eben diese Angst, dass mich die Realitätsprüfung irgendwann mal (weil die Psychose zuschlägt :-)) verlässt, ich in die Psychose gleite und das nicht merke. Dieser Gedankengang führt dann natürlich dazu, dass ich mich ständig selbst beobachte und mich häufiger am Tag einem 'Realitätscheck' unterziehe. Aha, ist das noch normal, hören die anderen was ich höre, sehen sie auch was ich sehe etc. Es ist wie ein Zwang, der mich unter eine enorme Daueranspannung setzt. Ich höre förmlich die Flöhe husten.

Wie schaffe ich es mein Gefühl zu überzeugen, dass zu keinem Zeitpunkt die Gefahr einer Psychose besteht, wie verinnerliche ich das im Kopf vollzogene? Verstehst du was ich meine?

Lieben Gruß, Anonima

von Anonima - am 01.03.2012 09:26
Lieber Helmut,

ich werde mich bei dir per mail melden.

Liebe Grüße, Anonima

von Anonima - am 01.03.2012 09:51
ich hatte sehr lange die gleichen Probleme wie du. Die gleichen Gedanken etc. Bei jedem Geräusch, Klicken, Piepsen etc hab ich mich gefragt ob ich mir das nun einbilde. Wenn ich jmd gefragt habe ob er das auch gehört hat, und er es nicht gehört hat, war der Tag gelaufen...

Ich habe mich so in die Sache reingesteigert, dass ich tatsächlich Sehstörungen bekommen habe - ich habe stets blaue Lichtschweife im Dunkeln gesehen, wenn ich nachts ins Licht geschaut habe. Das war natürlich der Horror für mich auch wenn mir alle versichert haben, dass ich keine Halluzinationen hätte sondern eine Sehstörung die von der extrem hohen Anspannung kommt und deswegen uU das Licht falsch gebrochen wird.

Naja... mittlerweile habe ich keine Angst vor Psychose mehr. Und ich bin auch nie verrückt geworden.

von sjivossve - am 01.03.2012 11:46
Hallo liebe Anonima!

Leicht zwanghafte Gedankengänge haben/hatten wir, in unterschiedlichen Ausprägungen, wohl alle;).

Eigentlich dienen sie, obwohl sie sich nicht so anfühlen, der Krankheitsabwehr bzw. Neutralisierung der eigenen Vorstellungen. Aus dem Gefühl der Unkontrollierbarkeit resultierend, lösen sie oft unbewusste Schuldgefühle aus. Dadurch bekommen viele Betroffene das Gefühl, dass sie ihre zwanghaften Gedanken in die Wirklichkeit umsetzen werden. Klar besteht ein großes Bedürfnis (eigener Druck) gegen sie angehen zu wollen und diese sogar zu unterdrücken. Dies führt wiederum zum Anstieg der inneren Unruhe sowie Erregung, usw...

Den Drang sich ständig selbst zu beobachten (in deinem Fall den Verlust der Realitätsprüfung) ist eine Angewohntheit, die viele Betroffene ständig praktizieren. Wenn es nicht um die Beurteilung der körperlichen Befindlichkeiten geht, dann wird auf der psychischen Ebene kontrolliert.

An deiner Stelle würde ich deine Problematik von einem gröberen Zusammenhang/Kontext her betrachten. Deine Angst vor dem Verlust der Realität könnte, sehr vereinfacht her gesehen, für die Befürchtung stehen, dass sich deine Erkrankung plötzlich rapide verschlechtern könnte und somit deine geistige sowie körperliche Beeinträchtigung , wie auch in weiterer Folge die eigene Lebensgestaltung. Konfrontiere dich damit und spiele einmal den besorgniserrregenden Gedankengang im Rahmen deines therapeutischen Settings zu Ende. Was wäre wenn, deine Befürchtungen sich wirklich so gestalten würden. Keine Sorge, dies wird bestimmt nicht passieren, aber es ist gut zu wissen, dass wir auch dann noch viele Handlungsmöglichkeiten bzw. -perspektiven haben.

In meiner Akutphase hatte ich die Sorge, dass ich in einer psychiatrischen Abteilung stationär behandelt werden müsste. Ich habe mich enorm durch diese Vorstellung gequällt. Im Nachhinein betrachtet völlig unnötig, ich habe keine stationäre Behandlung in Anspruch nehmen müssen und wenn dies in Zukunft mal notwendig sein sollte, dann gehe ich diese Angelegenheit mit einer, va für mich, sehr gesunden Einstellung an. Dieser Gedankengang/Vorstellung macht mir keine Angst mehr. Ich habe gelernt meine Katastrophenfilme zu Ende zu denken, dies gibt mir Sicherheit und ich profitiere von einem neuen Bewusstsein.

Ich wüsche dir bei deiner individuellen Bewältigung oder auch Auseinandersetzung alles Liebe&Gute, vlg, Iki

von Iki - am 01.03.2012 12:52
Hi liebe Anonima!

Nachdem ich den Beitrag von Helmut gelesen hab, ist mir noch etwas eingefallen ;)!

Ich finde er hat es so schön formuliert. Du stagnierst durch deine Auseinandersetzung mit dir selbst nicht, sie löst keine Verschlechterung deiner Problematik aus. Ich sehe es genauso wie er, du hast aufgrund deiner Erfahrungswerte, breits ein neues Bewusstsein erlangt, bist wie du es beschreibst, aktiv, reflektiert und arbeitest an dir. Du kannst, meiner Ansicht nach, darauf nur aufbauen, also nur gewinnen :).

Deine Gedanken, sorry- wenn ich das überhaupt beurteilen darf, erlebe ich nicht als einen Rückschritt oder salopp formuliert als ein Zeichen einer Verschlechterung. Ganz im Gegenteil, solche Beschwerden werden als Informationsschleifen bezeichnet und deuten darauf hin, dass du dir bestimmte Dinge mit Unterstützung eines Profis noch näher anschauen solltest.

Mir persönlich hilft es dabei immer an meinem (Selbst)Vertrauen, meiner Annahme und Akzeptanz zu arbeiten. Du kannst sehr stolz auf dich sein, du bist handlungsfähig, verfügst über die Reflexions- sowie Willenskraft und bist aktiv. So wie du deine Geschichte beschreibst, hast du bereits großartige Leistungen erbracht! Erkenne deine Erfolge an, dann kommt das Vertrauen in die eigene psychische Stabiliät sehr schnell wieder ins Bewusstsein:)!

von Iki - am 01.03.2012 13:25
Du warst also auch eine Spezialistin im Reinsteigern. Ließe sich diese 'Fähigkeit' zu Geld machen: naja, da wäre ich wohl mittlerweile um mehrere Groschen reicher.

Und kannst du mir sagen, wie es bei dir zum Durchbruch kam? Was hat dir geholfen mit der Angst vor der Psychose umzugehen? Wodurch ist sie weggegangen? Kannst du das auf etwas bestimmtes zurückführen?

von Anonima - am 01.03.2012 14:23
mmh...

was mir geholfen hat war: Ausdauersport, mbsr, autogenes Training und Cipralex.
Wobei ich Cipralex erst genommen habe als ich mit den Mitteln der Psychotherapie keine 100% Symptomfreiheit erlangen konnte.

Seit Cipralex bin ich symptomfrei, dh ich habe auch keine "gedanklichen Angstattacken" mehr.

Meine Psychiaterin hat immer zu mir gemeint, wenn ich gerade mal wieder meine eine Psychose zu bekommen, sollte ich es doch einfach mal drauf ankommen lassen.
Bei mir war es immer so, dass ich oft das Gefühl hatte, jetzt gleich geht es los und ich höre Stimmen. Also sollte ich mich hinlegen und die Stimmen einfach mal kommen lassen, und alle Emotionen etc einfach mal wüten lassen. Der Effekt des Ganzen ist, dass die Angst zwar erst ziemlich ansteigt, nach kurzer Zeit aber abflacht und im besten Fall eine innere Ruhe einsetzt.
Es ist extrem schwer aber extrem effektiv. Dein Hirn lernt dadurch, dass die fehlinterpretierten Symptome überhaupt nicht gefährlich sind, sodass die Angst verschwindet.

Meine Angst hat sich jedoch dann auf Angst vor Zwangsgedanken/-störung gewandelt. Da habe ich gemerkt, dass es völlig egal ist, wovor man Angst hat, sondern nur die Intensität entscheident ist. Wünsch dir also garnicht erst Angst vor etw anderem zu haben. Ich habe das oft genug.

Naja... nachdem sich die Angst gewandelt hat, habe ich es anfänglich mit der mbsr methode probiert, was auch geholfen hat, doch irgendwie wollte es nie völlig weggehen, ich hatte immer ein gewissen Angstniveau in mir. Also nahm ich Cipralex und seitdem bin ich symptomfrei.

Ich kann persönlich also nur zur Einnahme von Antidepressiva raten.

von sjivossve - am 01.03.2012 15:11
Dann hast du ja auch das volle Programm hinter dir, von Therapie über Sport etc zu den Medikamenten. Mir geht es wie dir, mit dem Sport und der Muskelentspannung nach J kriege ich die körperlichen Symptome ganz gut hin, aber die psychischen eben nicht. Da suche ich nach wie vor nach dem Knopf. Eine zeitlang hatte ich ebenfalls Medikamente genommen als Krücke, damit ich arbeitsfähig bleibe. Nachdem ich sie abgesetzt habe, ging es mit den Ängsten wieder von vorne los. Allerdings bin ich ganz und gar nicht daruaf aus, mein ganzes Leben Medikamente zu nehmen, zumal dadurch die Organe auch ziemlich belastet werden. Ich suche nach wie vor nach Wegen, die Angst anders in den Griff zu kriegen. Irgendwie bilde ich mir ein, dass es eine Lösung gibt, nur welche? :-)

von Anonima - am 03.03.2012 12:20
Liebe Iki,

lieben, lieben Dank für deine ermutigenden Worte. Ja, ich sehe auch, dass sich einiges im Laufe der Jahre verändert hat. Vor allem im Hinblick auf meine Eigeaktivität und Willen an mir zu arbeiten. Da bin ich sehr froh darüber, dass ich nicht mehr in einer Opferhaltung ausharre und darauf warte, dass der Therapeut oder der liebe Gott mir die Angstneurose nimmt. Vielmehr stellt sich ein immer deutlicher werdendes Gefühl ein, dass mir niemand außer mir selbst helfen kann. Baron Münchhausen sprichwörtlich lässt grüßen. Andere können mir vielleicht eine nicht zu unterschätzende und wertvolle Stütze sein, den Weg muss ich aber selbst beschreiten und hoffen, dass ich mir irgendwann mal selbst ein guter Heiler sein kann.

Meinen Kathastrophengedanken bezüglch der Psychose habe ich schon zu Ende gedacht. Herausgekommen dabei ist, dass ich enorme Angst vor Kontrollverlust habe gepaart mit der Angst anderen Menschen ausgeliefert zu sein bzw. dass sich dann ALLE von mir abwenden (mich also verlassen) und ich vielleicht am Ende gar nicht mehr in der Lage bin mein Leben allein zu bewältigen. Umgekehrt gesprochen ist es mir sehr wichtig, mich und mein Leben im Griff zu haben, ein von anderen Menschen relativ unabhängiges Leben leben zu können und sichere, stabile Beziehungen. Und so verkehrt sind diese Bedürfnisse an sich gar nicht, das will glaube ich jeder normale Mensch - ergo: meine Bedürfnisse sind normal und OK.

Was ich aber noch nicht schaffe, ist, zu akzeptieren, dass es im Leben auch Krankheit gibt (Psychose), dass man dann eventuell auf die Hilfe anderer angwiesen ist etc. Ich bilde mir immer ein, dass wenn ich diese Dinge akzeptiere, dass ich damit dann den Zuständen, die ich auf gar keinen Fall erleben will quasi die Tür öffne und sie einlade einzutreten. Hm, ich merke gerade, dass ich mich kompliziert ausdrücke. Kommst du noch mit?

Meine eigentliche Frage ist also, wie schaffe ich es zu akzeptieren, dass das Leben nicht immer nur Sonnenschein ist, sondern......? Idee?

Alles Liebe, Anonima

von Anonima - am 03.03.2012 12:39
Danke Amonima und Iki
Durch eure schreiben habe ich viel dazugelernt vor allem das ich wohl ein Selbstwertgefühl habe das unter aller Sau, deshalb unter anderen generiere ich mir meinen Ängste. Der versuch sich gegen diese zu stellen ist eigentlich das Problem. Ich vergleiche es mal mit einer Wurzelbehandlung solange du nichts gegen den schmerz unternimmst ist er am schlimmsten du kannst ihn zwar medikamentöse behandeln aber das ist keine Endlösung. Du musst dich deiner Angst stellen und es in angriff nehmen denn die Angst vor schmerz ist wohl die größte. Die meisten Sachen mit denen wir uns beschäftigen würden die sogenannten Normalen nicht durchhalten darin liegt aber auch die Chance von uns.
Ich bin der Meinung es handelt sich bei all diesen erkrankungen um eine Art Entwickelung welche wir verlernt haben zu nutzen, bei älteren Kulturen war die Meditation und Philosophie ein Bestandteil ihres Lebens um dem was wir heute als Krankheiten sehen vorzubeugen und um sie zu nutzen. So wie schon Plato vor2000 Jahren in seinen Höhlengleichis es beschriebenen hat aus seiner Sichtweite. Amonima du brauchst dir keine sorgen machen ob du konfus schreibst oder nicht die Leute die dich verstehen wollen order und auch tun werden das auch (der war jetzt aber hart zu formulieren)
danke euch beiden
lg helmut der alte

von helmut der alte - am 03.03.2012 17:45
Hi liebe Anonima und lieber Helmut!

Wow, eine gute und berechtigte Frage, ich kann sie dir leider auch nicht beantworten, aber ganz bestimmt nachvollziehen.

Vor einigen Tagen habe ich mich mit einer Neurologin zu diesem Themenbereich ausgetauscht. Sie meinte, mein aktuelles Thema wäre ebenfalls die Angst vor dem eigenen Versagen, vor allem durch die körperliche und psychische Symptomatik. Eigentlich ich es schon lustig, dass ich (unterbewusst, aber auch bewusst) "Krankheit" mit "Versagen" gleichsetze. Eigenartig, bei anderen Menschen, denen es schlecht geht, würde ich diesen Begriff nie mit ihrer eigenen Person/"Leistung oder Stärke" in Verbindung bringen. In Bezug auf mich selbst anscheinend schon ;).

Helmut ich gehe mit dir konform, Krankheit ist nun mal Bestandteil unseres Lebens, sie raubt uns weder unserer Zufriedenheit, Kräfte noch unserer Hoffnung. Und wenn, dann nur wenn wir es selbst zulassen.

Zur Anregung, ein kleiner Vergleich, mit der Frage wer es "leichter" hat:
Ein Mensch mit psychotischen Zustandsbildern, der vielleicht in bestimmten Abschnitten kurzfristig den Realitätsbezug verliert, aber diese Episoden nicht gegen die eigene Person richtet. Oder eine Person mit neurotischen Symptomen, die die ganze Verantwortung für ihr handeln und ihre Auffälligkeiten tragen und sich oft sehr schmerzhaft damit auseinandersetzen muss, aber aufgrund dieses Bewusstseins ein größeres "Mitspracherecht" hat, an ihren Gedanken/Vorstellungen anzuknüpfen und diese zu verändern?

Seit meiner Studienzeit habe ich viele Menschen mit unterschiedlichen psychischen Erkrankungen (Psychosen, Neurosen, Persönlichkeitsstörungen) kennengelernt und begleiten dürfen. Im Endeffekt ausschlaggebend für die Bewältigungsgrundlagen, war allein die Tatsache was jede einzelne Persönlichkeit aus ihrer Situation macht. Bis auf wenige Ausnahmen konnten die meisten der KlientInnen, im Gegensatz zu vielen "gesunden" Menschen ein zufriedenes und selbstbestimmtes Leben führen. Ich nehme mal an der Unterschied liegt, wie bereits gesagt, in der Akzeptanz ihrer Befindlichkeiten, wie auch nicht zuletzt in der Annahme der eigenen Person.

Wir fürchten uns so oft vor einem möglichen Kontrollverlust (der im Endeffekt gar keiner ist) sowie vor dem Verlust unserer Unabhängigkeit und übersehen dabei, dass wir dadurch nicht handlungsunfähig werden. Das Vertrauen in den Körper und in weiterer Linie in die eigene Person hängt davon ab, welche Einstellung wir zu uns selbst haben. Die Angst mit all ihren Erscheinungsformen ist im Grunde genommen, ein sicheres Zeichen dafür, dass wir nicht die Kontrolle verlieren. Meiner Ansicht nach, ist es daher eher notwendig am Selbstwertgefühl anzuknüpfen, damit das Vertrauen in die Psyche und in weiterer Linie in den Körper wieder wachsen kann :). Vlg an euch beide!

von Iki - am 03.03.2012 19:12
Liebe lki,

das ist ja interessant, dass du deine Angststörung als eine Art persönliches Versagen empfindest. Das geht mir genauso. Untergründig habe ich häufig das Gefühl auf kompletter Linie versagt zu haben - ich bin nicht NORMal, entspreche keiner von wem auch immer definierten Norm. Das scheint auch recht gut in unseren Zeitgeist reinzupassen, sollen doch mittleweile auch Menschen so leistungsfähig sein wie Maschinen. Immerzu funktionieren müssen, nimmt der Mensch Schaden, wird er zum entsprechenden Arzt getragen oder er trägt sich selbst hin mit der Erwartungshaltung, einer Reparatur unterzogen zu werden und dann läuft die Maschine Mensch wieder. Ob sich das auf unser materialistisches Welt- und Menschenbild zurückführen lässt? Nun, es lässt Raum zum Weiterspekulieren, Nachdenken & sinnieren.

Für mich selbst bedeutet es, dass ich (wieder) lernen sollte (das Wort 'muss' versuche ich gerade aus meinem Wortschatz zu verbannen - ich setze mich damit permanent unter Druck) an mich als Menschen mit meinen Macken und Schwachheiten anzuknüpfen. Ich darf auch schwach sein - wer hat mir das bloß eingeimpft, ständig supergutgelaunt, keine Schwächen zeigend durch die Welt gehen zu müssen. Es ist total unrealistisch und hat absolut gar nichts damit zu tun, dass ich versage/versagt habe, nur weil ich wieder in Angszuständen baden gehe. Als persönlichen Erfolg werte ich momentan meinen Mut, mit meiner Angst (im privaten Bereich) offen umhzugehen. Alle Freunde, Bekannte und Verwandte sind mittlerweile im Bilde und das nimmt mir sehr viel Druck, eine perfekte Fassade aufsetzen zu müssen. Einige haben vielleicht seltsam geschaut, ich die absolute Powerfrau, die keinen Blatt vor den Mund nimmt ist (auch) schwach. Lach!

Du hast Recht, wenn du schreibst, dass du viele ehemals Erkrankte kennengelernt hast, die mittlerweile ein selbstbestimmtes Leben führen und zwar aufgrund einer Selbstakzeptanz. Neulich las ich irgendwo, dass Probleme da anfangen wo der Mensch eine Ist/Soll-Diskrepanz im eigenen Befinden bemerkt. D.h. Ich fühle Wut, sie soll aber nicht da sein und schwupp, bin ich ruck-zuck im Problematisieren gefangen. Annehmen, das ist denke ich wahrlich der Schlüssel für vieles. Und das muss ausgerechnet ich - der Oberkontrolletti - mir eingestehen und versuchen umzusetzen. Dabei war in meinem bisherigen Leben Kontrollieren und Kämpfen meine Stärke - - - Und ich frage mich trotz der Idee des Annehmens wie ich ohne Kämpfen und konrollieren künftig (gut) durchs Leben kommen soll. *grübel*

Ja, Selbstwert - wenn du weißt in welchem Laden ich den kaufen kann, sag Bescheid ;-).

Ich glaube, Selbstwert gibt es nur gemeinsam in einem Pack mit (Ur)Vertrauen. Wenn dieses unzureichend ausgebildet ist, kann kaum Selbstwert wachsen. Wenn ich kein (Ur)Vertrauen habe, kann ich mich kaum für wertvoll halten oder was meinst du? Vertrauen ist in meinen Augen die Basis für das weitere Fortschreiten im Leben an das wir anknüpfen müssen. Wer Vertrauen hat dem kann keine Angst der Welt etwas anhaben. Insofern denke ich, dass der Angstproblematik immer eine Nicht-vertrauen-können-Problematik zu Grunde liegt.

Alles Liebe, Anonima

von Anonima - am 09.03.2012 14:46
Hallo liebe Anonima!

Ich kenne meinen persönlichen Laden, indem es diese Delikatesse für mich gibt, nur manchmal verlaufe ich mich noch auf dem Weg dorthin, aber nicht immer ;). Da ich deine persönliche und soziale Umgebung nicht kenne, kann ich leider nicht beurteilen, ob er auch für dich geeignet ist. Ich bin mir jedoch ganz sicher, dass du dein eigenes Geschäft bereits etabliert hast!

Eine Fachärztin, die einmal selbst Betroffene war, hat es so formuliert: "Eigene Verhaltensmuster kreieren die tägliche Lebenserfahrung. Diese tragen zum Wohlbefinden bei. Jede Zelle reagiert auf den inneren mentalen Dialog. Der Körper ist das Spiegelbild der Gedanken. Angst/Depression ist die Sprache des Körpers, die uns nur mitteilt, dass im Bewusstsein etwas nicht stimmt. Krankheit ist wie eine Unterrichtseinheit- sie zeigt uns auf was wir auflösen bzw. los lassen müssen". Ich unterschreibe diesen Gedankengang.

Ich höre immer wieder von Betroffenen, die der festen Überzeugung sind, nicht in die Vergangenheit blicken zu müssen. Meiner Erfahrung nach, ist es jedoch notwendig den Grund/ die Ursachen und nicht die Symptome näher zu behandeln. Und dies funktioniert nur, wenn wir verstehen wann und warum unsere Erkrankung angefangen hat.

Nun zu deiner Frage; ich bin mir sicher, dass wir unsere Gedanken verändern können, dadurch folgen auch die Gefühle. Ein wichtiges Zauberwort ist für mich die Eigenverantwortung. Es geht hierbei bestimmt nicht darum sich selbst für sein Verhalten (Gedanken sowie Vorstellungen) zu verurteilen. Im Rahmen der Ablehnung (sich selbst und/oder anderen gegenüber) leben wir alte Begrenzungen auf, die uns jem. (oft frühkindliche Bezugspersonen) auferlegt hat. Und genau dort setze ich an. Ich kann die Gedanken, Einstellungen und die eigene Sichtweise jederzeit wieder verändern. Bestimmt nicht, indem ich die Schuld bei irgend jemanden suche, weder bei anderen noch bei mir selbst. Ich kann die Vergangenheit nicht verändern, aber die Haltung zur Vergangenheit schon und dies bringt mich enorm weiter. Mein größtes Erfolgserlebnis, das aus meinen Ängsten resultiert ist, war beispielsweise, dass ich gelernt habe zu verzeihen. Ich mache nicht nur negative Erfahrungswerte, ganz und gar nicht, es überwiegen die positiven Eindrücke, die mich täglich weiter bringen.

Ich bin trotz meiner Auffälligkeiten eine alte Optimistin geblieben und der Meinung, dass auch die Wertschätzung mir selbst gegenüber erlernbar ist. Versagensängste resultieren aus Ablehnung in der Kindheit/Jugend, Konditionierungen, etc.. Ich kann mein Gehirn daraufhin umprogrammieren, es benötigt halt das Bewusstsein, die Willenskraft und eine Menge an harter Arbeit an sich selbst ;). Eigenliebe, Selbstachtung aber auch Akzeptanz lösen nun mal alle Ängste wieder auf.

Ein weiterer Begriff der mir in meiner Geschichte sehr wichtig erscheint, ist das "los lassen". Für mich die Königsdisziplin, enorm schwierig sowie mühsam. Sie unterscheidet sich von der Toleranz oder Akzeptanz. Ich kann lernen mich zu akzeptieren, aber bestimmt nicht die Variationsbreite meiner Symptomatik/Einschränkungen. Los zu lassen heißt jegliche Bindung zur negativen Emotion zu verlieren, indem ich die Dinge im positiven Sinne zu hinterfragen beginne. Gegengesteuerte negative Energie ist selten positiv, deshalb ist es viel sinnvoller positive Emotion, durch bewusstes "umdenken" aufzubringen. Verzeihen bedeutet beispielsweise los zu lassen.

Ich kann leider in Bezug auf dieses Thema nur von mir sprechen. Viele Dinge gelingen mir bereits recht fein, an anderen muss ich noch stark arbeiten. Der negative Glaube an uns selbst ist stark verwurzelt. Wir denken auch, durch Wut verändern wir uns schneller. Meiner Meinung nach völlig daneben. Jede Form von Ablehnung, Kritik an anderen und vor allem an uns selbst, Schuld aus der Vergangenheit, ...sind sehr schädliche Muster. Diese Art des inneren Dialoges kann nur Krankheit verursachen, was sonst.

Ich denke mir, es ist an der Zeit zu handeln und die Eigenverantwortung zu übernehmen. Kennst du den Vergleich mit dem Hausputz? Egal in welchem Zimmer man beginnt, wenn man mal anfängt, dann wird das Haus schon irgendwann einmal wieder clean ;). Auch dir alles Liebe, vlg, Iki


von Iki - am 09.03.2012 18:19
Und nochmals Hi!

Hab einen wichtigen Punkt von dir übersprungen.

Vertrauen hängt für mich persönlich ebenfalls mit der eigenen Wertschätzung zusammen. Wenn ich mir selbst gegenüber verständnisvoll und freundlich gestimmt bin, dann kommt das Vertrauen automatisch wieder.

Drei kurze Anregungen dazu

- Ein Gedanke: "Nimm dir Zeit und die Geduld, dich um dich selbst zu kümmern".

- Ein täglicher Satz: "Ich habe bereits mit dem Heilungsprozeß begonnen. Ich möchte diese Muster die meine schlechten, negativen Erfahrungen verursachen los werden. Jetzt hole ich mir meine Kraft zurück und ich lasse dieses Problem los".

- Bin erst gestern darauf angesprochen worden, das Wort "sollte" aus dem Vokabular zu streichen und durch "könnte" zu ersetzen. Ist viel positiver und wertschätzender, da es mir eine Wahlmöglichkeit gibt.

Karl Heinrich Waggerl hat es treffend formuliert; " jeder möchte die Welt verbessern und jeder könnte es auch, wenn er nur bei sich selber anfangen wollte". Ich finde wir beide sind auf einem sinnvollen Weg. Lass es dir gut gehen, vlg, Iki

von Iki - am 09.03.2012 18:47
Liebe Iki,

" Der Körper ist das Spiegelbild der Gedanken" - diesen Gedangegang kann ich auch unterschreiben, allerdings nur zum Teil ;-). Wäre das so, würde die VT nicht regelmäßig in der Behandlung von Angststörungen 'versagen'. Die Ängste entstehen nicht nur durch falsches Denken. Es ist ein Teil, der - wenn die Angst unbewusst ausgelöst wurde - einem helfen kann, nicht in den Teufelskreislauf reinzugeraten und die Angst durch negatives Denken noch zu schüren. Aber die Angst selbst, die wird meist UNBEWUSST in der Amygdala (Gefahrenabwehrsystem) losgetreten.

Da hatte ich mal einen recht interessanten Artikel gelesen, versuche es mal sehr sehr verkürzt zusammenzuffassen:

Wenn man sich eine mögliche Angstkaskadenform auf hirnphysiologischer Ebene anschaut, dann stellt man fest, dass für die Angstentstehung viele unbewusste Prozesse 'zuständig' sind. Über den Thalamus ("Tor zum Bewusstsein") wird beispielsweise ein Reiz auf schnellstem und direktesten Weg zur Amygdala weitergeleitet wo dann unbewusst "entschieden" wird, ob der Reiz für das System Mensch eine Gefahr darstellt oder nicht. Wird er als gefährlich eingestuft, setzt das eine ganze Maschinerie (Hormonausschüttungen, Körperemfindungen etc.) in Gang, die uns auf Kampf oder Flucht vorbereitet. D.h. BEVOR unser bewusstes Denken überaupt etwas von der Bewertung 'Gefahr' mitbekommen hat, hat die Amygdala schon ihren Job 'Gefahr - Angst' erledigt.

Dieses BEVOR würde dann dafür sprechen, dass die Ängste nur schwer in den Griff zu bekommen sind, wenn der Ort ihrer Entstehung (Ursache) nicht aufgesucht wird (Kindheit, andere traumatische Erlebnisse - auch im Erwachsenenalter).

So greift die VT meiner Meinung nach zu kurz in der Behandlung, der Therapeut sollte da zweiseitig auf die Ängste schauen können, zum einen 'was trägt der Patient im gegenwärtigen Moment dazu bei, dass die Ängste am Leben bleiben?' und 'welche Erfahrungen in der Vergangenheit tragen heute dazu bei, dass die Amygdala unbewusst auf Gefahr schaltet'? Erlebe ich aktuell beispielsweise Situationen, die an ein traumatisches Erlebnis aus der Vergangenheit erinnern und meine Amygdala signalisiert deshalb 'Achtung, Gefahr'?

Alles Liebe, Anonima

von Anonima - am 12.03.2012 11:23
Hi liebe Anonima!

Ja, überhaupt keine Frage, darüber besteht für mich kein Diskussionsbedarf. Zwei wichtige Begriffe, unsere Vorstellungen sowie unbewusste Gedankenabläufe, habe ich hierbei nicht erwähnt. Und ich würde sogar noch einen weiteren Schritt zurückmachen...
... unsere bewussten und vor allem unbewussten Gedanken und Vorstellungen sind natürlich nicht von gestern auf heute entstanden, ganz klar ;).

Ich habe mich im Rahmen unserer letzten gemeinsamen Thematik nicht vordergründig auf die Entstehungstheorie bezogen, sondern dieses Beispiel als Veranschauung in Hinblick auf Begriffe wie Eigenverantwortung, Selbstannahme,etc. gebracht. Also auf eine Ebene, die ich neben/ in meiner Aufarbeitung fokussieren kann.

Wie bereits gesagt, gehe ich mit dir völlig konform, ich verfolge genauso wie du die Ursachen meiner Problematik und setze therapeutisch dort auch an. Ich erwähne es in diesem Forum immer wieder, mir erscheint es notwendig "einen Blick" in die Vergangenheit zu riskieren, damit ich wieder vertrauensvoll in die Gegenwart blicken kann. Mein zentrales Thema ist, mir meine Inhalte greifbar zu machen sowie in weiterer Folge eine neue Bewertung zu erlernen.

Bezugnehmend auf die Entstehung von neurotischen Erkrankungen gibt es (neben den genetischen u biochemischen Faktoren) eine Reihe von unterschiedlichen psychologischen Theorien sowie einen klaren Zusammenhang zu diversen Traumatisierungen, lerntheoretischen Modellen, usw. Ich habe mich mit Sjivosse (lg) bereits zu dieser Thematik ausgetauscht. Vielleicht hast du unsere Ansätze bereits verfolgt.

Meiner Ansicht nach stehen neurotische Krankheitszeichen immer im engsten Zusammenhang mit der gesamten biographischen Situation. Bereits in der frühen Kindheit/ Jugend erwirbt der Mensch "Tönungen", "Anmutungen", "Valenzen" oder "Gefühlskoppelungen", die sich eine besonders zähe Existenz bewahren. Und es gibt noch eine Fülle weiterer Faktoren, die unser Krankheitsbild mitbestimmen. Ich denke mir, wir könnten eine kleine Diplomarbeit zu diesem Thema verfassen ;).

Seit Freud wissen wir um jenen psychologischen Vorgang, der von ihm mit dem Wort "Verdrängung" bezeichnet wurde und kennen den Zustand der "Gehemmtheit", der die Folge von Verdrängungsvorgängen ist. Und wir nehmen an, dass mit dem Vorgang der Verdrängung, dem Impulse, Wünsche oder Antriebe zum Opfer fallen können, ein Kernstück im neurotischen Gesamtgeschehen umschrieben wird.

Einige Betroffene wundern sich, weshalb sie in den ersten Jahren ihrer Aufarbeitung im Rahmen eines therapeutischen Settings, noch keine deutliche Verbesserung/Linderung ihrer Auffälligkeiten erleben und zweifeln an ihren Erfolgen. Aus der Praxis, habe ich die Erfahrung gemacht, dass wie bereits das Sprichwort schon sagt, "gut Ding Weile benötigt" und dass sich manchmal sogar einige Befindlichkeiten verschlechtern müssen, damit sie wieder besser werden können. Aufarbeitung bedeutet für mich persönlich, harte Arbeit an sich selbst und es liegt an der eigenen Persönlichkeit (Eigenverantwortung :)), was sie daraus macht. Ich habe mich bewusst für den längeren, steinigeren Weg in Hinblick auf die Aufarbeitung meiner inneren Konflikte entschieden und freue mich darauf wo er mich hinführen wird. D.h. nicht, dass ich dadurch "bessere" oder "schlechter" Erfolgsaussichten als andere habe. Jede/r weiß für sich selbst, welche Methode für sie/ihn geeignet ist. Der eigene Mut und die Willenskraft wird uns alle weiterbringen! Vlg, Iki

von Iki - am 12.03.2012 15:18
Ich hoffe ihr lest das noch.... ich bin so "froh" von gleichgesinnten zu lesen. vorallem sjivossve. Ich dachte ich bin der einzige mensch der angst vor psychosen oder zwangsgedanken hat.
mag sich jemand austauschen??

von titanja - am 11.10.2013 19:29
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