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Diskussionsforum-Angststörungen
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Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
*Britta*, chipsigirl

verhaltenstherapie

Startbeitrag von chipsigirl am 09.01.2006 19:23

hallo

mal wieder eine frage was ist verhaltenstherapie was macht man da und ist es gut!!!

lg chipsi

Antworten:

Hi chipsi,

habe dir mal die Erklärung von Morschitzky hierher kopiert.

LG, Britta

Verhaltenstherapie ist eine der Psychotherapiemethoden und neben der Psychoanalyse und den tiefenpsychologischen Methoden die einige Psychotherapiemethode, die in Deutschland von den Krankenkassen bezahlt wird.

Die gezielten Behandlungsmethoden bei Angststörungen, Panikstörungen, Zwangsstörungen und somatoformen Störungen stellen anschauliche Beispiele dafür dar, was Verhaltenstherapie ist.

Es wird von den konkret vorgebrachten Problemen und Beschwerden der Klienten ausgegangen und auf der Basis einer gemeinsamen Problem- und Zieldefinition ein transparenter Therapieplan erstellt, der folgende Charakteristika umfasst:

Berücksichtigung der wissenschaftlichen Erkenntnisse der Psychologie und der Medizin (die Verhaltenstherapie ist empirisch-wissenschaftlich ausgerichtet).

Vermittlung störungsbezogenen Wissens (der informierte Klient als Partner).

Umfassende Analyse von Verhalten, Denken und Fühlen sowie von aktuellen Interaktionsmustern mit anschließender gezielter Änderung.

Unterbrechung der problem- und symptomerhaltenden Muster.

Analyse und Änderung von symptomerhaltenden Beziehungsmustern (die Verhaltenstherapie ist durchaus "systemisch").

Aktive Problemlösung durch Vermittlung neuer Sichtweisen und gezielte Handlungsanleitung.

„Lösungsorientiertes Denken“: Reden über Probleme, Einsicht in deren Ursachen und emotionales Erleben sind zu oft wenig.

Orientierung auf positive Ziele statt Fixierung auf die Probleme, Nutzung vorhandener Fähigkeiten und Ressourcen.

Befähigung zu möglichst rascher Selbstbehandlung (Förderung von Autonomie und Selbstkontrolle der Klienten).

Sicherung von Fortschritten durch konkrete, überprüfbare Erfolgskriterien und stufenweise Erreichung von Teilzielen.

Ökonomisches Vorgehen (so kurz wie möglich, so lange wie notwendig).


Von den derzeit 18 in Österreich anerkannten Psychotherapiemethoden vertrete ich die Richtung der Verhaltenstherapie. In Deutschland zählt die Verhaltenstherapie neben der Psychoanalyse und den tiefenpsychologischen Methoden zu den einzigen als "wissenschaftlich" anerkannten Psychotherapiemethoden, d.h. in Österreich und in Deutschland gelten unterschiedliche Begriffe von "Wissenschaftlichkeit".

Ich berücksichtige auch andere Methoden, vor allem systemische Therapiekonzepte (insbesondere systemische Kurzzeittherapie-Modelle), da ich auch darin eine entsprechende Ausbildung absolviert habe. Ich bin jedoch überzeugt davon, dass alles, was als gut und wissenschaftlich effizient erwiesen ist, in der Verhaltenstherapie einen gebührenden Platz einnehmen kann.

Als wesentlichste Therapie-Grundlage dient die verhaltenstherapeutisch orientierte Selbstmanagement-Therapie von Kanfer, Reinecker & Schmelzer (2000).

Selbstmanagement-Therapie. Ein Lehrbuch für die klinische Praxis von F.H. Kanfer, H. Reinecker & D. Schmelzer. Berlin: Springer Verlag, 2000. Durch Anklicken des Titels Bestellmöglichkeit des Buches, das sich eher an Fachleute wendet.

Die Selbstmanagement-Therapie ist zielgerichtet, problemorientiert und zeitlich begrenzt. Der Therapeut sieht seine Hauptaufgabe darin, den Klienten möglichst schnell zu befähigen, mit seinen Problemen alleine fertig zu werden, also dessen Selbstheilungskräfte zu mobilisieren und sich selbst überflüssig zu machen.

Ziel ist die Autonomie des einzelnen und seine Fähigkeit, mit den Problemen des Lebens besser umgehen zu können. Dementsprechend pragmatisch sind die einzelnen Schritte der Selbstmanagement-Therapie. Klienten werden darin unterstützt,

verhaltensorientiert zu denken,
in kleinen Schritten zu denken,

lösungsorientiert zu denken,
flexibel zu denken,

positiv zu denken,
zukunftsorientiert zu denken.


Verhaltensorientiert denken bedeutet, dass die Psychotherapie aktives Handeln und eine Verhaltensänderung bewirken soll. Die Kenntnis der Ursachen von Problemen ist zwar sehr wichtig, verändert jedoch noch nichts am Problem. Die Einsicht „Ich bin so ängstlich, weil ich in der Kindheit zu wenig Selbstbewusstsein entwickelt habe“ muss mit konkreten Taten einhergehen, um verhaltensrelevant zu werden.

Lösungsorientiert denken bedeutet, dass die vorhandenen Probleme und Beschwerden durch die Entwicklung spezieller Strategien bewältigt werden, um die gewünschten Ziele zu erreichen. Die Konstruktion von Lösungen ist der Kern einer Kurzzeittherapie.

Positiv denken bedeutet, dass der Schwerpunkt auf der Entwicklung der eigenen Stärken und Fähigkeiten liegt und nicht so sehr im langwierigen Analysieren und Erörtern von Problemen. Positiv denken bedeutet jedoch keine Leugnung der negativen Seiten des Lebens, sondern soll zu positivem Handeln führen.

In kleinen Schritten denken bedeutet, dass große Ziele über kleine Zwischenziele erreicht werden. Kleine Erfolge stärken die Hoffnung auf weitere Fortschritte.

Flexibel denken bedeutet, dass der Therapieplan rasch geändert wird, wenn ein bestimmter Weg nicht zum gewünschten Ziel führt.

Zukunftsorientiert denken bedeutet, dass die Beschäftigung mit der Vergangenheit auf das notwendige Ausmaß beschränkt wird und das gegenwärtige bzw. zukünftige Leben im Mittelpunkt der Psychotherapie steht.



Häufige Vorgangsweise

Detaillierte Problemanalyse: Genaues Erfassen der Probleme/Störungen sowie
- deren mögliche Ursachen (Wie ist es dazu gekommen?) und
- deren gegenwärtiges Umfeld (Was hält die Probleme derzeit aufrecht?).

Formulierung von konkreten Zielen gemeinsam mit dem Klienten.
- Negative Formulierung: Was soll nicht mehr sein?
- Positive Formulierung: Was soll anstelle dessen sein?

Möglichst geplantes Vorgehen zur Erreichung dieser Ziele.

Prinzip der kleinen Schritte: stufenweises Erreichen von Teilzielen.

Konzentration auf rasche Anfangserfolge wenigstens kleinerer Art, so dass die Hoffnung auf weitere, größere Veränderungen gestärkt wird. Wenn diese nach 5-10 Stunden nicht sichtbar sind, wird der Therapieansatz überprüft, da Erfolge nicht einfach durch die Länge, sondern durch eine effektive Vorgangsweise erreicht werden.

Förderung der Selbstheilungskräfte („Ressourcen“). Die Stärkung der Selbsthilfemöglichkeiten bewirkt eine rasche Unabhängigkeit vom Therapeuten.

Verschiedene Übungen fördern die Umsetzung der Erkenntnisse in neue Verhaltensweisen (Einsicht allein reicht oft nicht aus).

Hausaufgaben zwischen den Sitzungen unterstützen den Fortschritt.

Die gelegentliche Einbeziehung von Angehörigen beschleunigt oft den Erfolg, ist aber für eine Besserung nicht unbedingt nötig.

Zu Therapiebeginn erfolgt häufig auch eine Vermittlung störungsbezogenen Wissens durch verschiedene Informationsblätter oder Empfehlung hilfreicher Literatur, um dadurch rasch ein besseres Sich-Verstehen- und Ändern-Können zu ermöglichen.

Die Termine erfolgen anfangs meist einmal pro Woche, bei Besserung in größeren Abständen, bei auslaufender Therapie nur mehr auf Anruf bei aktuellem Bedarf. Eine spätere Wiederaufnahme der Psychotherapie ist jederzeit möglich.

Terminabsagen sind jederzeit auch kurzfristig ohne Angabe von Gründen und ohne Kosten möglich. Ich habe genug zu tun, wenn eine Stunde ausfällt.



Unterschiedliche Therapiedauer

Orientierungs- und Informationsgespräche: 1-3 Sitzungen. Zur Klärung von Möglichkeiten und Grenzen der Psychotherapie sowie zur Vermittlung problembezogener Hilfe­stellungen im Selbstversuch ohne ausführliche Therapie.

Kurzzeittherapie: Vereinbarung einer bestimmten Stundenanzahl (5-10 Termine), die bei Bedarf und sichtbaren Erfolgen später erhöht werden kann. Dies ermöglicht eine ent­sprechende Planung und einen ordentlichen Abschluss. Dabei kann bereits einiges oder sogar sehr viel erreicht werden, wenn es z.B. gelingt, einen Teufelskreis zu durchbrechen, die weitere Veränderung kann man dann oft allein bewirken. Soweit es möglich ist, bevorzuge ich Kurzzeittherapien, auch wenn dies zu Beginn nicht ausdrücklich vereinbart wurde. Nach 7-8 Stunden ist absehbar, ob die Therapie mit der 10. Stunde beendet ist oder ein Antrag auf Therapieverlängerung gestellt werden muss.

Längerfristige Therapie: Vereinbarung einer Zusammenarbeit auf unbestimmte Zeit. Eine Langzeittherapie ist bei tiefer liegenden bzw. chronifizierten Störungen angezeigt. Dabei kann es phasenweise durchaus sinnvoll sein, größere Abstände zu wählen oder Therapiepausen zu vereinbaren, um eigenständige Problemlösungen zu ermöglichen und dadurch die Selbstbehandlungskompetenz zu stärken.



von *Britta* - am 09.01.2006 19:30
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