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Diskussionsforum-Angststörungen
Beiträge im Thema:
4
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
bibo, katarinchen, Gritte

sehr schöne beschreibung der angst aus eimen buch (überlang)

Startbeitrag von bibo am 21.01.2006 14:43

Der Punk ist gekommen, an dem ich ein Wort zum Thema Angst sagen sollte. Angst ist der einzige Feind des Lebens. Nur Angst kann das Leben bezwingen. Angst ist ein kluger, raffinierter Gegner, das weiß ich aus Erfahrung. Sie kennt keine Moral, akzeptiert keine Gesetze und keine Konvention, sie ist unerbittlich. Sie sucht sich bei jedem dem schwächsten Punk und findet ihn ohne Mühe. Sie beginnt ihren Angriff im Kopf, immer. In einem Moment fühlt man sich noch ruhig, selbstsicher, glücklich. Dann schleicht die Angst sich in den Verstand wie ein Spion, gehüllt in den Mantel des leisen Zweifels. Man begegnet dem Zweifel mit Unglauben, und der will ihn verscheuchen. Aber der Unglauben ist ja nur ein armer, schlecht bewaffneter Fußsoldat. In ein paar Zügen hat der Zweifel ihn besiegt. Man spürt eine Beklommenheit. Die Vernunft springt in die Bresche. Man ist beruhigt. Die Vernunft ist schließlich nach den neusten Erkenntnissen der Waffentechnik gerüstet. Aber zu unserem großen Erstaunen unterliegt, trotz überlegener Taktik und eine Reihe von siegreichen Scharmützeln, auch die Vernunft. Wir spüren, wie wir schwach werden, unsicher. Aus der Beklommenheit wir Angst.
Jetzt nimmt die Angst sich den Körper vor, der längst weiß. Dass da etwas nicht stimmt. Längst schon sind die Lungen fortgeflogen wie Vogel, die Eingeweide winden sich wie Schlangen davon. Jetzt lässt sich die Zunge fallen wie ein Opossum, und das Kinn galoppier
dazu auf der Stelle. Die Ohren Taub. Die Muskeln zittern, als hätte man Malaria, und die Knie schlackern, als wären sie auf dem Tanz. Das Herz zieht sich zusammen, dafür weitet sich der Schließmuskel. Und immer so weiter. Jeder einzelne Teil versagt, jeder auf die Weise, auf die
er es am besten kann. Nur die Augen bleiben aufmerksam. Sie registrieren jeden Schachzug der Angst genau.
Nicht lange, und man macht Fehler. Man lässt seine letzte Verbündete ziehen: Hoffnung und vertrauen. Und schon hat man sich besiegt: Die Angst, die doch nichts war als ein Hirngespinst, triumphiert.
Es ist nicht leicht, diese Dinge in Worte zu fassen. Denn echte Angst, diejenige, die uns bis in die Grundfesten erschüttern, Angst etwa, die wir spüren, wenn wir dem Tod ins Auge blicken,
nisten sich in der Erinnerung ein wie ein Faulbrand. Sie lässt alles verrotten, selbst die Worte, mit denen wir von ihr sprechen. Man muss um diese Worte ringen. Man muss kämpfen und das Krebsgeschwür ins licht der Worte zerren. Denn wer das nicht tut, wer seine Angst im wortlosen Dunkel lässt, wem es womöglich sogar gelingt, sie zu vergessen, der öffnet sich jedem neuen Angriff der Angst, weil er mit dem Gegner, der ihn beim ersten Mal bezwang ,
nie wirklich gerungen hat.

Antworten:

Sehr gut beschrieben! Danke für deinen Eintrag, werde ihn ausdrucken, dass ich ihn noch öfter durchlesen kann!
lg Gritte

von Gritte - am 21.01.2006 16:50
Aus welchem Buch ist das denn?

von katarinchen - am 21.01.2006 21:10
das buch ist von: yann martel und der titel ist: schiffbruch mit tiger... das buch hat aber nichts mit AS oder PA zutun ist ein roman.
lg bibo

von bibo - am 22.01.2006 11:27
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