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Diskussionsforum-Angststörungen
Beiträge im Thema:
6
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 7 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 7 Monaten
Beteiligte Autoren:
[marcel], Wolfgang, Claudia

Seid ihr auch manchmal verzweifelt?

Startbeitrag von Claudia am 18.03.2006 22:54


Hallo ihr Lieben,

habt ihr auch so Tage, an denen ihr mal wieder ziemlich unten seid wegen der AS und allem was dazugehört?

Mir geht es mal wieder so. Ich bin zur Zeit wieder mal so traurig, warum hat es gerade uns erwischt? Ich will es nicht mehr, und trotzdem holt es mich immer wieder mal ein, obwohl es schon deutlich besser wurde im letzten Jahr. Ich bin ja auch dankbar, daß es inzwischen so gut läuft, aber hin und wieder überkommt es mich.. Da könnte ich dann nur noch heulen, frage mich dann, ob es jemals wirklich weggehen wird und wie lange ich noch damit leben soll. Die 1 1/2 Jahre, die ich die AS jetzt habe, reichen eigentlich schon.

Manchmal bin ich voller Mut und Tatendrang, sehe positiv nach vorn usw. Aber heute ist wieder so ein Tag, da finde ich es so gemein. Ich habe doch niemandem was getan, warum werde ich mit diesem Mist bestraft? Fühlte mich letzte Woche im Job von den Kollegen wieder so gar nicht verstanden wegen der AS. Immer diese bescheuerten Sprüche wie:"Wir haben alle mal Angst, mach dich nicht verrückt" und dieses ganze Blabla. Ich frage mich immer, warum versteht es keiner? Würde ich auch so denken, wenn ich die AS nicht hätte?

Habe heute auf Steffis Homepage ein Gedicht von ihr gelesen, da schreibt sie sinngemäß: Warum verstehen andere den Mist oder die Schwierigkeiten erst dann, wenn sie selber da durchgehen müssen. Das hat mich nachdenklich gemacht, aber es ist wahr.

So jetzt habe ich genug gejammert, aber es mußte mal sein, denn außer euch versteht es ja eh keiner so richtig.

LG und gute NAcht Claudia

Antworten:

Hallo,

"Ich will es nicht mehr, und trotzdem holt es mich immer wieder mal ein" -> das ist ja bereits das Problem. Du besitzt eine Eigenschaft, die Du als stark störend empfindest und gegen Du nur begrenzt etwas machen kannst. Ich denke es hilft langfristig nur, dieses zu akzeptieren. Erst wenn Dich Deine AS einholt und Du sagtst - naja - wenns halt nicht anders geht, dann ist die Voraussetzung geschaffen zu denken ich kann mit AS leben - also brauche ich auch keine sooo Angst mehr davor haben.

"wie lange ich noch damit leben soll" -> auch hier denke ich, Du mußt es akzeptieren lernen. Wie könnte denn Dein Leben aussehen mit AS, was für schöne Seiten lassen sich damit noch dem Leben abgewinnen? Ich denke sowas ist wichtig.

"Die 1 1/2 Jahre, die ich die AS jetzt habe, reichen eigentlich schon." Ich habe seit 5 Jahren AS und ich glaube auch nicht, daß es wieder so wird, wie es mal war. Ich muß versuchen mit den AS das Beste zu machen. Mein Leben davor und jetzt sind nicht vergleichbar, aber es nutzt auch nicht immer dem alten nachzujammern.

Gestern hatten wir Besuch. Ich habe u.a. eine starke soziale Phobie. Heute ist es schön, wenn ich mich vor solch einem Ereignis nicht total fertigmache und ich mit der Angst vor der Blamage (PA vor anderen zu bekommen) einigermaßen gut leben kann. Da ist es schon ein Erfolg, wenn man mit seinen bedrückenden Gedanken einigermaßen umgehen kann (an was schönes denken) und nicht allzusehr darunter leidet. Tja - so ist es halt. Nach meinem Studium wollte ich nach Amerika (Beruf) und rund um die Welt reisen. Heute habe ich Angst, wenn ich 100km von zuhause wegfahren muß. Ich war beruflich auf dem Karrierepfad, heute habe ich keine Arbeit mehr (weil ich nicht mit dem Flugzeug nach Amerika fliegen konnte). So ist es. Jammern nutzt nichts. Ich habe mich einigermaßen damit abgefunden. Wenn ich jetzt auf Arbeitssuche gehe, sage ich halt, so und so ist es (muß ich ja, sonst erwartet man ja, daß ich "normal" einsetzbar bin) und wenn man dann mich nicht will, dann ist das halt auch zu akzeptieren. Ich habe nicht mal mehr eine Angst vor dem sozialen Absturz. Wenn ich trotz Bereitschaft mit meiner AS keine Arbeit mehr in diesem Land bekomme, dann habe ich auch kein schlechtes Gewissen von dieser Gesellschaft Geld zu beziehen. So sind hier in dieser Leistungsgesellschaft halt die Regeln. Das einzige, was mich ärgert ist, daß ich vorsorglich immer einioges auf die Seite gelegt habe und ich das jetzt erst mal weitgehend aufbrauchen müßte.


"warum werde ich mit diesem Mist bestraft?" Tja - es gibt Kinder, die sind ab Geburt behindert, woanders verhungern Menschen und (fast) alle finden das normal - Es gibt kein Anspruch auf Glück. Vielmehr leben wir in einer Wohlstandsgesellschaft, wo man doch von vielen Überlebenskämpfen verschont ist. Würde hier jeder Tag ums Überleben gekämpft werden müssen, würde auch unsere AS bei uns nicht so im Zentrum stehen. Dann wäre man vielleicht froh, daß man einen Tag wieder überlebt hat.

Gruß

Wolfgang

von Wolfgang - am 19.03.2006 07:56
@Wolfgang

Hi, das was Du schreibst stimme ich voll zu.
Wir müssen lernen, mit dieser Angst umzugehen, dann können wir auch wieder genießen.
Was ich aber nicht verstehe ist, daß Du von der Karriereleiter abgesprungen bist.
Oder sagen wir es so, ich kann es nur bedingt verstehen, da ich mich sehr angesprochen fühle.
Ich war auch ganz oben auf dieser Leiter... Top Manager, viel, sehr viel Geld und dann bin ich abgesprungen.

Aber ich werde diese Leiter wieder besteigen, allerdings nicht mehr bis ganz oben.
Erzählst Du denen, das Du unter einer AS leidest im Bewerbungsgespräch, oder habe ich das jetzt falsch verstanden?
Mach das nicht, denn das geht niemandem was an.
Ich erwähne auch nicht, daß ich schwul bin;)

Und was das Fliegen betrifft, ich habe diesen Flug nach Amerika wunderbar gemeistert, mit 2 Tavor in der Tasche und habe sie nicht gebraucht.

@Claudia

In meinem Freundeskreis versteht das auch niemand mit den Ängsten.
Diese Lauferei zu den Ärzten..die permanente Angst.
Aber das müssen die auch nicht verstehen, denn sie kennen das losgelöste Gefühl nicht.
Meine Tante leidet seit Jahren an PA/Agoraph und wir waren als Kinder jeden Samstag da zum spielen.
Ich weiß wie oft mein Onkel sagte, die Tante liegt im Bett, der gehts nicht gut.
Dann kam sie irgendwann die Treppe runter und sah voll normal aus.
Dann konnte sie nie wo hin fahren und wir Kinder haben das nie verstanden, ja, haben gelacht darüber.
Heute weiß ich, was sie durchmacht.... und wir verstehen uns prächtig.
Fange erst keine Diskussionen mit "Normalen" an...

Marcel

von [marcel] - am 19.03.2006 10:06
@Marcel
"Was ich aber nicht verstehe ist, daß Du von der Karriereleiter abgesprungen bist.
Oder sagen wir es so, ich kann es nur bedingt verstehen, da ich mich sehr angesprochen fühle.
Ich war auch ganz oben auf dieser Leiter... Top Manager, viel, sehr viel Geld und dann bin ich abgesprungen."

abgesprungen bin ich nicht, ich bin gewgangen worden. Die Auftragslage unserer Firma war sehr problematisch und ich war für ein internationales Projekt mit den USA vorgesehen. Und über den Atlantik zu fliegen war ich nicht in der Lage. Ich würde es auch heute nicht machen. Und dann war ich eben bei einer Entlassungswelle dabei.

"Aber ich werde diese Leiter wieder besteigen, allerdings nicht mehr bis ganz oben.
Erzählst Du denen, das Du unter einer AS leidest im Bewerbungsgespräch, oder habe ich das jetzt falsch verstanden?
Mach das nicht, denn das geht niemandem was an."

Aber natürlich sage ich, daß ich unter einer Angststörung leide. Ich bin doch nicht so wahhnsinnig und steure mich in etwas hinein, was ich nicht bringen kann. Ich spiele mit offenen Karten. Zudem versuche ich nicht mehr sowas wie Projektleiter zu werden. Ich besitze auch über ein hohes technisches Verständnis in meinem Gebiet und werde jetzt halt wieder "worker".

"Ich erwähne auch nicht, daß ich schwul bin"

Das würde ich auch nicht, weil das ja überhaupt nichts mit der beruflichen Leistungsfähigkeit zu tun hat.

"Und was das Fliegen betrifft, ich habe diesen Flug nach Amerika wunderbar gemeistert, mit 2 Tavor in der Tasche und habe sie nicht gebraucht. "

Schön für Dich. Ich habe auch gelesen, daß Du in den Urlaub geflogen bist. Das würde ich zur Zeit auch nicht machen. Meine Angst hat eine rießige Problematik mit sich gebracht. Ich habe mich schon fast handlungsunfähig vor Angst erlebt. Oder zumindest ist mir das so vorgekommen. Da kommen dann so Angstgedanken wie: Was mache ich, wenn ich vor lauter Angst nicht mehr zurückkomme, was passiert, wenn ich nicht mehr kann... Es gab schon mehrere Phasen, da hat es mich soo was von zusammengehauen. Letztes Jahr zum Beispiel hatte ich plötzlich eine gigantische Angst in eine Ski-Kabienenbahn einzusteigen. Ich hatte Angst, das Ding bliebt stehen und ich hocke stundenlang mit Panik da drin. Und das, obwohl früher das Skifahren das Höchste für mich war. Ich bin zwar eine Fahrt mit der Kabine gehahren - aber mein Herz schlug so stark, daß es sich schon ganz merkwürdig in der Brust sich anfühlte. Es war kaum auszuhalten.

Und danach kam dann eine richtige Angstphase: Ich wollte einen Allergietest machen lassen - plötzlich hatte ich rießige Angst vor einem allergischen Schock. Dann hatte meine Schwiegermutter Geburtstag und wir waren eingeladen - ich schlief die Nacht davor gar nicht und sah auch wie Frankenstein aus. Natürlich fragte man mich, was denn mit mir lossei. Ich sagte dann nicht viel - was will man auch sagen.
Dann war die Angst vor dem allergischen Schock so groß - ich schaute, ob in der Marmelade eine tote Wespe drin ist und ich die dann essen würde und dann einen Schock durch das Gift bekäme. Es war fast zum Wahnsinnig werden. Und so kamen noch ein paar Irrsinnsängste hinzu.

Also ich bin froh, wenn ich hier im Raum Süddeutschland mich bewegen kann. Mehr steht zur Zeit nicht zur Debatte.

Gruß

Wolfgang

Gruß

Wolfgang


von Wolfgang - am 19.03.2006 10:31
Hi Wolle, (ich hoffe, diese Abkürzung ist OK)

da erkenne ich mich ja zum Teil wieder.

Also ich würde niemals von meiner AS bei meinem Chef erzählen oder Mitarbeitern.
Sorry, aber in unserer Gesellschaft kann man keine ängstelichen Menschen ge-brauchen.
Das Du dadurch gekündigt worden bist ist klar und sehr schlimm.

Ich sage nichts davon und man merkt es mir auch überhaupt nicht an und ich werde mir für mich eben was suchen, was nicht mehr so viel von mir abverlangt.

Und, fliegen ist so geil.

Versuchs doch mal mit einem Medikament.

Marcel



von [marcel] - am 19.03.2006 10:55

Hallo Wolfgang und Marcel,

Wolfgang du hast schon Recht, mit dem was du geschrieben hast. Ich weiß es doch,daß ich es akzeptieren muß und das es dann erst besser wird. Ich bin ja im Vergleich zu letztem Jahr um diese Zeit auch schon ein großes Stück weiter. Ich gehe wieder allein spazieren, fahre mit dem Auto allein weg, das alles habe ich vor einem Jahr noch vermieden, so gut es ging. Sicher mußte ich arbeiten usw. Aber wenn ich an daran denke, wie es noch vor 1 Jahr aussah, dann kann ich schon wirklich froh sein.

Und trotzdem habe ich eben ab und wann mal wieder schlimmere Phasen, d. h.die Angst und Krankheitsängste sind vermehrt präsent und mir erscheint dann manchmal alles so besch......
Natürlich nutzt das Jammern nichts, es bringt mich nicht weiter, aber ich bin halt nicht immer stark und ich habe im letzten Jahr gelernt, daß ich auch mal schwach sein darf, denn das habe ich mir früher nie eingestanden, ich war immer stark (nach außen), war für alle da, habe es allen versucht Recht zu machen und blieb dabei selbst auf der Strecke. Aber das haben wir hier ja fast alle gemeinsam.

Ich habe auch den Fehler gemacht, so ziemlich vielen Leuten von meiner AS zu erzählen. Ich sage bewußt Fehler, denn heute würde ich es nicht mehr tun. Denn ich habe sehr schnell feststellen müssen, wer wirklich hinter mir steht und wer nicht, wobei das wiederum auch eine interessante Erfahrung für mich war. Aber ich gebe Marcel Recht, ich denke, es ist nicht immer gut, anderen zu erzählen, daß man eine AS hat. Es versteht ja eh keiner so richtig. Aber letztes Jahr hatte ich einfach das Bedürfnis, mich anderen mitzuteilen, daß sie auch wissen, was mit mir los ist. Am Anfang kam noch so was wie Bedauern, später dann nur noch doofe Sprüche, nicht von allen, aber von vielen. Heute weiß ich, wem ich mich anvertrauen kann und bei wem ich es besser lasse. An schlechten Tagen neige ich dazu, die AS mal den anderen für paar Wochen an den Hals zu wünschen, damit sie mal wissen, was es heißt eine AS zu haben. Ja ich weiß, ich bin gemein, aber manchmal wünsche ich mir das, nur das sie mich mal verstehen.

Das du bei einem Vorstellungsgespräch von deiner AS erzählst, finde ich sehr mutig von dir. Ob es richtig ist, weiß ich nicht, aber eh du dann wieder Angst vor Dingen hast, die du aufgrund deiner AS nicht erfüllen kannst, würde ich es evtl. auch so machen. Aber es ist leider Gottes so, daß schwache Menschen in dieser Gesellschaft nicht erwünscht sind. Das geht schon im Kindesalter in der Schule los, das sehe ich bei meinen Kindern. Paßt du heute nicht mehr in die Schablone, bis du gleich außen vor. Das sehe ich persönlich als eine sehr traurige Entwicklung der Gesellschaft. Es kann nun mal nicht jeder der Norm entsprechen. Jeder hat seine Stärken auf einem anderen Gebiet.

Ich denke nur zurück, als sie uns vor 1 Jahr erzählen wollten, daß unser Sohn (9 Jahre) eine Lese-Rechtschreibschwäche hätte. Er sollte schon zu Tests in eine dafür bestimmte Schule. die Lehrerin rief ständig bei uns an, und zum Schluß dachte ich schon, ich hätte ein bescheuertes Kind. Als wir Lukas dann nach seiner Herz-OP noch mal ein Schuljahr zurücksetzen ließen, lösten sich die Probleme von ganz allein. Er hat heute eine super Lehrerin, schreibt fast ausnahmslos Einsen, Zweien und Dreien und es ist keine Sprache mehr von einer Lese-Rechtschreib-Schwäche und ich habe auch kein dummes Kind. Aber das meine ich, man muß heute höllisch aufpassen, daß man nicht zu schnell abgeschoben wird und wenn man nicht kämpft, hat man wahrscheinlich schon verloren. Und das das bei den Kindern heute schon so losgeht, finde ich doch sehr bedenklich.

So nun ist es aber wieder lang geworden. Wolfgang ich werde weiter an mir arbeiten, gehe ja auch noch einmal wöchentlich zur Therapie und ich denke, das hilft auch, bei mir zumindest. Habe dadurch auf viele Dinge eine andere Sichtweise bekommen.

Ich wünsch euch noch einen schönen Sonntag.

LG claudia

von Claudia - am 19.03.2006 13:31
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