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Diskussionsforum-Angststörungen
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Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 11 Monaten
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claudia neu, Julia:-), Claudia (die alte)

für julia: burnout (achtung lang!)

Startbeitrag von claudia neu am 13.05.2006 09:57

hallo julia!

ich kann dir nicht genau sagen, wann man eine angststörung hat und wann ein burnout. der übergang ist nämlich fließend. ich kann dir nur meine geschichte erzählen, vielleicht erkennst du dich darin wieder.

begonnen hat alles vor zwei jahren um diese zeit. ich hatte einen 40 stunden-job, in dem es absolut keine minute gab, wo ich mich ausrasten konnte, daneben machte ich ungefähr 30 stunden in der woche für die uni. ich schrieb an einer bakk-arbeit (= kleine diplomarbeit) und hatte auch noch eine schwere prüfung. hatte also über monate hinweg eine 70-stunden-woche, noch dazu ohne freies wochenende. kontakte zu freunden usw. hatte ich nicht mehr (aber ohne dass ich das merkte! das ist ja das schlimme am burnout, es ist einem nicht bewusst), mein leben bestand nur aus arbeiten und lernen. in dieser zeit starb auch noch meine oma, mit der mich sehr viel verband. ich habe damals aber nicht getrauert (wann denn!?), denn ich "musste" ja funktionieren. das musste in anführungsstrichen, denn niemand hat mir gesagt, ich muss funktionieren, es kam von mir selbst (meine eltern haben immer gesagt, wenn ich ein, zwei jahre länger studiere, ist das auch kein drama) ich war aber wie getrieben und ferngesteuert.

auf die idee, dass ich z.b. die prüfung absagen könnte, wäre ich niemals, nicht in hundert jahren, gekommen! wie gesagt, das mit meiner oma verdrängte ich. danach war ich wegen eines ständig angeschwollenen lymphknotens beim arzt und es kam zu einer tumor-fehldiagnostik (war nämlich kerngesund!), den arzt verfluche ich noch heute. dann fing ich an, hypochondrisch zu werden, ich lebte vier monate in einer dauerangst, jede einzelne sekunde des tages dachte ich an lymphknotenkrebs, usw. zu dieser zeit hab ich nicht mehr gearbeitet.

und dann fing das burnout an. jetzt, im nachhinein, weiß ich, dass es eine reine schutzfunktion ist. meine therapeutin (die ich ungefähr zu diesem zeitpunkt - vor ca. einem jahr - aufsuchte) hat mir das später so erklärt, dass, wenn ich auf meinen geist nicht mehr höre (arbeiten, arbeiten, lernen, usw. - geist kriegt keine ruhe mehr) und auf meine seele nicht mehr höre (hätte dringend pausen, entspannung, trauerarbeit, usw. benötigt), dann muss in letzter instanz der körper einspringen und mich STOPPEN.

und das hat er gemacht. schleichend, aber kontinuierlich. anfangs war ich einfach nur schwach, aber richtig schwach, was ganz schrittweise immer mehr wurde (zur erklärung: jedes symptom, dass ich jetzt beschreiben werde, diente nur dazu, mich zu stoppen und zur besinnung zu bringen, es war nicht "gemein" von meinem körper, was ich lange nicht akzeptieren konnte). dann bekam ich dieses unwirklichkeitsgeühl (derealisation) noch zusätzlich, und zwar dauerhaft. dann kam der extreme schwindel, der boden hob und senkte sich die ganze zeit. dazu kam bleierne erschöpfung. dann hatte ich keine konzentration mehr. denn, weißt du, was für ein ignorant ich war: meine einzige sorge zu dem zeitpunkt war, wie ich denn jetzt bitte schön meine prüfungen schaffen sollte? (!) ich sagte die prüfungen schrittweise ab (ich konnte nicht mehr lernen, es ging nicht, so sehr ich mich bemühte). aber ich wollte wieder arbeiten im sommer.

dann kam der HÄRTESTE teil, das schlimmste, dass ich bis jetzt in meinem leben erfahren habe. solche schlafstörungen, dass ich NICHT MEHR EINSCHLAFEN konnte. gar nicht mehr. ich wäre froh gewesen, wenn ich spät einschlafen hätte können, oder immer wieder aufgewacht wäre oder schlecht geschlafen hätte. aber ich konnte gar nicht mehr schlafen. 60 stunden ohne schlaf, dann 2 stunden eingenickt, wieder 55 stunden ohne schlaf, usw. ich kann dir nicht beschreiben, was es heißt, gar keinen schlaf zu bekommen. es ist furchtbar. du bist ein körperliches und seelisches wrack. alle funktionen passen nicht mehr. du kannst nicht mehr gehen, nicht mehr stehen, du kannst das BESTECK nicht mehr halten, weil es zu schwer ist. gleichzeitig kannst du nur noch weinen (eh klar, du hast ja keine regeneration). das ging so lange, bis ich freiwillig ins krankenhaus ging, auf die psychosomatik.

dort haben sie mir versprochen, jetzt werde ich schnell schlafen (mit medikamenten, die einen wirklich umhaun, wenn man sie nicht gewohnt ist). gaben mir eine valiuminfusion, und: nichts genützt!!! dann bekam ich zusätzlich ein starkes benzodiazepin. eine halbe stunde später schaute die schwester nach mir: ich war noch wach. da hat sie die ärztin angerufen (so auf die art, "die ist nicht normal *g*) und ich bekam noch ein xanor. mit diesen drei schweren medikamenten konnte ich schließlich vier stunden schlafen. deshalb werde ich (vormals medikamentengegnerin) nie wieder was negatives über psychopharmaka sagen, es gibt leute, die sie manchmal brauchen.

aber so ins detail wollte ich gar nicht gehn. auf jeden fall war ich 5 wochen im krankenhaus und das burnout war jetzt richtig da. ich konnte nichts mehr tun. weder gehen, noch stehen, das schlimmste: ich konnte mit niemandem mehr reden, ansonsten bekam ich krämpfe und zuckungen am ganzen körper, zittern, schwindel, alles einfach. ich konnte weder fernsehen, noch lesen. ich konnte MONATELANG nur mit geschlossenen augen im bett liegen! sogar FARBEN waren mir zu viel. haben daheim rote vorhänge, die habe ich nicht vertragen - musste in weißer bettwäsche liegen. jeder kleinste reiz, wie auch immer geartet (stimmen, farben, usw.) war zu viel. und das monatelang. und auf das hinauf hab ich dann später die angststörung entwickelt, wenn dein körper ein jahr lang in dieser weise nicht funktioniert, dann hast du kein vertrauen mehr.

ein halbes jahr später konnte ich mich noch immer nicht allein duschen - duschkopf zu schwer. ich konnte fünf minuten spazieren, dann musste ich mich dafür den ganzen tag hinlegen. nur damit du ungefähr weißt, was für dimensionen das waren... es wurde in minikleinen schritten besser. aber es ging immer auf und ab. ich hasste die rückschritte.

regel nummer eins bei burnout: entspannen, liegen, entspannen, liegen. und ein burnout kann man nicht abkürzen, das ist das schlimm. deshalb "mag" ich die angststörung im vergleich zum burnout: man hat alles selbst in der hand.

jetzt geht es mir wieder soweit gut, dass ich wieder die normalen dinge tun kann und fast gesund bin. und das beste daran ist (das haben wir in der therapie erarbeitet): ich habe zeit. zeit für alles. und ich sch... auf die uni. ich habe nur noch zwei semester, aber ob ich die jetzt oder in einem jahr mache, ist mir egal. ich mache das studium garantiert fertig, aber ich hetze mich nicht mehr - umsonst nämlich. und ich muss nicht immer alles perfekt machen und es muss nicht immer alles schnell gehen. ICH KANN ICH SELBER SEIN. und ich mache nur mehr das, was mir gut tut.

ach ja, kurzzeitig war´s bei mir dann ein bisschen blöd, weil ja, wie gesagt, beim burnout SOFORT, beim kleinsten symptom entspannung angesagt war, bei der angststörung jedoch das gegenteil - durchgehn! und ich hab das entspannen dann schon so in mir drinnen gehabt, dass ich gar nicht gemerkt habe, dass eigentlich "nur" mehr die angststörung da ist und ich durchgehn muss... kompliziert ;-)

hm, also, ich weiß nicht, ob dir meine geschichte hilft, ich kann dir nur sagen, ein burnout bemerkt man nicht, wenns anfängt. aber wer nicht hören will, dem zeigts der körper dann eh - er legt dich völlig lahm.

vielleicht kannst ja was anfangen damit und vielleicht fängst du an, bei dir selbst irgendwas zu finden, was in diese schiene "perfektionismus, getrieben sein, ehrgeiz, usw." fällt.

ich wünsch dir alles alles gute und du siehst: alles ist zu schaffen und ALLES HAT SEINEN SINN. jede krankheit will uns etwas sagen. und so blöd das klingt: ich bin froh über dieses burnout. es hat mich stärker und reifer gemacht und ich sehe vieles in einem anderen licht. ich war vorm burnout irgendwie so... nicht ich selbst, ich war so "losgelöst" von meinem körper, hab ihn überhaupt nicht wahr genommen, ich war wie ferngesteuert. jetzt ist mein leben bewusster. ich muss jetzt nur noch die angststörung besiegen (panikattacken hab ich schon entzaubert - die machen mir gar nichts mehr aus und kommen jetzt auch nur ganz ganz selten, eben, weil sie mir keine angst mehr machen). aber auch die angststörung hab ich im griff. eigentlich muss ich nur noch das hormonchaos ins lot bringen, ich hoffe, dass mir das gelingt.

alles liebe, claudia

Antworten:


Hallo Claudia,

dein Eintrag ist sehr interessant, ich sehe mich in vielen Dingen auch wieder, wenn auch die Umstände bei mir anders waren.

Aber auch mein Neurologe hat mir gesagt, daß der Körper irgendwann die Notbremse zieht, wenn man von selbst nicht runterschaltet, und das ist auch gut so. Aber wie du schon schreibst, es ist schwer zu akzeptieren, daß es nichts schlimmes ist.

Auch ich hatte solche gehäuften schwierigen Situationen über mehrere Jahre hinweg (Trennung der Eltern, Alkoholproblem meines Vaters, Schlaganfall mit Todesfolge meiner Oma, Trennung meiner Mutter von ihrem Lebensgefährten, Schlaganfall meines Vaters und zu guter Letzt die Herzoperation unseres Sohnes). Danach war dann Schicht. Bei mir war es nicht so schlimm wie bei dir. Aber auch ich wußte nicht,was mit mir abgeht. Es begann mit Durchfall und Übelkeit, bis ich eines Tages auf einmal so schwach wurde, von einer Minute auf die andere, daß ich nicht mehr gehen konnte. Ich mußte mich aufs Sofa legen, hatte tierisch Kopfweh, fror und schwitzte zugleich. So etwas kannte ich nicht, ich kam einfach nicht mehr hoch. Dazu war ich mit den Kids allein. Das ganze dauerte ca. 1 bis 1,5 h. Danach wurde es besser, trotzdem war ich noch schlapp. Am nächsten Morgen wiederholte sich das ganze nochmal. Ich kam kaum die Treppen hoch. Bin dann zum Arzt und der sagte, das wäre eine völlige Erschöpfung, aufgrund der durchgemachten Sachen kein Wunder.

Aber danach ging es halt richtig los. Ich hatte keine Ruhe mehr, weil ich nicht glaubte, was der ARzt mir sagte, ich dachte ich hätte was schlimmes. Einen Tag später hatte ich Kribbeln in den Armen und ein Taubheitsgefühl im Kopf. Ich steigerte mich so rein, daß ich dachte, ich hätte auch einen Schlaganfall wie mein Papa und meine Oma. Am nächsten Tag bin ich in die Notaufnahme ins Krankenhaus. Die sagten auch, es wäre psychosomatisch. Einen Tag später bin ich wieder zum Hausarzt und der hat mir die Überweisung zum FA für Neurologie und Psychiatrie gegeben und Tavor verschrieben, aber die habe ich mir nicht getraut zu nehmen. Beim NEurologen angerufen und Termin für Feburar 2005 bekommen, angerufen habe ich anfang Dezember 2004.
Es wurde nicht besser, die Angst war zu groß, wieder Anruf beim Neurologen, habe gesagt, daß ich es nicht schaffe und ob ich nicht eher kommen kann. Zum Glück ging das. Mein Hausarzt hat noch geschimpft, weil ich die Tavor nicht genommen habe, nahm sie dann ein 2 x 1/2 und es wurde besser.

Beim Neurologen kam dann das gleiche Ergebnis völlige Erschöpfung, Angststörung und Neigung zur Hypochondrie. Mache nun seit 1 Jahr eine Psychotherapie, und es ist schon besser geworden.

Heute mag ich nicht mehr dran denken, wie es mir noch vor einem JAhr ging mit diesen Scheiß Symptomen (Übelkeit, Unwirklichkeitsgefühl, Angst gleich umzukippen usw.) Ich habe heute auch noch Symptome, aber nicht mehr so stark und sie ändern sich. Aber mein Neurologe sagte mir letztens erst, daß ist das tückische an einer Angsterkrankung, daß die Symptome immer wechseln und immer neue hinzukommen.

Heute kann ich schon besser damit umgehen, aber es gibt immer wieder Rückfälle und Phasen wo es schlechter ist. An schlechten Tagen nehme ich dann 1/2 Lorazepam (das gleiche wie Tavor). Anfangs hatte ich Angst, abhängig zu werden, aber von 2-4 Tabletten im Monat ist das wohl nicht der Fall. Sie sind mein Rettungsanker für schlechte Zeiten. Anfangs habe ich mich unter Druck gesetzt, wenn ich mal wieder 1/2 genommen habe, dadurch wurde es natürlich nicht besser. Das tue ich jetzt nicht mehr. MAnchmal muß es halt sein.

Aber du hast Recht, mir ging es auch so, ich war auch wie ferngesteuert, ich konnte gar nicht mehr entspannen. Sobald ich mal saß, überlegte ich,was noch zu tun ist und sprang wieder auf. Ich kam innerlich überhaupt nicht mehr zur Ruhe und bekam aber trotzdem nichts so richtig geregelt und hatte auch irgendwie keine rechte Lust mehr. Aber das wurde mir erst hinterher bewußt.

Als ich Dezember letztes Jahr zur Mutter-Kind-Kur war, fragte mich die Therapeutin dort, ob ich überhaupt getrauert habe, als meine Oma vor 3 Jahren starb (ich hing sehr an ihr). Ich sagte:"Wenn ich ehrlich bin, nein. Ich habe wohl mal geweint, aber dann habe ich es verdrängt." Da sagte sie auch zu mir, es wäre noch so viel in mir drin, was raus müßte und wenn mir danach ist, sollte ich ruhig weinen.

Das tue ich heute auch hin und wieder. Als unser Sohn vor fast 2 Jahren die Herz-OP hatte, habe ich auch nur noch funktioniert, ich hatte gar keine Zeit zum Nachdenken oder weinen. Erst Monate später kam alles in mir hoch und wenn ich heute die Bilder von der Intensivstation vor Augen habe, muß ich auch heute noch weinen. Das konnte ich damals nicht.

Ich habe auch immer gedacht, ich muß funktionieren, ich schaffe alles, ich muß für alle da sein und für jeden ein offenes Ohr haben. Das ich selbst dabei auf der Strecke blieb, wurde mir gar nicht bewußt. Von daher ist es gut, daß der Körper die Notbremse gezogen hat, wenn die AS an sich auch nichts schönes ist.

Doch wie du, habe ich auch durch die Psychotherapie auf viele Dinge eine andere Sichtweise bekommen, das hätte ich nie für möglich gehalten. Ich habe mich verändert, und manche Leute kommen damit nicht klar. Ich sage nicht mehr zu allem ja und amen so wie früher und ich will es auch gar nicht mehr jedem recht machen, wozu? Jeder kann mich nicht mögen. Das klappt nicht immer aber immer öfter.

So, nun habe ich auch einen ellenlangen Text geschrieben, aber vielleicht hilft es Julia ein wenig weiter.

LG Claudia

von Claudia (die alte) - am 13.05.2006 12:12
Hallo Claudia,

erstmal vielen, bvielen Dank für deinen sehr ausführlichen Bericht. Und du hast Recht, ich habe mich größtenteils darin wiederfinden können. Genau dasselbe bei mir. Ich hab einen Job und Uni. In 2 Monaten habe ich meinen letzten Mathe-versuch, missglückt er, bin ich ge-ext. Ich bin die Prüfungssituationen schon 1000 mal im Kopf durchgegangen und mir gings immer schlecht dabei. Ich werd mich dieses Semester schon nur für 4 Pr.anmelden, aber ob es wirklich gelingt...Mit dem Lernen ist es bei mir genauso...Konzentration?Ein Fremdwort für mich. Wie bei dir, hat meine Geschichte auch mit der Überbelastung von Lernen und Job angefangen, vor ca. 3 Monaten. Seitdem wach ich jeden Morgen auf, mein Kopf ist vernebelt und ich fühl mich ständig so fertig und k.O. Bi fast immer müde, mag nichts mehr gern machen; schöne Sachen wie spazieren gehen, in Zoo gehen, mit Freunden treffen kosten mich 200% Überwindung...ist echt nicht schö.
Zu den Schlafstörungen: Ich weiss genau wovon du redest. Als alles angefangen hat, konnte ich über Wochen nicht mehr einschlafen. D.h. bis so gegen halb 6 morgens und dann bin ich nochmal 2h eingeschlafen. Es hat mir all meine Kraft geraubt, diese tägliche Angst vor dem Bett und wieder nicht schlafen zu können. Hatte für die Prüfungen Diazepam bekommen und hab sie die Prüfzeit über jeden Abend genommen. Natürlich habe ich sie dann acuh öfters eingesetzt, als diese Zeit vorbei war. Jeden abend hab ich mir gedacht "morgen usstdu aber arbeiten" und hab die Tropfen genommen. Haben sie nicht gewirkt, hab ich nochmal welche genommen. Ich war dann soweit, dass meine Erstdosis von normalen 9Tropfen, bei mir schon bei 16 lag. Ich hatte meine Grenzen mit dem Zeug nicht mehr gesehen. Gücklicherweise haben siedann so wenig gewirkt, dass ich sie wegliess und auf Baldrian umstieg, was mir dann ganz gut tat. Jetzt schlaf ich zwar immernoch nicht perfekt, aber es geht einigermaßen. Nur leider fürchte ich jeden Tag, wo ich weiss, ich muss das Haus verlassen. Wenn ich das AUto von meiner Mum hab und nur hier in der Nähe einkaufen geh, geht alles gut, aber sobald ich weiss, ich muss Bahn fahren und hab dann keinerlei Unterschlupf, ziehts mir den Boden unter den Füßen weg. In der Bahn fängt es dann meist an, dass ich extremen Kopfschmerz bekomme, mich depersonalisiert fürhle, nichts mehr warnehm und ich nur in einer Art Schockzustand bin. Meist fahr ich trotzdem weiter. In der Uni ist es dann auch ertsmal so schlimm.Der Krach um mich rum macht mich verrückt, der Gedanke umzukippen oder mich zu übergeben drängt sich immer mehr auf.Wenn ich diese Minuten der ANgst überstanden hab, gehts mir meist besser und der Rest des Tages ist dann auch nicht mehr so schlimm. ABer diese ständige Überwindung...Ich weiss dass ich sicher nie wieder komplett mein altes, sorgloes ICH wiederfinde, aber nur ein kleines STück würde mir schon reichen. Jetzt bin ichhalt noch an dem Punkt, wo ich meine Krakheit nicht mehr ganz einordnen kann. Im allgemeinen denk ich jetzt eher an ein Burn out, aber was durch die STörungen gekommen ist. Muss darüber mal mit meiner Therapeutin sprechen. Bin auch dabei einen Klinikantrag zu machen, d.d.mehr Reha als Klinik.Ich muss unbedingt mal hier raus(wohn bei meinen Eltern), aber mit Betreuung. Flieg ja in 3 Wochen mit ner Freundin in den Urlaub und das heisst Zähne zusammenbeissen,aber richtig. Müssen erst mit dem Zug nach Berlin und dann nach Spanien.Mir zittern so die Knie, aber ich will niemanden mehr enttäuschen und daher flieg ich einfach mit...Nochmal zur Kur: Ich hab das Gefühl, dass es mal gannz gut tun würde, tägliche Beratung zu bekommen, da ich nur eimal die Woche Therapie hab. Dann mal total abzuschalten und sich nur auf SICH und SEIEN Körper zu konzentrieren. Ich muss unbedingt wieder meine innere Ruhe finden und natürlich wieder leben können.Ich glaube auch, dass der Kontakt mit Gleichgesinnten so gut tun würde, da ich hier bis auf die Forumsleute keinerlei ANsprechpartner hab und das fehlt mir so sehr. HAb das Gefühl, dass je mehr ich meine Freunde mit einbezieh, desto mehr entfernen sie sich von mir und red mit ihnen nicht mehr über meine Probleme. Fast mein gesamtes Umfeld denkt, dass es mir hervorragend geht.
Nagut, hab jetzt auch sehr viel geschrieben. Fand deinen Bericht sehr informativ und find es toll, dass du den Weg daraus schon fast komplett gefunden hast. Für das letzte Stück wünsch ich dir gaaaaanz viel Energie und Kraft. Also sei ein Vorbild für viele von uns!!!
Liebe Grüße, deine Julia

von Julia:-) - am 14.05.2006 08:52
hallo julia!

mir hat sich alles zusammengezogen, als ich deinen bericht las, als du von deinem urlaub geschrieben hast. ich hatte auch in dieser anfangszeit vom burnout geplant, mit meiner besten freundin nach london zu fliegen. ich konnte nicht mehr. aber ich tat es. es war die schlimmste woche in meinem leben. ich hatte den total-zusammenbruch. hab zwei tage durchgehalten, dann musste ich den rest der tage im hotel verbringen.

ich will dir jetzt keine angst machen.wahrscheinlich ist so ein meer-urlaub nicht so anstrengend wie eine total laute stadt. london ist da ja extrem.

was ich dir aber unbedingt schreiben möchte (weil du hast ja geschrieben, dass du wenigstens ein stückchen von der alten julia wieder haben willst): DU WIRST WIEDER DIE ALTE, UNBESCHWERTE JULIA! nur gleichzeitig reifer und mit viel mehr wissen, was wirklich wichtig ist. glaub mir, es geht vorbei. und das allerwichtigste ist die richtige therapeutin. du musst nach jeder stunde das gefühl haben, dass das besprochene wichtig war auf deinem weg, auch wenns kleinigkeiten waren. die therapie ist das um und auf bei einem burnout. die schlechten muster werden erkannt und bearbeitet und neue, für dich passende gefunden.

und dir gehts ja noch nicht so schlecht, wie mir damals in der schlimmsten zeit, es muss ja auch nicht so weit kommen, wenn du jetzt schon therapie machst. ich hätte schon damals in der stress-zeit nach der lymphknotengeschichte eine therapie machen sollen.

aber bitte glaub mir: du wirst wieder die alte. und das leben wird noch schöner, als es vor dem ganzen war. ich bin das beste beispiel dafür. so blöd das klingt und so hart das jahr war, als ich nur liegen konnte: ich bin froh über dieses burnout (diesen satz hätte ich dir vor einem jahr um die zeit niemals geschrieben, hätte den vogel gezeigt!!) so, wie ich jetzt lebe und mit mir umgehe, das ist einfach kein vergleich zu vorher! es war ein langer weg, aber jetzt bin ich im letzten drittel.

also, burnout geht mit entsprechender therapie und ZEIT (ist echt nicht abkürzbar, das wird dir jeder burnout-patient sagen) vorbei und die angst HAT MAN SELBER IN DER HAND.

nach dem jahr burnout traute ich mich nicht mehr aus dem haus. ständig die schlimmsten symptome (schwindel, schwäche, übelkeit usw.), kamen aber jetzt nur mehr von der angst. es ging soweit, dass ich die wohnung gar nicht mehr allein verlassen habe. ich konnte nirgends hin, was weiter als 100 meter weg war. nirgends. zu arzttermin fuhr ich z.b. mit dem taxi. nur nicht mit öffentlichen verkehrsmitteln fahren. und dann hab ich hier auf der seite das mit der expositionstherapie gelesen, dass man einfach DURCHGEHEN muss durch die angst. trotz aller symptome. und ich war auf einmal so voller energie! hab mich angezogen und bin raus. hab mich in den bus gesetzt und bin ans andere ende der stadt gefahren. die symptome waren furchtbar, ich hatte alle gleichzeitig. schweißausbrüche, zittern, der schlimme schwindel, usw. du kenst das ja. aber ich bin weiter. und nach einer stunde waren alle symptome weg. das hab ich wochenlang jeden tag gemacht (einmal bin ich ganz allein nach münchen gefahren mit dem zug (also ich wohn in salzburg), einmal dies und einmal das) und es war immer am anfang schlimm, aber es ging.

und: mittlerweile sind die symptome weg.

und wenn die angst wieder kommen will (in form von symptomen), dann nehme ich die hin und sie sind weg. wenn die symptome keine angst machen, sind sie weg.

ich will dir damit nur sagen: du wirst gesund. wenn du das wirklich willst. angst lebt nur davon, dass wir ihr und ihren symptomen zu viel aufmerksamkeit widmen.

vielleicht hilfts dir auch, wenn du dir sagst, wenn die symptome kommen: hey, danke angst, ich weiß, du willst mich nur schützen, aber hier ist alles in ordnung, du brauchst mich daweil nicht schützen" - so in ruhigem ton. wirst sehn, sie verzieht sich nach einer halben stunde.

julia, ich wünsch dir alles alles gute! bleib bei deiner therapie. und glaub mir, dass dein leben noch schöner wird als vorher!

lg, claudia

von claudia neu - am 14.05.2006 11:26
Hallo Claudia,
dein "Kommentar"(eher Roman:-) )war echt sehr aufbauend für mich. Ich find es toll wie du dein Leben siehst und am Ende sogar "dankbar" für dieses Burnout bist. Ich muss sagen, dass ich mich in meiner Sichtweise des Lebens auch schon geändert hab. AUch wenn es mir noch nicht gut geht, ich weiss mit vielen Situationen besser umzugehen. Meine Menschenkenntnis hat sich sehr geändert und ich bin keine "offenes Buch" mehr, was mir oftmals geschadet hat. Ich sehe selbst, dass es auch Vorteile gibt, aber es wäre trotzdem schöner ohne PA,As und burn-out. Ich hab klare Ziele und es bleibt mir nix anderes übrig als sie zu erreichen. Auch den Urlaub werde ich wahrnehmen (sind ein wenig in der Pampa und werden sicher nur relaxen), auch wenn der Weg dahin für mich sehr hart wird und mir schlaflose Nächte bereiten wird. Ich werde nicht das aufgeben, wofür ich lange gelebt habe und das war das Reisen. Ich hab auf eigne Faust 13 Monate in den USA verbracht,ohne Furcht und ohne Bedenken. Ohne ANgst umzukippen, keinen Anschluss zu finden oder rauszugehen. Und da will ich wieder hin.Das ist grad mal 2 Jahre her. Vieleicht war ich da etwas zu riskant und furchtlos und mein Körper sagt mir jetzt"So geht das nicht"Okay, dann nehm ich mich zurück, aber ich will mich nicht einschließen. Es ist mein Leben und ich kämpf darum.
Sorry wenn du das viel.schon erwähnt hatest, aber hattest du jemals einen stat. Aufenthalt?Du hattest Therapie, aber warst du für länger weg?Weiss nicht ob man danach viel.inicht ganz den Anschluss ans Leben verloren hat...! Gehst du wieterhin so viel arbeiten?Ganz ohne Probleme?Würd mich freuen, wenn du mir etwas über dein Alltag und die Bewältigung schreiben würdest.
Also erstmal liebe Grüße von mir

von Julia:-) - am 14.05.2006 11:57
hi!

ich find es toll, dass du nicht aufgibst. und recht hast du. du musst selbst rausfinden, was am besten für dich ist. das ist eben das schwierige bei diesen ganzen psychischen sachen. beim burnout soll man zurückstecken und muss vieles aufgeben, bei der angststörung soll man alles machen. zwei ähnliche krankheitsbilder mit zwei völlig unterschiedlichen lösungen. du wirst sicher drauf kommen, was für dich besser ist und wenn nicht, zeigts dir dein körper.

ja, ich war 5 wochen auf der psychosomatischen station, aber nicht wegen burnout oder as, sondern wegen dem schlafen. es ging ja nicht mehr anders. dort hat es mir (nicht lachen!!) sehr gefallen ;-) ich war in einem wunderschönen zimmer, es gab essen, wie in einem vier-sterne-hotel (hab damals 5 kg zugenommen, weils so gut war) und einen super schönen feng-shui-garten. ich machte jeden tag progr. muskelentspannung nach jacobson unter professioneller anleitung und hatte jeden tag biofeedback. und auch weitere therapien wie ergotherapie usw. es hat mir damals gut getan.

jetzt zum negativen im krankenhaus: es sind neurolgen und keine psychotherapeuten. also, solche erfahrungen, wie ich sie in der therapie mache, hatte ich drinnen nicht. es gab zwar auch eine therapeutin, nur war die total überlastet und ich war in 5 wochen einmal dort. ich hab mir totale hilfe von ihr erwartet, aber sie konnte mir nicht mal im entferntesten irgendwie helfen. kein wort von der hat mich angesprochen. naja, wie soll man aber auch jemandem in einer einzigen stunde seine geschichte erzählen? ja, und die ärzte waren verschieden. einer hat alles ganz genau verstanden, mir zugehört, genau das passende gesagt und seine diagnose war: totales burnout mit angststörung. dann gabs noch eine ärztin, mit der ich überhaupt nicht auskam. die wollte mir ständig eine depression anhängen ;-), kannte aber meine geschichte gar nicht richtig. ich war aber weder damals noch heute depressiv. ich kann mich noch genau erinnern, wie gern ich damals was mit meinen freundinnen unternommen hätte oder einfach nur im gastgarten auf ein bierchen gegangen wäre. also, wie gesagt, es gibt immer solche und solche ärzte. ich hab damals gelernt, dass ich die, die mich anzipfen, einfach reden lasse und ignoriere und die, die sich wirklich auf mich einlassen und mir helfen wollen, lasse ich an mich ran.

mein alltag sieht zur zeit noch nicht so aus, wie ich ihn gern hätte, aber wie gesagt, ein burnout dauert lang, jetzt bin ich eben schon auf der zielgeraden. ich fange zur zeit ganz langsam wieder mit der uni an (mache ein paar vorlesungen). und ich lerne jeden tag ein bisschen, immer mit PAUSEN. ist ganz untypisch für mich, ich war immer der typ, der drei tage vorher anfängt, zu lernen und dann dafür tag und nacht. ich hab mir immer alles so schnell gemerkt. jetzt muss ich lernen, mit pausen zu arbeiten. und ich muss auch erst mein gehirn wieder trainieren.

nachdem ich ja über ein jahr mit meinem gehirn nichts mehr gemacht habe, ist es ein bisschen "verkümmert". ich muss es erst wieder trainieren, genauso wie meine muskeln, nachdem ich monatelang gelegen bin.

arbeiten tu ich seit zwei monaten wieder, aber nur vier oder fünf tage im monat und das auch nur 4 stunden am tag.

ich habe also noch viel freizeit und die genieße ich. zumindest 20 tage im monat (die anderen 10 hab ich ja dieses extreme pms, wo ich wieder mal kaum aufstehen kann)

ich lese gern thriller, treffe mich mit freundinnen (hört man zwar oft, aber es stimmt: nach so einer krankheit merkt man, wer die wirklichen freundinnen sind), gehe einfach raus in ein cafe und genieße die sonne, gehe shoppen (nach so langer zeit ohne soziales leben, ohne "sich-schön-machen" usw. könnte ich jetzt 24 stunden durch shoppen, so sehr freut es mich, dass ich wieder raus kann und schöne sachen anhaben kann), ich liege am balkon in der sonne, ich gehe mit meinem freund wandern, wir machen gemütliche videoabende mit pizza und süßigkeiten, ich gehe jeden zweiten tag laufen, usw.

das klingt jetzt alles so schön und tralala, aber natürlich hatte und habe ich auch schlechte tage. wie oft habe ich stundenlang geweint, weil ich dachte, ich kann einfach nicht mehr. wie oft war ich am boden. wieviel angst hat mir das burnout gemacht, als mich mein körper so sehr lahm gelegt hat. aber es geht aufwärts. jetzt habe ich solche wein-attacken nur mehr beim pms und ich hoffe, dass das neue medikament bald bzw. überhaupt wirkt.

also wahrscheinlich kannst dir von meinem alltag jetzt nicht wirklich was abschauen, ich lebe zur zeit so, als hätte ich ferien. und das steht mir auch zu.

was ich noch sagen muss: ich hatte totales glück, dass mein freund so sehr zu mir stand und mir so geholfen hat. wir haben (keine übertreibung) jeden tag ein paar stunden über meine krankheit geredet, immer wieder und immer das gleiche und er hatte und hat solche gedult. und auch meine eltern verstehen das alles, sie sind da irgendwie so mitgewachsen und mittlerweile die vollen burnout-experten *g* grad gestern hab ich mich bei meiner mama beschwert, dass ich endlich wieder so ganz richtig gesund sein will und sie war es, die mir gesagt hat, dass es "ja eh so schnell geht jetzt" (diese aussage nach eineinhalb jahren krankheit *ggg*, also, sie hats verstanden!)

aber was mir immer noch ein bisschen zu schaffen macht: wenn ich jetzt von diesem oder jenen studienkollegen höre, dass er diplomarbeit schreibt oder dipl.prüfung geschafft hat. dann werd ich schon eifersüchtig, weil eigentlich wär ich auch ca. um diese zeit fertig gewesen ;-) aber das sind ja alles nur kleinigkeiten!

alles liebe! claudia (die sich langsam aber sicher zur romanschreiberin entwickelt!!!)

von claudia neu - am 14.05.2006 13:36
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