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Diskussionsforum-Angststörungen
Beiträge im Thema:
20
Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 10 Monaten
Beteiligte Autoren:
solax, Regina, Briggi1, claudia (die alte), iris, nirak

Sehr verzweifelt..

Startbeitrag von solax am 13.01.2007 12:13

Hallo an alle,

ich bin neu in diesem Forum und hoffe ich schreibe jetzt nicht zu viel...ich hoffe auf diesem wege vielleicht menschen zu finden, die sich in einem ähnlichen Zustand befinden (hab zur Zeit das Gefühl ich bin total alleine mit dieser Krankheit) - vielleicht wieder ein wenig Hoffnung schöpfen zu können und eventuell neue Wege zu finden...

Ich befinde mich seit langer Zeit (2 Jahren) in einer sehr verzweifelten Situation, die ein normales Leben für mich zum grossen Teil unmöglich macht.
Ich leide unter ständigen sehr heftigen körperlichen Symptomen – u.a. starkes Elendigkeitsgefühl, ständige Übelkeit, Schwindel, Benommenheit, Nervenschmerzen Nervenbrennen vor allem in den Armen, Schmerzen im Körper usw., extreme Schweissbildung, das „Gefühl“ eines schwachen Nervensystem, Missempfindungen am ganzen Körper - gekoppelt mit psychischen Symptomen. Die gestellten Diagnosen im Verlauf der Zeit lauteten: Depression, Angststörung und posttraumatische Belastungsstörung, Burn-out, Quecksilbervergiftung, Nahrungsmittelunverträglichkeit…
Ich könnte selber nicht sagen wo ich mich einordnen würde - habe sehr lange mich geweigert was die diagnose Depression angeht weil ich viele typische Symptome - wie Gefühlsleere, antriebslosigkeit usw. nicht bei mir spüre....aber auch bei der Angststörung kann ich mich nicht wirklich wiederfinden - die klassischen Panikattacken mit all ihren Symptomen hab ich nicht, bzw. sehr sehr selten...es sind eher durchgängige Symptome ohne einen Tag Pause.

Ich bin in der vergangenen Zeit freiwilllig in die Psychatrie und in eine psychosomatische Kur gegangen. Habe dort an Therapien teilgenommen, verschiedene Antidepressiva und Beruhigungsmittel bekommen. Mit den Medikamenten ging es mir sehr schlecht – auch nach mehreren Monaten, daher habe ich sie nach ca. 1 Jahr ausgeschlichen und nehme zur Zeit Johanniskraut und pflanzliche Beruhigungsmittel.
Ich bin eigentlich ein sehr lebensfroher Mensch und ein Mensch, der die Hoffnung nicht so schnell aufgibt und auch schwierige, schmerzhafte Situationen aushalten kann. Aber diese „Krankheit“ zermürbt mich und nimmt mir immer mehr den Lebensmut und die Hoffnung.
Es ist so als ob jeden Tag ein Alptraum über lange Stunden mein Leben beherrscht.

Oft stehe ich an dem Punkt es doch noch einmal mit chem. Antidepressiva zu probieren - hab allerdings durch meine sehr schlechten Erfahrungen Angst davor...
hat hier jemand von Euch gute Erfahrungen damit gemacht? -
mir ist schon klar das Antidepressiva alleine - selbst wenn sie helfen - nicht das Allheilmittel sind...

würde mich sehr über antworten von Euch freuen! Liebe grüsse, Andrea

Antworten:

Hallo Andrea, was ist so schlecht an Medikamenten? Ich nehme sie schon länger, ohne diesen wäre ich wahrscheinlich aus der Psychiatrie nie rausgekommen. Warum soll ich mich quälen, wenns anders auch geht. Wobei ich meine PA weiterhin habe, aber ich kann mittlerweile besser damit umgehen. Ich war auch in einer psychosomatischen Klinik in Deutschland, 2 Monate lang, aber geholfen hat mir das nicht sehr viel. Nicht mal Erholung, weil dort Vorfälle waren, die stressig waren. Also nimm wieder Medis, halt andere wie bisher. Maja hat es anders geschafft, das bewundere ich total und möchte auch schon soweit sein. Les dir die Beiträge der Forumschreiber durch, du wirst sicher Anregungen finden. Alles Gute Briggi

von Briggi1 - am 13.01.2007 12:38
hallo briggi,

danke erstmal für deine antwort! mit antidepressiva habe ich leider über ein jahr sehr schlechte erfahrungen gemacht - daher fällt es mir schwer daran zu glauben das es einfach nicht die "richtigen" waren und andere helfen könnten...
was mir momentan glaube ich wirklich ein wenig hilft ist menschen zu finden die das ganze in der form kennen und vielleicht sagen ja das hat alles lange gedauert aber es gibt auch einen weg heraus...
was mir wirklich sorgen macht ist das die symptome einfach ständig - fast ohne pause da sind und das so heftig das ich nicht in der lage bin ein halbwegs normales leben zu leben...ich glaub ich wäre schon sehr glücklich wenn es wenigstens mal längere phasen (stunden) gibt wo ich einfach mal durchatmen kann von allem....
wie lange nimmst du denn schon ad`s? liebe grüsse, andrea

von solax - am 13.01.2007 15:29
Liebe Andrea,

ich hatte die Symptome auch ständig, Tag und Nacht. Panikattacken hatte ich auch nicht. Ich glaubte damals, ich muß sterben.
Ich war dann an einem Punkt angekommen, wo ich nicht mal mehr auf meinen Beinen stehen konnte. Ich bin zur Toilette gekrabbelt.Ich hatte keine Kraft mehr.
Ich bekam dann auch AD verordnet und nahm sie mit Riesen Zweifel, ob sie denn helfen würden.
Hatte dann ziemliche Nebenwirkungen, aber danach ein neues "Leben"
Heute, nach 4 Jahren kann ich sagen, JA, es war der einzige richtige Weg mit den Antidepressiva!
Ich hab sie 1,5 Jahre durchgenommen, danach dann über 1,5 Jahre ausgeschlichen mit einer begleitenden Therapie.

Mir geht es heute ohne Medikamente wieder sehr gut.

Liebe Grüße
Regina




von Regina - am 13.01.2007 16:08
Liebe Regina,

das macht mir ein wenig Mut! vielen dank! magst du sagen wie lange die nebenwirkungen erstmal angehalten haben und welches ad du genommen hast?

Liebe grüsse, andrea

von solax - am 13.01.2007 16:33
liebe andrea!

so gut kann ich dich verstehen...ich selbst hatte über 17 jahre eine angststörung und war zum schluß 6 wochen in einer klinik.
das brachte die wende! neben einer konfrontations-therapie begann ich mit dem ad "paroxetin".
schon nach 4 wochen ging es mir super. ich nehme es jetzt seit 2 jahren-inzwischen in ganz geringer dosierung-und es geht mir super. endlich kann ich mein leben wieder genießen.
welchen ad hast du genommen?

viele grüße
iris


von iris - am 13.01.2007 16:41
Liebe Andrea,

erträglich wurde es nach 2-3 Wochen. Bis letztlich alles Unangenehme weg war, auch die Symptome waren es schon 6 Wochen.
Ab danach ging es nur noch "Bergauf"

Das AD hieß damals "Anafranil" danach hat sich der Name geändert in "Clomipramin"

Wenn Du noch Fragen hast, dann frag ruhig.

Liebe Grüße
Regina


von Regina - am 13.01.2007 18:35
Liebe Regina,

aus der sicht von 2 jahren quälerei wären 6 wochen gar nichts...die einzige angst die ich hätte ist das ein neues ad auch wieder nicht hilft, bzw. vielleicht alles noch mehr verschlimmert...mit dem mirtazapin hab ich mich gar nicht mehr wie ich selber gefühlt...seitdem ich es abgesetzt habe hab ich zumindestens wieder meistens einen klaren kopf.
war das bei dir ein problemmit dem ad?
was mich auch interessieren würde was du für eine diagnose bei den symptomen bekommen hast - bzw. wie du es selber einschätzen würdest....? vielen dank das du soviele fragen von mir beantwortest ...das hilft mir sehr weiter....

liebe grüsse, andrea

von solax - am 14.01.2007 10:10
liebe iris,

vielen dank für deine antwort...17 jahre sind sehr heftig....hattest du auch ähnliche symptome wie ich?
die konfrontationstherapie hab ich in den letzten monaten im prinzip alleine gemacht, d.h. trotz aller symptome möglichst normalität leben..versuchen einzukaufen, rauszugehen usw. ...ich kann sagen das ich mittlerweile fast alles wage...nur das die symptome dadurch nicht besser geworden sind, evtl. ein wenig besser...
ich habe zuerst zoloft bekommen und dann remergil über 1 jahr...beim zoloft war allerdings aus meiner sicht das problem, dass mich niemand aufgeklärt hat das es in den ersten wochen verstärkt zu neben wirkungen kommen kann die dann aber auch wieder weggehen können...die ersten woche war der absolute horror...ich konnte 10 tage keine nacht mehr schlafen trotz schlaf- und beruhigungsmittel hatte plötzlich einen ruhepuls von 160 ...ich war völlig am ende und hab dann in einer anderen psychatrie mirtazapin bekommen....dadurch konnte ich zumindestens wieder schlafen...aber auch davon ging es mir über lange monate sehr schlecht....

liebe grüsse, andrea

von solax - am 14.01.2007 10:17
Hallo Andrea, also ich nehme meine Medikamente jetzt 2 Jahre, da ich Ende 2004 meine PA diagnostiziert gekriegt habe, gehabt habe ich sie vorher schon. Ich nehme Efectin am Tag, Tritico und Solian am Abend. Ausserdem muss ich Schilddrüsenmedis nehmen, da ich krebsoperiert bin. Da du vermutlich aus Deutschland bist, wirst du die AD nicht kennen, da wir in Österreich andere Medis haben als ihr. Ich hab eigentlich keine Nebenwirkungen. So Angstzustände wie du kenne ich so arg nicht, ich krieg nur meine PA, wenn mir alles zuviel wird (Weihnachten, Neujahr, viel im Job zu tun, eine vorpupertäre Tochter), da wars mir Anfang des Jahres wieder mal zu viel. Meine Neurologin meint aber, dass ich mit der Efectinerhöhung eigentlich keine PA mehr kriegen dürfte. Na ja ich werde sehen. Alles Gute Briggi

von Briggi1 - am 14.01.2007 11:24
Hallo Andrea,

kann es sein, dass du eventuell schon Angststörungen von den Medis bekommst?

Bezüglich deiner Lebensmittelallergie würde ich empfehlen, dass du dich
mal testen läßt auf was du allergisch reagierst. Ich hab schon des öfteren
gehört, dass eine Lebensmittelunverträglichkeit durchaus Ängste aus-
lösen kann.

viele Grüße

von nirak - am 14.01.2007 17:22
Liebe Andrea,

Ich bekam die Diagnose "Angststörung"
Ja, wie soll ich das selber einschätzen, ich wußte gar nicht mehr was mit mir los war.
Ich hab gedacht ich bin so schwer krank... den ich war total durchuntersucht und mir ging es so schlecht.
Ich war an einem Punkt, wo ich keine Wahl mehr hatte....(konnte schon 1 Woche nichts mehr essen)
Ich litt an vielen Symptomen Übelkeit, Schwindel, Herzrasen, Zittern, Luftnot, Globusgefühl, schwache Beine und und und...

Hab aber schon des öfteren gehört, das manchmal erst das richtige AD gefunden werden muß.
Jedes eignet sich nicht für jeden.

Hast Du denn einen erfahrenen Neurologen??

Liebe Grüße
Regina



von Regina - am 14.01.2007 18:24
Liebe Regina,

ja das kann ich gut verstehen - wie lange hattest du diese symptome bevor du dich entschlossen hast medikamente zu nehmen? war das das erstemal in deinem Leben?
Ich hatte vor 10 Jahren eine ähnliche Phase - allerdings hat mir damals niemand gesagt das das alles eventuell auch von meiner psyche kommen kann. ich hab in der zeit fast 1,5 jahre nur gelegen - teils zu hause und teils in krankenhäusern und konnte mich nicht mehr bewegen - ich war wie in einem deliriumszustand..damals dachte ich das ist der grösste alptraum der die je in deinem leben passiert ist...und habe die ganze zeit nachdem es mir wieder besser ging total verdrängt.
mein vertrauen in ärzte hat leider in letzter zeit ziemlich gelitten - ich dachte ich hätte einen guten psychater der mich betreut - aber nachdem er zu mir meinte es wäre gar kein problem tavor täglich über jahre zu nehmen war es das dann bei mir mit dem vertrauen.
hattest du in deiner heftigen zeit unterstützung und hilfe?

liebe grüsse, andrea

von solax - am 15.01.2007 09:52
hallo nirak,

ja manchmal denke ich auch so etwas - aber ich kann das alles schon gar nicht mehr objektiv beurteilen. vor ein paar monaten hab ich wirklich meine ernährung total konsequent umgestellt - kein gluten, kein obst, keine milchprodukte usw. ...die ärztin meinte das dann der ganze "spuk" innerhalb 2 wochen vorbei sein würde...war er aber leider nicht...jetzt bin ich auch an dem punkt verunsichert, esse z.t. wieder dinge die ich nicht essen sollte...das testen ist leider nicht ganz so leicht, da laut ihrer meinung ich fast gar nichts mehr essen darf - daher dachte ich das beste ist es einfach das ganze zu "tun" und schauen was passiert.....

liebe grüsse, andrea

von solax - am 15.01.2007 09:56

Hallo Andrea,

meine Angststörung begann vor nunmehr 2 Jahren und 2 Monaten. Auch ich dachte damals an alles mögliche,aber nicht an die Psyche.

Mir ging es so wie Regina, ich hatte über Tage Übelkeit und häufigen Stuhlgang bis ich dann an zwei darauffolgenden Tagen jeweils eine Phase hatte, in der ich nicht mehr hochkam. Ich war so schlapp, daß ich kaum noch laufen konnte. So was hatte ich bis dahin noch nie erlebt. Das dauerte jeweils ca. 1 Stunde, dann ging es wieder. Das machte mir natürlich eine Riesenangst. Dazu kamen dann noch Mißempfindungen, wie Taubheitsgefühl am Kopf und in den Armen, so daß ich schon dachte ich hätte einen Schlaganfall. Daraus resultierte dann, daß ich die folgenden Tage nur noch Angst hatte, so was käme noch mal. Und somit war ich glaube ich schon in der Spirale drin, die Angst vor der Angst. Ich war 4 Tage krank geschrieben, dann ging ich wieder arbeiten, mehr schlecht als recht. Ich wußte ja immer noch nicht, was mit mir los war. Das heißt mein Hausarzt sagte schon, ich wäre in einem totalen Erschöpfungszustand. Er verordnete mir Lorazepam (das gleiche wie Tavor). Ich nahm es aber nicht, weil ich dachte, ich schaffe es ohne.
Am 4. Tag rief ich meinen Hausarzt wieder an, und er sagte, ich solle das Beruhigungsmittel nehmen, um überhaupt erst mal wieder ruhig zu werden. Das tat ich dann auch. Am nächsten Tag bin ich wieder zu ihm in die Praxis und habe gesagt, daß ich eine Überweisung zum FA für Neurologie und Psychiatrie möchte, weil ich auch schon längere Zeit unter Krankheitsängsten litt.

Das war im Nachhinein das Beste, was ich machen konnte. Dadurch kam ich recht bald zum richtigen Arzt. Ich hätte eigentlich 5 Wochen warten müssen, bis zu einem freien Termin. Aber ich ließ nicht locker und rief wieder dort an, und erzählte wie es mir geht und daß ich solch eine Angst hätte.So kam ich schon nach 2 Wochen dran und das war gut so.

Der FA für Neurologie und Psychiatrie bescheinigte mir gleich, daß ich an einer Angststörung leide, leicht depressiv bin und eine Neigung zur Hypochondrie habe. Er verschrieb mir ein Antidepressivum. Ich nahm es auch ein und mir ging es wirklich besser. Nach ca. 2 Monaten, dachte ich, ich schaffe es ohne AD und habe sie eigenmächtig ausgeschlichen.Das war natürlich ein Fehler, denn die Symptome kamen wieder. Der Arzt meinte, daß wir es halt ohne versuchen, wenn ich sie nun schon mal abgesetzt habe, gut fand er das nicht wirklich. So habe ich dann versucht mich ohne AD durchzuwurschteln. Es war ein hartes Stück Arbeit. Ich schlich dann auch noch das Beruhigungsmittel aus, und nahm es nur im Notfall und dann auch nur 1/2 Tbl. Aber ich merkte, daß ich es allein nicht schaffe. Und so begann ich dann im April 2005 eine Psychotherapie. Das war wieder ein Stück nach oben auf der Leiter. Die Therapie dauert bis heute an, bald ist sie vorüber. Aber das war mit das Beste, was mir passieren konnte. Ich hätte nie gedacht, daß in mir so ein Durcheinander herrscht. Ich habe durch die Therapie eine völlig andere Sichtweise auf viele Dinge in meinem Leben bekommen und habe auch viele Sachen verändert, manche zum Leidwesen meiner Mitmenschen, aber mir hat es gut getan.

Ich würde dir raten, ein AD zu nehmen. Denn ich glaube, wenn ich damals nicht die schnelle Hilfe durch Ärzte und Medikamente gehabt hätte, wäre ich heute noch nicht da wo ich jetzt bin.

Mir geht es heute wieder gut, die Angst kommt aber trotzdem immer wieder mal vorbei, vor allem in Streßphasen. Auch die Krankheitsängste sind noch nicht weg, aber wesentlich besser geworden. Körperliche Symptome habe ich nur noch selten, Gott sei Dank. Denn die empfand ich als besonders schlimm. Und ich hätte nie für möglich gehalten, was die Psyche so alles anrichten kann. Das man da wirklich solch heftige und widerliche Symptome haben kann, das war mir völlig neu.

In meiner schlimmen Zeit hat mir das Forum sehr gut geholfen, es war immer jemand da, der einen aufgebaut hat. Vor allem aber jemand, der einen auch verstanden hat. Denn viele Menschen hatten wirklich kein Verständnis für mich und meine Krankheit, und das hat mir manchmal sehr sehr weh getan. Ich hätte mir oftmals lieber ein gebrochenes Bein gewünscht, da hätte man wenigstens gesehen was ich habe. Aber eine psychische Krankheit sieht man einem nicht an, und deshalb wiurde ich oft als Spinner abgestempelt, mußte mir Sätze anhören wie:"Stell dich nicht so an." Oder "Reiß dich mal zusammen" Oder "Ich habe auch manchmal Angst". Aber es gab nur wirklich wenige Menschen, die überhaupt versucht haben, mich zu verstehen. Und das hat mich schon sehr nachdenklich gemacht. Und daraus habe ich persönlich auch meine Konsequenzen gezogen. Heute weiß ich, wem ich was anvertrauen kann und wer mich auffängt, wenn es mir mal nicht so gut geht.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig helfen. Also ich würde dir zu einem AD raten, aber letztendlich mußt du es allein entscheiden.

LG Claudia (die alte)

von claudia (die alte) - am 15.01.2007 20:01
Liebe Andrea,

nein, ich hab das schon sehr lange.
Ich kann mich heute noch erinnern, das ich mit ca. 16 Jahren ab und zu schon mal Herzrasen hatte.
Meine Mutter (kennt das auch!) kaufte mir damals in der Apotheke Diacard-Tropfen.
Irgendwann war es dann auch wieder weg und vergessen.

Mit ca. 18 hatte ich hin und wieder eine Panikattacke aber durch viel Literatur über dieses Thema gingen auch die vorbei.

So richtig schlimm war es dann 1994 auf einem Rückflug von Gran Canaria.
Aber wieder zu Hause, alles wie weggeblasen.

1995 während meiner Schwangerschaft ging es dann richtig los.
3 Jahre quälte ich mich mit Herzrasen, Panik, Übelkeit (sehr schlimm!) herum.
Alle möglichen Untersuchungen wurden durchgeführt. Es war alles i.O.
1998 begann ich eine Therapie. Es wurde langsam immer besser. Es ging mir wieder einigermaßen gut.

Bis zu jenem 31.12.1993. Das war der besagte Tag an dem ich nicht mehr laufen konnte.
Es wurde dann täglich schlimmer.
Anfang Juli brachte mein Mann mich dann ins Krankenhaus.(Dort bekam ich aber nur Diazepam und den Rat so schnell wie möglich zu einem Neurologen zu ghehen)
Zu der Zeit hab ich das Heus überhaupt nicht mehr verlassen und das schlimmste war, ich hab keinen Bissen mehr runterbekommen.
Ich nahm in sehr kurzer Zeit ganz viel ab. Ich trug Größe 34/36 mit 1.78 Größe!!
Mir ging es nur noch schlecht. Ich konnte meine Familie nicht mehr versorgen.
Ab da nahm ich dann die Anafranil/Clomipramin.
Die Nebenwirkungen waren echt schlimm, aber ich hab immer gedacht, schlimmer kann es sowieso nicht mehr werden.
Mitte August spürte ich eine enorme Besserung.

Heute 3 1/2 Jahre später und 1/2 Jahr ohne jegliche Medikamente geht es mir wirklich wieder gut.
Klar, ab und zu hab ich auch noch mal ein Symptom, aber es macht mir keine Angst mehr und schwupp verschwindet es wieder!

Es war ein langer, schwerer Weg, ich will auch nicht sagen, ich hab es für immer geschafft.

Aber ich werde nie wieder so lange leiden.
Ich hätte, wenn es nicht anderst gegangen wäre die AD auch ein Leben lang genommen.

Was interessant ist, das Du auch schon mal so eine Phase hattest.
Du siehst ja, ich hatte auch immer mal wieder solche Phasen.
Ist ja irgendwie schon komisch??

Liebe Grüße
Regina


von Regina - am 15.01.2007 21:01
Liebe Regina,

du hast ja auch schon eine ziemliche Odysee hinter dich gebracht - aber es freut mich zu sehen das es auch wenn es ein langer weg ist besser werden kann.
Du bist bisher die einzige in diesem Forum die mir geschrieben hat das sie die symptome -so wie sie bei mir sind kennt - das wundert mich ein wenig.
das ist etwas was mir sorgen macht - die tatsache das man 2 Jahre lang nicht einen einzigen Tag hat an dem man sich wenigstens halbwegs "normal" fühlt und die tatsache das ich keine angst im kopf verspüre...auf alle fälle haben mir die beiträge hier ein wenig geholfen die angst vor einem neuen ad ein wenig herunterzuschrauben...ich habe vorher viel in dem forum adfd gelesen, wo nur menschen schreiben die unwahrscheinlich heftige probleme durch ad`s bekommen haben - bishin dazu das sie die medikamente fast nicht mehr abgesetzt bekommen haben - ich würde es so gerne ohne schaffen...aber in letzter zeit zweifel ich immer mehr daran das es funktionieren wird - da ich schon alles mögliche an alternativen durchprobiert habe , lange zeit therapie gemacht habe usw....
ich werde mich jetzt erstmal über ein neues medikament beraten lassen und dann mal schauen - hab auch angst vor den ersten heftigen wochen...im moment ist alles schon so schlimm das ich gar nicht weiss wie ich das hinbekommen soll..vor allem bin ich viel alleine und hab da nicht die grosse unterstützung....und in die psychatrie zu gehen um mich auf ein medi einstellen zu lassen hab ich auch grosse angst - da meine psychatrieerfahrungen der letzten zeit einfach nur horror waren...ich hoffe ich schreibe hier nicht zu viel über mich - aber es tut einfach gut in einem forum wo etwas mehr verständnis herrscht seine gedanken mal nach aussen lassen zu können....

liebe grüsse, andrea

von solax - am 17.01.2007 10:59
Liebe Andrea,

das Adfd kenne ich auch, aber dort hab ich selten gelesen.
Ich hab auch ein Buch "Antideressiva absetzen" - war sehr teuer und erzählt nur "Horrorgeschichten" - hab ich nicht mal zu Ende gelesen.

Alles hat zwei Seiten!

Ich kann nur von mir aus gehen, ich hab mir damals gesagt: Schlimmer werden kann es nicht mehr!! - und hab die Tabletten genommen.
Natürlich hatte ich auch sehr große Angst aber ich wollte schon wegen meiner Tochter (damals 8 Jahre alt) und meinem Mann unbedingt wieder "gesund" werden.

Die Nebenwirkungen waren da, aber da kommt man durch. Die erste Besserung stellte sich bereits nach 2 Wochen ein!
Dann ging es jeden Tag nur noch bergauf.

Beim Ausschleichen hab ich sehr lange gebraucht.
Ich hab nach einem Jahr die Dosis von 50 mg täglich auf 25 mg reduziert.
Das ging gut.
Dann nach ca. 3 Monaten von 25 mg auf 10 mg. Ging auch prima.
Nach weiteren 3 Monaten auf 5mg (hab die Tablette dann durchgebrochen, weil es diese Mini-Dosierung gar nicht gibt)
Das hab ich noch 1 ganzes Jahr genommen, die halbe Tablette täglich.

Aber jetzt bin ich 6 Monate ohne Medikamente und es geht mir sehr gut!

Ich hatte aber auch das Glück, das meine Familie (Eltern auch) hauptsächlich mein Mann immer sehr verständnisvoll waren und mich in jeglicher Hinsicht sehr unterstützt haben.
Ich hab auch sehr sehr viel mit Freunden und eben meinem Mann darüber gesprochen.
Das hilft natürlich auch.

Sage Dir immer, wenn sich einer ein Bein bricht, dann bekommt er einen Gips und Krücken.
Und diese AD sind die "Krücken" man braucht sie nicht ewig, aber sie helfen einem da wieder heraus!

Ich hab hier früher in diesem Forum sehr viel gelesen und es gibt da noch einige mehr die die gleichen Symptome hatten wie Du und ich! (alte Beiträge von 2002/2003/2004)
Ebenso waren einige dabei, die nicht unbedingt gleich das "richtige" AD hatten und erst ein wenig ausprobieren mußten.

Du bist nicht allein damit!

Liebe Grüße
Regina




von Regina - am 17.01.2007 19:11
Liebe Regina,

nochmal ganz lieben Dank für deine Antworten!!! das hilft mir sehr !!! du scheinst ein sehr aufmerksamer Mensch zu sein, so etwas finde ich ist eine sehr gute "Gabe".
leider ist es mit meinem umfeld nicht ganz so einfach - die meisten "freunde" die ich vor meiner Erkrankung hatte sind einfach nicht mehr da - ich denke einigen macht es einfach angst einen menschen so verändert zu sehen....mit den noch wenigen wichtigen menschen die noch da sind kann ich leider nicht über einen möglichen versuch mit einem neuen medikament reden, da sie völlig dagegen eingestellt sind - ich bin ja selber unwahrscheinlich skeptisch und ängstlich was das angeht und es ist total wichtig für mich einfach mal über eine solche möglichkeit und auch die damit verbundenen ängste zu sprechen...der nächste punkt ist das ich angst habe wenn ich mich dafür entschliessen sollte gerade für die vielleicht schwierige anfangszeit keine Unterstützung zu haben...gestern hab ich noch mit meinem hausarzt (der auch psychotherapeut ist) darüber gesprochen und der war eigentlich immer eher so eingestellt das man es ja mal versuchen könnte - jetzt kam er gerade von einer fachtagung wieder und meinte das ad`s nicht sehr viel mehr wirkung haben als placebo`s....das man einfach noch zuwenig weiss über die abläufe im gehirn...jetzt bin ich erst recht verunsichert...so paradox das auch klingt hab ich gleichzeitig auch angst davor ein ad zu nehmen und zu merken das es gar nicht hilft und damit das gefühl zu haben es gibt keine möglichkeit mehr da raus zu kommen....manchmal kann ich an meinem eigenen "hickhack" im Kopf verzweifeln...
könnte ich dir eigentlich auch an deine private email-schreiben?

liebe grüsse, andrea

von solax - am 20.01.2007 11:31
Liebe Andrea,

das "da nicht mehr herauszukommen" war damals auch meine größte Angst.
Ich hab mich schon in der geschlossenen Psychatrie gesehen, ABER ich bin da wirklich rausgekommen, viele andere auch, ehemalige Forumsteilnehmer (könnte Dir einige nennen,wo Du auch die Beiträge nachlesen kannst), die sich heute kaum noch auf diese Seite verirren.
Wenn das ganze wirklich vorüber ist, dann liest man hier fast gar nicht mehr!

Klar kannst Du mir mailen : k.d.krone@onlinehome.de

Liebe Grüße
Regina

von Regina - am 20.01.2007 16:39
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