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Diskussionsforum-Angststörungen
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Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 10 Monaten
Beteiligte Autoren:
lena, maya

als kr.-schwester umkippen

Startbeitrag von lena am 15.01.2007 18:43

hallo,

ich bin krankenschwester (frisch examiniert) und hatte noch nie probleme mit blut oder operativen eingriffen an menschen.

bis ich im ersten lehrjahr bei einer pleurapunktion umgekippt bin! man sieht dabei ja eigentlich gar nichts! nur eine lange nadel und maximal einen tropfen blut, das wars! aber ich selber hatte mal eine punktion am knie und während der pleurapunktion hab ich daran gef´dacht! ich dachte:"oh die nadel geht aber weit rein..." hab mich voll drauf konzentriert und bin ohne vorwarnung umgekippt! also ich habs gar nicht gemerkt, fand die punktion überhaupt nicht schlimm, trotzdem kippte ich um!

seit diesem tag hab ich angst vor jeglichen sachen! ich krieg sogar angst wenn ich auf ITS muss oder auf eine infektionsstation, sobald das drumherum so OP-mäßig ist, mit grünen kitteln oder so, denk ich ans umfallen! selbst beim blut abnehmen oder wenn ich einem arzt assistieren muss! ich hab mich die ganze lehre vorm assistieren gedrückt! einfach nur aus angst vorm umkippen und der blamage "als schwester darf man nicht umkippen". das kuriose ist aber: ich hab mein examen auf chirurgie gemacht, hab wirklich eklige verbände gemacht, fußballgroße löcher am steißbein gespült und austamponiert. das hat mich alles nicht gestört! ich war auch im OP, bei einer hüft-TEP dabei, ich war hochkonzentriert und kippte NICHT um, aber die angst war trotzdem da! auch bei einer autopsie war ich dabei, ich bin nicht umgekippt! aber hätte vorher heulen können vor angst!

nun bin ich 14 monate zuhause gewesen (erziehungszeit) und ab februar geh ich wieder arbeiten (auf chirurgie). ich habe absolute angst!!!!!!!!!!

warum hab ich solche versagensangst? ich weiß, dass ich sehr kompetent und gut bin. ich hab ein super examen hingelegt! trotzdem hab ich angst!
manchmal denk ich auch im geschäft ans umkippen, bei einer riesenschlange denk ich dann "oh gott wenn du jetzt hier umkippen würdest..." ich kippe zwar nicht um, aber diese angst hindert mich an vielen dingen! wie gesagt, ich drücke mich vor normalen aufgaben einer schwester! im notfall kann ich ja nicht zum arzt sagen:"sorry, aber ich glaub ich kippe um"

wie kann ich meine angst besiegen oder in griff kriegen??

danke schonmal

Antworten:

Hallo lena!

Sag mal, kann es sein dass dein Drang zum Perfektionismus ziemlich hoch ist? Und auch deine Erwartungen an dich selbst? Ich glaub, ich täusch mich da nicht, kenn das ja auch von mir selber. Mir wurde auch erst mit der Zeit klar, wie sehr ich mich unter Druck setze, ungewollt eigentlich. Und dass das so gar nicht gut ist. Aber wenn mans erst mal weiß, kann man ja beginnen immer wieder mal ein wenig "lockerzulassen". Sich in Gelassenheit üben. Das schraubt die allgemeine Anspannung zurück, und man kann mit allem besser umgehen. Und man muß ja nicht immer perfekt sein, abgesehen davon, dass man das gar nicht kann, da kann man sich anstrengen , was man will.
Als du damals umgekippt bist, was ist da passiert? Hast du dich verletzt? Hat dich jemand ausgelacht? Hat jemand gesagt (oder deiner Meinung auch nur gedacht) du bist für diesen Job nicht geeignet?
Sonst irgendwas?
Oder spielt sich das alles nur in DEINEM Kopf ab?
Du weißt ja gar nicht warum du umgekippt bist. Es ist halt passiert. Das passiert jedem irgendwann mal, oder fast jedem.
Ich glaub nicht dass du jetzt angst hast, weil du seit dem solche dinge nicht mehr sehen kannst. Deine allergrößte Angst ist es , zu versagen, sagst du ja selbst. Warum solltest du versagen, wenn du kompetent und gut bist? Selbst wenn du mal umkippst, ist das doch kein Versagen. Darf man als schwerster oder arzt nicht mal umkippen? Klar, wenn man jedesmal kippt, wenn man nur ne nadel sieht dann ist man wohl nicht an der richtigen Stelle, aber das ist doch bei dir üüüüüüüberhaupt nicht der Fall, oder?
Deine Gedanken"oh gott, wenn du jetzt umkippst....." ja? was dann? dann kippst um , und dann stehst wieder auf. Aus. Das is jetzt brutal gesagt, aber so muß man es sich denken. Und eigentlich es es ja auch so. Hatte diese Umkippangst auch früher....
Aber wie du auch sagst , du kippst ja nicht um. Also denk dir das einfach mal so. Wenn du kippen sollst kannst es ja auch nicht beeinflussen, das passiert ja sowieso , ohne Vorwahrnung.
Wenn du schaffst so zu denken,immer wenn diese Angst kommt , wirst du sehen, dass es seltener wird , dass du überhaupt daran denkst. Hab ein wenig Geduld und übe das. Müßte klappen.
Oder: Versuchs mal von der heiteren Seite zu sehen. Stell dir die Situation mal vor, als Außenstehender! Patient, Nadel, Schwester... Schwester kippt um.
Weiß wie ich mein? Von der heiteren Seite. Man sollte nicht immer alles nur ernst betrachten.
Das muß ich mir selber auch immer wieder sagen!

Probiers mal, viel Spaß und alles Liebe, maya :cool:

von maya - am 15.01.2007 20:39
hi maya,

du hast recht, ich setze sehr hohe anforderungen an mich. zur zeit bin ich ja noch zuhause, versuche die perfekte mutter und partnerin zu sein.
koche, putze und erziehe. kümmere mich um ämtergänge etc. natürlich hilft mir mein freund dabei, aber er sieht alles immer sehr locker und schiebt viel raus. ich kann das nicht leiden, will alles sofort erledigen. wenn ich dann an manchen tagen aber nichts mache (weil ich keine lust habe), dann hab ich ein schlechtes gewissen und schlechte laune.

im beruflichen will ich natürlich auch 100% geben. auf dauer ist das sehr anstrengend... ich hab als schülerin (in meiner lehre) oft festgestellt, wie über andere schwestern gelästert wurde. irgendwie war das auf fast jeder station so! vielleicht kommt daher meine angst "was die anderen denken"...

bei dem ersten umkippen damals: es war die oberärztin dabei (noch ne sehr junge, war damals vielleicht 36) und eine assistenzärztin. beide sehr nett. die assistenzärztin hat assistiert und ich hab nur zugesehen. als ich nach dem umkippen wieder zu mir kam meinte die oberärztin mit einem lachen:"naja ich hol mir mal neue sterile handschuhe" sie hat das aber wirklich nicht böse gemeint. ich weiß nur, dass MIR das TOTAL peinlich war! ich dachte dass das gleich die anderen schwestern erfahren und die ärzte über mich lachen... aber gesagt hat keiner was! ICH habs nur zum problem gemacht und das ist bis heute so!

das komische ist ja: ich hab seit diesem moment immer angst vorm umkippen, aber wirklich umgekippt bin ich seit dem NIE WIEDER!! wieso reicht mir das nicht um die angst zu mindern? ich hab es ja auch schon mit der konfrontationsmethode versucht, war bei der autopsie dabei, im OP, als assistenz beim arzt und und und... aber die angst ist jedesmal wieder da.

aber meine hoffnung ist die routine... ich denke, wenn ich jeden tag mit verbänden und bestimmten untersuchungen (die manchmal auch blutig sind) konfrontiert bin, werde ich weniger angst haben. ich hab ja damals bei den verbänden auch keine angst mehr gehabt, hab ja jeden tag alle gemacht! (viele patienten bestanden darauf, dass ICH den verband mache, weil ich so sanft und vorsichtig sei!).

ich danke dir ganz doll für deine antwort und werd es einfach versuchen! ich bin eine gute schwester, also ran! ich werds hoffentlich schaffen! es kommt eben noch die angst vor dem neuen dazu, 14 monate pause, keine berufserfahrung, dann die psychische angst und gleich ne neue station! ein bisschen viel auf einmal!

tut sehr gut, wenn man hier auch von anderen lesen kann!
danke nochmal!!!!

lg
lena

von lena - am 16.01.2007 17:41
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