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Diskussionsforum-Angststörungen
Beiträge im Thema:
8
Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
maya, anno, reismeister, nirak, Anno

Schweißausbrüche

Startbeitrag von Anno am 14.02.2007 08:24

Hallo ich bin neu, lese aber schon lange Eure Beiträge. Bin 45, verheiratet und habe 7 jährige Zwillinge. Habe seit über 10 Jahren Angstprobleme und bin den üblichen Weg gegangen. Hausarzt, Psychater, Verhaltenstherapie. In der Tasche Tavor als Notfallhilfe. Mal geht es mir phasenweise ganz gut aber im September fiel ich in ein tiefes Loch. Meine Zwillinge kamen zur Schule und dieser Schritt war für mich gewaltig.Loslassen, (ist mir jetzt mit Hilfe meiner Hausärztin klar geworden) konnte und kann ich noch nicht. Ich liebe sie abgöttisch habe sie halt auch sehr spät bekommen und hatte eine schwere Schwangerschaft.Im Oktober fing es an , dass mir täglich schwankend im Kopf wurde.Mir zog es meinen Kopf immer zur Seite zumindest hatte ich das Gefühl. Das hat zur Folge, dass ich beim Autofahren immer so weit wie möglich rechts fahre (Randstreifen), weil ich Angst habe das mich irgendeine Macht nach links auf die Gegenspur zieht. KENNT DAS GEFÜHL JEMAND??? Mein Mann fuhr mal hinter mir her und sagte die Polizei hätte mich angehalten weil ,man denken könnte ich hätte getrunken. Im Januar fiel ich in so eine tiefe Depression, dass ich meine Hausärztin um Tabletten gebettelt habe. Ich habe eigentlich Angst vor Medikamenten. In Zusammenarbeit mit meinem Psychater bekam ich für morgens 50mg SERTRALIN-CT und abends 30 mg Amioxid-neuraxpharm. WER KENNT DIESE MEDIKAMENTE UND HAT ERFAHRUNG DAMIT??? Ich vertrage sie gut und meine Depression ist langsam am abklingen. Ich mache aber zusätzlich bei meiner Ärztin wöchentlich Gespräche und zu Hause progressive Muskelentspannung. 1 mal pro Woche schwimmen und walken.Ich kämpfe für mich, meine Kinder und meinen Mann wie ein Tier. Ich will wieder aus dem Loch raus, ich hasse diese Krankheit. Ihr glaubt nicht wie sehr. Was mich auch unwarscheinlich runterzieht sind meine Schweißausbrüche. Im Oktober nahm ich Citalopram. Ich schwitzte wie eine...! sichtbar auf der Stirn, am Rücken , Arme für jedermann. Ich setzte das Medi ab und zwei wochen später schwitzte ich nicht mehr so extrem. Mein Psychater sagte das wäre eher meine Angst gewesen. Nun nehme ich ja die anderen Medis und ich schwitzte am Anfang ´nicht so extrem. Jetzt fängt es aber wieder an. Es beeinträchtigt mich so sehr. Wenn der Schweiß kommt, bekomme ich Angst. Die Angst verstärkt dann den Schweiß noch mehr und ich kann kaum noch was machen. Nur hinsetzen und warten bis es aufhört. Meine Gedanken kreisen immer um die Fragen, SCHWITZE ICH VON DEN MEDIS; ODER WEIL ICH 45 BIN UND IN DIE WECHSELJAHRE KOMME ODER WEIL DAS MEINE ANGST ERKRANKUNG IST oder weil ich meine PERIODE BEKOMME???? Wer KENNT DAS MIT DEM SCHWITZEN UND WIE GEHT IHR DAMIT UM??? Ich könnte noch so viel schreiben an Euch aber das sind im Moment meine Hauptragen.Zum Schluss nur noch eine Anmerkung. Ich habe wohl 100 erte Beiträge, Bücher u.s.w. über diese Erkrankung gelesen, mir hilft das Wissen damit besser klar zukommen. Aber dennoch falle ich immer wieder auf diese Angst herein! Könnt Ihr mich verstehen was ich damit meine. Eigentlich bin ich doch intelligent und weiß das ich daran nicht sterbe. WARUM immer wieder TAG für TAG? Danke für Eure Zeit, die Ihr Euch nehmt mir zu antworten. Liebe Grüße Anno

Antworten:

Hallo Anno

finde, dass du eigentlich schon sehr stark an deinen Ängsten arbeitest. Klingt alles toll,
so wie du dich verhältst und das Schwitzen, ja das kann schon, wie du ja auch bereits
geschrieben hast, verschiedenene Ursachen haben. Auch immer wieder auf die
Angst reinfallem., dass kenn ich auch zur Genüge.
Nun ja und loslassen musst du deine Kinder ja auch noch nicht ganz. Es ist jetzt
ein neuer Lebensabschnitt für dich und deine Fam. gekommen, aber die beiden Kids
werden dich noch sehr lange brauchen.
Die Medis die du nimmst kenne ich leider nicht, trink mal jeden Tag 2-3 Tassen
Salbeitee, der soll angeblich das Schwitzen etwas verhindern.
Vielleicht konnte ich dir ein klein Wenig helfen.

Viele Grüße


von nirak - am 14.02.2007 13:01
he anno!

ich kenne sertralin, hatte ich mal für 1.5 jahre genommen - es ist mir eigentlich sehr gut damit ergangen, kaum nebenwirkungen. wichtig ist nur laaaaaangsam absetzen.

schweissausbrüche kenn ich nur zu gut und ich bin 29...


liebe grüsse
reismeister

von reismeister - am 14.02.2007 19:06
Hallo nirak und hallo reismeister,

vielen Dank für Eure Antworten. Den Salbeitee werde ich ausprobieren. Danke für diesen Tipp. Frage noch an reismeister. Wie gehst Du damit um wenn Dir der Schweiß ausbricht. Verstärkt er Deine Angst oder ziehst Du Dich nur um und gut ist es oder macht Dir das gar keine Angst. Sind Deine Schweißausbrüche auch von der Angst oder bist Du darauf schon mal speziell untersucht wurden? Wohl gemerkt ich rede nicht vom schwitzen sondern von Schweiß der sichtbar auf der Stirn erscheint und mir die Perlen dem Körper entlang laufen.

Liebe Grüße anno

von anno - am 14.02.2007 19:19
he anno!

meine schweissausbrüche sind psychischer und pysischer natur -
prinzipiell treten sie dann auf wenn ich mich irgendwie in die enge getrieben fühle, beobachtet fühle oder plötzlich vor mehreren leuten sprechen muss (was natürlich extrem unangenehm ist)

ich hab beobachtet, dass sie vermehrt nach dem genuss von alkohol (dass hält dann zwei drei tage an, da reicht bei mir schon ein bier am abend) oder auch nach sexueller aktivität auftreten.
mir hilft vor allem sport - da komm ich weniger schnell ins schwitzen und der schweiss riecht auch neutral.

ich hab meistens ein ersatz t-shirt bzw. ersatz hemd in der tasche...

liebe grüsse

reismeister

von reismeister - am 14.02.2007 21:41
Hallo Anno!

Ich kenne das Gefühl dass es einem auf eine Seite zieht. Bei mir ist es so: Wenn ich das spüre und anfange mir Gedanken zu machen , mich dagegen zu wehren, dagegenzusteuern, dann wird es schlimmer und sehr unangenehm. Das möchte ich nicht und darum lasse ich mich darauf gar nicht ein. Ich weiß dass es durchaus normal ist solche komischen Empfindungen zu habe. Ich weiß auch dass es was schlimmes bedeuten kann wenns einem auf ne Seite zieht. Aber davon geh ich nicht aus.
Ich bin 31, gesund und munter, warum sollte es was schlimmes sein? Und wenn es was sein soll , dann kann ich es auch nicht ändern. Wie gesagt, ich bin untersucht und gesund. Mehr kann ich nicht machen. Und drum laß ich mich nicht drauf ein, weil ich möcht mein Leben nicht in Angst und Sorge und somit mit unzähligen körperlichen Symptomen verbringen. Und man kann es sehr wohl selber entscheiden, wie und was man denken möchte. Manchmal gehört viel trainig dazu. Das heißt man muß er erst wieder lernen , weil man es einfach verlernt hat. Oder gar nie gelernt hat? Aber alles kann man lernen wenn man will , die Geduld und die Ausdauer aufbringt. Learning by doing. Doing = üben , üben , üben.
Ich weiß , ich wiederhole mich ständig hier im Forum. Aber ich kann mich noch erinnern, wie oft ich gewisse Dinge hören oder lesen mußte, bis ich endlich anfing, es wirklich wahrzunehmn , ernstzunehmen,und anzufangen es umzusetzten.
Bei dir kommt beim Autofahren , für jedermann sichtbar zum Ausdruck , welchen innerlichen Kampf du in diesem Moment führst. Das ist fast so ähnlich wie beim Biofeedback. Bloß nicht am Computer, sondern total echt. Irgendwie halt.
Diese Medikamente kenn ich nicht und hab auch keine Erfahrung.....
Hast schon mal mit nem Arzt oder Therapeuten über den Serotoninspiegel / haushalt gesprochen.
Find ich nicht so uninteressant diese Sache, im Gegenteil. Vielleicht sind das auch SSRI, keine Ahnung!!!
Wöchentliche Gespräche, prog. Me, walken, schwimmen, bist eh super unterwegs !!!!!!
Ich merke wie sehr du da raus willst , es erinnert mich an Situationen von mir.
Sehr gut wenn du diesen starken Antieb hast. Vielleicht schaffst du es auch noch, nicht ganz so negativ über die "Krankheit " zu sprechen: " Ich hasse diese Krankheit...." Auch wenn es so ist, man kann versuchen solche Dinge etwas umzuformulieren. Und man glaubt gaaaar nicht , was so kleine , banale Dinge im Endeffekt alles ausmachen können. Ich meine , so wie du sprichst möchtest du sie um alles in der Welt loswerden. Ich weiß , das ist auch so. Bevor das geschehen kann , muß man sie erst mal akzeptieren und lernen damit gut umzugehen. Verschwinden kann sie dann von selber. Sie wird nicht verschwinden wenn man sagt dass man sie haßt und unbedingt loshaben will. DIE MÖGLICHKEIT ETWAS LOSZULASSEN ; HAT MAN ERST; WENN MAN ES ZUVOR ANGENOMMEN HAT!!!

Du fragst dich woher das mit dem Schwitzen kommt. Du hast da vier sehr reale Möglichkeiten aufgezählt. Ist es nicht egal ob es jetzt von Periode oder Wechsel oder sonst was kommt? Nicht ganz egal natürlich, aber ist es sooo wichtig dass du dir darüber den Kopf zerbrechen mußt?
Ich kenne einige zwischen 40 und 56 die sehr darunter leiden. Hab als außenstehender erst nach ner Weile mitbekommen , wie lästig das wirklich ist für die. Da wird nur gewachelt , gefächert und geblasen. Einige Minuten , dann geht es wieder. Klar wenn dann die Angst dazukommt, wirds natürlich noch um vielfaches schlechter. Und das wieder ist ein Grund mehr find ich , die Sache mit der Angst in den Griff zu kriegen.
Du bist auch auf nem guten Weg, mit deinen Aktivitäten, kämpfen - wie du es nennst, lesen und informieren. Sehr gut , wirklich. Es sind nur mehr kleine , aber feine Unterschiede, die dich immer wieder " fallen" lassen. Dich wieder auf die Angst hereinfallen lassen. So ist es mir auch gegangen, ich verstehe dich! Und das ist auch noch zu schaffen. Es muß einem nur der "knopf aufgehen"

Genug erst mal , liebe Grüße , maya



von maya - am 15.02.2007 11:11
Hallo maja,

Deine Antwort (so ausführlich) hat mich sehr bewegt.Danke !
Training, Geduld und Ausdauer genau das ist es, was ich nicht habe. Meine Gedanken sind so: Nun bin ich fleißig, mache Sport, kämpfe und nehme sogar Medis, also wo bleibt nun meine Belohnung. Weist Du wie bei einem kleinen Kind, Teller leer und nun das Geschenk. Ich werde versuchen Deine Ratschläge mit in mein " Angst-Programm" aufzunehmen. Geduld und nicht immer so enttäuscht sein, wenn der Tag voller körperlicher Symptome ist.
Annehmen das liest man und hört man so oft. Die Angst annehmen. Aber mal ehrlich, geht das? Ich kann wohl sagen willkommen Angst , ich kenne dich und ich kenne auch deinen Schwindel im Kopf den du mir immer wieder beschehrst. Aber belügt man sich nicht damit? Willkommen ist sie doch niemals. Ich hasse diese Krankheit, ja, aber ich möchte auch gerne Deinen Rat annehmen und es nicht mehr so hart formulieren. Ich muß nachdenken darüber. Noch fällt mir keine bessere Formulierung ein.
Ich hätte da noch so eine kleine Frage. Durch das permanent blöde Gefühl in Kopf, was ich auch seit Oktober habe, Druck, Schwindel so schwankend u. s. w. habe ich mir was ganz blödes angewöhnt. Ich laufe auf Zehenspitzen. Das soll bewirken, das ich mehr halt habe. Also immer wenn ich schwindlig bin versteife ich meine Berine und gehe auf Zehen. Bekloppt!!! Das hat tierischen Muskelkater zur Folge. Ich sage mir wenn ich es merke " ich werde jetzt ganz bewußt auf beiden Füßen stehen", im selben Moment gehe ich aber wieder auf Zehenspitzen. Kannst Du damit was anfangen?
Genug nun und nochmal Danke für die tolle Antwort,
liebe Grüße anno

von anno - am 15.02.2007 19:47
Hallo Anno!

Also die Sache mit den Zehenspitzen ist ja lustig! Ich mach micht nicht lächerlich , auf gar keinen Fall, und für dich is es sicher auch nicht lustig, aber für mich als Außenstehende........ich muß schon grinsen. Ich hoffe, du bist nicht böse deswegen!
Auf jeden Fall kann ich es mir gar nicht so richtig vorstellen, denn eigentlich hab ich auf Zehenspitzen laufend ja weniger Halt , als wenn ich mit der ganzen Sohle aufsteig!
Muskelkater klar, vielleicht auch noch den ein oder anderen Krampf.
Recht viel mehr kann ich da im Moment nicht sagen dazu, außer dass du noch mehr versuchen könntest, deine Gedanken ( ich werde ganz bew. auf beiden Füßen stehen) auch wirklich umzusetzten.
Geht das nicht ? Oder ginge es, und du hast nur Angst davor? Ich weiß zu wenig genaues , um mehr dazu sagen zu können.

Ansonsten freu ich mich riiieesig, dass ich mit meinen Worten bei dir ankommen konnte! Im Moment hab ich die Zeit, mir Gedanken zu machen , zu schreiben. Und das mach ich ur gerne. Bald werd ich nicht mehr so viel Zeit dafür haben..... leider.

Ja, auch Geduld kann man sich anlernen, zumindest um einiges erweitern.
Ich finde schon dass man die Angst annehmen kann. Das heißt ja nicht dass man sie anfangt zu lieben und nie wieder hergeben möchte.
"Ich kann wohl sagen willkommen Angst , ich kenne dich und ich kenne auch deinen Schwindel im Kopf den du mir immer wieder beschehrst. Aber belügt man sich nicht damit?"
Hm, das einzige was ich in deinen Worten da ev. als "Lüge" bezeichnen könnte, ist das Wort willkommen.Das andere stimmt ja . Wenn dir willkommen zu viel des guten ist, such dir ne bessere Variante, und schau ob es dann der Wahrheit entspricht. Das was man sagt (oder denkt) sollte schon so in etwa auch wirklich gemeint sein. Und den Rest der Unsicherheit bei diesen Gedanken würde ich nicht als sich belügen bezeichnen , sondern eher : als sich neu programmieren.
Das gehört nämlich auch dazu. Hört sich hart an , so roboterhaft, aber es ist doch sehr treffend.
Wenn bei einem im Kopf was nicht so läuft wie man es gerne hätte, kann man es mit training "umprogrammieren" .
Angst annehmen heißt auch einfach , sich nicht gegen sie zu wehren, oder sie verdrängen zu wollen. Sie einfach da sein lassen, wissend dass einem nichts passieren kann. ( was du ja zum Glück schon weißt!!) Sich keine Hilfsmittel gegen sie , und keine Fluchtmittel vor ihr parat zu halten.
Hört sich alles so leicht gesagt an , aber die Umsetzung, ich weiß..... Hat auch lang gedauert bei mir. Aber wenn man es wirklich möchte, kann man es auch schaffen!!!

Ich bin mir sicher, dir fällt noch eine andere Formulierung ein, wenn du dir drüber wirklich Gedanken machst!
:)

So, jetzt hab ich schon wiede so viel geschrieben..... a witz!

Liebe Grüße
maya

von maya - am 15.02.2007 20:52
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