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vor 13 Jahren, 10 Monaten
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Blau

Big Brother Award für den fcsg

Startbeitrag von Blau am 04.08.2004 14:24

Big Brother Award für den FCSG?
Umstrittene Leibesvisitationen für Gästefans führten zur Nominierung für den «Datenschnüffler»-Preis
ST. GALLEN. Der FC St. Gallen wurde für den Big Brother Award, den Preis für die «unverschämtesten Datenschnüffler», nominiert. Grund: Fans der Gastmannschaft müssen ihre Personalien angeben und sich teilweise bis auf die Unterhosen ausziehen.

Andreas Kneubühler

Es ist das übliche Brimborium vor einem Fussballspiel: Das Stadion Espenmoos ist gerammelt voll, die Mannschaften betreten mit der üblichen martialischen Begleitmusik den Rasen. Im Sektor der Gästefans explodieren Petarden, die FCSG-Anhänger antworten mit einem wütenden Pfeifkonzert. Weniger üblich ist allerdings, dass sich einige der Fans der Gastmannschaft vor dem Eintritt ins Stadion eine Behandlung gefallen lassen mussten, die es so bei keinem anderen Klub der Nationalliga gibt.

Einverständnis-Erklärung
Vor dem Eingang zum Gästesektor wählen Securitas-Mitarbeiter Personen aus, die sich in einer Extraschlange anstellen müssen. Sie erhalten ein Formular in die Hand gedrückt. Auf der Einwilligungserklärung müssen sie Name und Vorname(n) eintragen und mit der Unterschrift bestätigen, dass sie mit einer Leibesvisitation einverstanden sind. Wer den Zettel nicht unterschreibt, erhält keinen Zutritt ins Stadion. Einzeln werden die Besucher in einen Container geführt. Dort werden sie von Securitas-Angestellten gefilzt, sie müssen die Taschen ausleeren. Einige werden aufgefordert, sich bis auf die Unterhosen auszuziehen, und werden von Securitas-Mitarbeitern mit Handschuhen abgetastet.

Rechtlich in Ordnung
Auf dem abgegebenen Formular steht, dass die Einwilligungserklärung «ohne Datenverarbeitung» dem FC St. Gallen übergeben und das Ergebnis der Durchsuchung nicht festgehalten werde. «Spätestens nach einem Monat werden die Erklärungen vernichtet», heisst es weiter. «Die Zettel liegen im Büro und werden dann weggeschmissen», unterstreicht Ivo Sulzberger, Sicherheitschef beim FCSG. Die Formulare würden bloss behalten, damit allenfalls bewiesen werden kann, dass die Leute mit der Leibesvisitation einverstanden gewesen seien. Rechtlich bietet das Vorgehen des FC St. Gallen kaum Angriffsflächen. Nach Protesten bei der Einführung der Kontrollen vor drei Jahren haben sich die Verantwortlichen beim eidgenössischen Datenschutzbeauftragten erkundigt und das Vorgehen angepasst. Für Kritik gebe es «kein Fleisch mehr am Knochen», bestätigt Kosmas Tsiraktsopoulos, Sprecher des eidgenössischen Datenschutzbeauftragten. Doch den Initianten des «Big Brother Award» geht es um etwas anderes: «Wir kritisieren unverhältnismässiges Datensammeln und Bespitzeln selbst dann, wenn die betroffenen Personen ihre Einwilligung erteilt haben.» Es gehe darum, auf unnötige Überwachung und Kontrollen aufmerksam zu machen. Der Big Brother Award wird jedes Jahr im Oktober dem grössten «Datenschnüffler» verliehen. Eine unabhängige Jury wählt unter den nominierten Kandidaten den «Sieger» aus. Hinter dem Award stecken Organisationen wie das Archiv Schnüffelstaat Schweiz, die Swiss Internet User Group (SIUG) oder die Online-Gewerkschaft Syndikat. In den letzten Jahren wurden mit dieser zweifelhaften Auszeichnung etwa Bundesrat Samuel Schmid für die umstrittenen Fragebogen für Rekruten bedacht oder die St. Galler Firma Q-Sys, die ein System entwickelt hat, mit dem Betagte in Altersheimen befragt und eingestuft werden.

Garantie der YB-Fans
Die Praktiken des FC St. Gallen sind seit längerem immer wieder Thema. Der Grund: Die Leibesvisitationen können das Abfeuern von Petarden nicht verhindern. Vor den meisten Spielen wird Feuerwerk abgebrannt. «Diese Petarden wurden schon vorher ins Stadion geschmuggelt», weiss Daniel Wirth, Mediensprecher des FCSG. Probleme gebe es vor allem mit den Fans von Basel, Zürich, GC und YB. Letztere sind die einzigen Anhänger von Gästemannschaften, die nicht durchsucht werden. Vertreter der Berner YB-Fans haben sich mit den Verantwortlichen des FCSG getroffen und garantiert, dass keine Petarden mehr gezündet würden. «Das gilt jetzt seit zwei Heimspielen und hat geklappt», stellt Wirth fest. Was bringen die Kontrollen? Wirth verweist auf das Ergebnis der Durchsuchungen: Immer wieder würden Feuerwerk, Wurfgegenstände sowie Waffen gefunden. Erstaunlich ist allerdings, dass die Fans des FC St. Gallen diese Leibesvisitationen nicht über sich ergehen lassen müssen. Dabei kam es beispielsweise nach den Heimspielen gegen den Kantonsrivalen FC Wil von St. Galler Seite zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Der Grund für die Zurückhaltung: Dem Fan-Kodex verpflichtet, brennen die St. Galler Ultras auf dem heimischen Espenmoos in der Regel keine Petarden ab - das machen sie im Hardturm, St.-Jakob-Park, Letzigrund oder Neufeld

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